Ich bau dir ein Haus aus CO2

Bohrkern des CarbFix Projektes

Island. Das Land der Vulkane und Elfen. Und jetzt auch das Land der unterirdischen CO2-Verpressung. Mit zukunftsweisenden Ergebnissen.

Autor Silvana Steiniger, 15.06.16

Hohe Kohlenstoffdioxid (CO2) Konzentrationen in der Atmosphäre sind ein maßgeblicher Faktor des Klimawandels. Daher gibt es viele Ansätze, das klimarelevante Gas aus der Luft zu entfernen. Sei es durch Filtertechnologien oder zum Beispiel durch unterirdische Verpressung, auch bekannt als Carbon Dioxide Capture and Storage (CCS). Letzteres ist ein seit Jahren heiß diskutiertes Thema: Das Potential dieser Technologie ist enorm, denn damit könnte man direkt am Ort der Erzeugung, zum Beispiel an Kraftwerken, das CO2 durch spezielle Verfahren abscheiden und elegant unter die Erde befördern.

Leider sind die Gefahren ebenso enorm, denn wenn man CO2 als Gas in den Boden injiziert und es durch Lecks wieder zurück an die Oberfläche gelangt, könnte das lokal verheerende Folgen haben. Bei der zweiten Methode, CO2 als Feststoff in den Boden einzuleiten, war bisher völlig unklar, wie lange es eigentlich dauert, bis das CO2 zu Stein wird, was das eigentliche Ziel dieser Art der unterirdischen Verpressung ist. Hundert Jahre? Tausend? Wer weiß da schon.

Darauf gibt es seit Neustem eine Antwort: Kürzer als gedacht. Herausgefunden hat das ein Kraftwerk in Island. Seit 2012 wird in Hengill im Rahmen des CarbFix Projektes CO2, gemischt mit Wasser und Schwefelwasserstoff, in unterirdische Schächte gepumpt. Bisher ganze 4 500 Tonnen. Zur Überwachung, ob das CO2 wieder austritt, wurde dem Gemisch noch ein Isotop beigemengt, um eine Unterscheidung von atmosphärischem CO2 zu ermöglichen. Schlau.

Und wie lange dauert das denn nun??

Eine aktuelle Untersuchung hat ergeben, dass bereits nach zwei Jahren mehr als 95 Prozent des CO2 in Karbonate umgewandelt wurden, was in Anbetracht der bisherigen Schätzungen mehr als verblüffend ist. Grund für die schnelle Umwandlung ist wahrscheinlich die Zusammensetzung des vulkanischen Basaltgesteins, in das das Gemisch eingeleitet wurde.

Das ist jedoch nicht das einzige, dass die Untersuchung ergeben hat: Mit der unterirdischen Einleitung von CO2 in Hengill wurde deutlich, dass die Einlagerung von CO2 als vermischter Feststoff nicht nur kostengünstiger, sondern, im Vergleich zu Gas, völlig ungefährlich scheint.

Natürlich kann man sagen, und man sollte es auch, warum produzieren wir eigentlich Energie, bei der CO2 anfällt, wo wir doch wissen, dass es schädlich ist? Und dann unter die Erde pumpen und einfach so weitermachen wie bisher, weil das CO2 ist ja weg dann, das doch bescheuert! Stimmt. Doch Hengill ist ein geothermales Kraftwerk und das anfallende CO2, als auch der Schwefelwasserstoff, sind natürliche Vulkangase, und die müssen ja auch irgendwo hin. Zudem könnten mit dieser Technologie, wenn sie denn in den nächsten Jahren erfolgreich eingesetzt werden kann, der Atmosphäre viele Tonnen CO2 erspart bleiben.

© Greenpeace UK Schematische Funktionweise CCS
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