Kinderarbeit für Kaffeebohnen: Bildung ist der Ausweg

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Bild: Flickr-User Refracted Moments (CC-BY)

Kaffee ist das prototypische Fair-Trade-Produkt, das es mittlerweile in fast jedem Supermarkt gibt. Aber obwohl der faire Konsum deutlich wächst und obwohl Kaffee bei fairen Produkten der Spitzenreiter ist, liegt der Anteil fairen Kaffees am Gesamtvolumen des verkauften Kaffees in Deutschland immer noch bei mageren zwei bis drei Prozent.

Autor Helge Peters, 09.06.10

Die überwältigende Mehrheit der Kaffeebohnen wird also immer noch unter den leider normalen Bedingungen von ausbeuterischer Tagelöhnerei und Kinderarbeit produziert.

Das Blog der Kampagne Aktiv gegen Kinderarbeit verweist auf eine neue Reportage über die Arbeit auf einer guatemaltekischen Kaffeeplantage:

Auf der Finca San Jaime bekommen die Tagelöhner 36 Quetzales für das Pflücken von vier Kisten voll Kaffeekirschen. Das sind etwa drei Euro für hundert Pfund. Soviel kann ein ausdauernder Arbeiter an einem Tag pflücken, aber nur, wenn die Bedingungen günstig sind. Mit der Hilfe seiner Kinder schafft er natürlich mehr. Doña Marta und ihre beiden Söhnen haben an diesem Tag nur knapp zwei Euro verdient. José ist enttäuscht. „Es werden so 24, 26 Quetzales sein, obwohl wir zu dritt gepflückt haben. Aber zum Essen brauchen wir 30 bis 40 Quetzales. Es reicht also nicht.“

Auf den Großplantagen müssen die Kinder der Tagelöhner mit arbeiten:

Miguel trägt keine Schuhe, dafür aber eine Schirmmütze auf die in dicken Lettern der Werbeslogan einer politischen Partei geschrieben steht: „Gemeinsam für den Fortschritt!“ Ich traf den kleinen Jungen bei einem Spaziergang durch die Felder der Finca San Jaime. Er hatte sich gerade einen Unterarm blutig gekratzt und saß nun im Schatten eines Kaffeestrauchs, um über die Wunde zu lecken. „Manchmal hängen nur wenige Kirschen am Strauch“, sagt er. „Dann strengst du dich fast umsonst an. Ich denke, unser Leben sollte nicht so sein.“

In Südamerika gibt es fünf Millionen Kinderarbeiter, weltweit sind es nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation etwa 218 Millionen. Viele davon arbeiten in der Landwirtschaft. Ihre billige Arbeitskraft ist der Grund für unsere niedrigen Preise. Dabei haben die Eltern der Kinder oft keine Wahl: aus ihrer materiellen Armut folgt, dass die Kinder zur Versorgung der Familie mit helfen müssen.

Reicht es aus, fairen Kaffee zu kaufen, um etwas gegen Kinderarbeit zu tun? Mehr als ein erster Schritt kann das nicht sein.

Das wichtigste Werkzeug zur langfristigen Bekämpfung der Kinderarbeit ist Bildung. Deshalb unterstützt RESET in Afrika und Indien Schulprojekte für unterprivilegierte Kinder. In Ruanda helfen Resetter beim (klimaneutralen) Ausbau der Sekundarschule in Mushubi. In Südindien ermöglichen Spenden von Resettern den Betrieb von zwei Vorschulen, die für Kinder aller Kasten offen stehen und der Gewaltlosigkeit verpflichtet sind. Diese Projekte können deine Unterstützung gut gebrauchen.

Mehr Infos zu Kinderarbeit stehen in unserem Wissens-Artikel zum Thema. Die Kampagne Aktiv gegen Kinderarbeit hat auch einen länderspezifischen Überblick zu Südamerika.