Elfenbein und Co. : das Startup Pembient will der Wilderei mit 3D-Druck ein Ende machen

Alle 15 Minuten wird ein Elefant wegen seines Elfenbeins gewildert. (Bildausschnitt)

In Asien nennt man es auch „das weiße Gold“: Elfenbein. Stoßzähne von Elefanten und Rhinozeros-Hörner bringen laut Schätzungen auf dem Schwarzmarkt weit mehr als Gold und Kokain. Doch der wahre Preis liegt viel höher. Bald werden viele der gejagten Arten ausgestorben sein. Der Silberstreif am Horizont: Auch Hörner lassen sich mittlerweile per 3D-Drucker herstellen. Pembient, ein Startup aus Seattle, versucht sich daran.

Autor Laura Holzäpfel, 23.06.15

Den 3D-Druck als eine der Zukunftstechnologien zu beschreiben, ist wohl keinesfalls übertrieben, was insbesondere an den vielfältigen Einsatzgebieten für 3D-Drucker liegt. In China beispielsieweise wurde im letzten Jahr ein Halswirbel aus Titangranulat gedruckt und erfolgreich implantiert. Auch RESET berichtete bereits über die Möglichkeiten, ganze Prothesen zu drucken und über die Ambitionen der Kosmetikindustrie, Haut aus dem 3D-Drucker zu generieren, womit Tierversuche eingedämmt werden könnten. Ein Team aus den USA möchte sich mit Hilfe der Technologie nun einem neuen Feld widmen: dem Markt für Elfenbein und Rhinozeros-Horn.

Alle 15 Minuten muss ein Elefant sterben – wegen seiner Stoßzähne

Das Geschäft mit der Wilderei ist ein lukratives. Auf dem Schwarzmarkt in China erzielt rohes Elfenbein etwa 3700 US-Dollar pro Kilo, bearbeitetes Elfenbein liegt sogar bei etwa 10 700 US-Dollar das Kilo. Noch begehrter ist das Horn von Rhinozerossen. Hier liegt laut Angaben des Magazins Africa Geographic der Marktpreis bei unglaublichen 70 000 US-Dollar. Damit ist ein Nashorn derzeit wesentlich teurer als etwa die gleiche Menge Gold. Die Folge: Elefanten und Rhinos sind finden sich auf der Liste der bedrohten Arten ganz oben.

Matthew Markus und George Bonaci brachte das auf den Gedanken, Nashörner sozusagen ohne das Nashorn zu erzeugen. Mit ihrem Startup Pembient versuchen die beiden nun, den grausamen Markt mit 3D-gedruckten Hörnern zu unterwandern. Ihr Vorteil: Ein gedrucktes Horn kostet auf dem Markt einen Bruchteil dessen, was ein echtes kosten würde. Erste Erfolge haben sie bereits erzielt: es gelang ihnen, pulverisiertes Horn herzustellen, das als Ersatz für das echte Horn-Puder für „medizinische“ Zwecke eingesetzt werden kann.

An dieser Stelle sei das Wort „medizinisch“ eingeklammert, da längst wissenschaftlich belegt ist, dass keinerlei medizinische Erfolge durch den Einsatz von Rhinozeros-Horn oder Elfenbein erzielt werden können. Dennoch boomt der Markt, denn der traditionelle Glaube an die heilenden Kräfte von Elfenbein und Co. ist ungebrochen.

Wer will Druck-Horn?

Die brennende Frage, die bleibt: Wird 3D-gedrucktes Horn in einem derart von Tradition getragenen Markt überhaupt angenommen? Denn wie gut auch immer die Replikation sein mag, wo kein Käufer ist, ist letztendlich auch kein Markt.

„Wir haben uns bei den Konsumenten von Rhino-Horn umgehört und herausgefunden, dass etwa 45% von ihnen Rhino-Horn aus dem Labor als Alternative zu echtem akzeptieren würden“, meint Pembient CEO Matthew Markus und erklärt weiter: „Zum Vergleich: Nur etwa 15% der Konsumenten würden Büffel-Horn als Alternative in Erwägung ziehen, das als offizielle für diesen Zweck angeboten wird.“   

Von einem ganzen Horn aus dem 3D-Drucker sind Pembient derzeit noch ein Stück weit entfernt. Dran sind sie aber allemal. Selbst wenn sie „nur“ die Hälfte des Marktes abgreifen könnten, wäre damit schon einer Menge Tieren geholfen. Denn allein im Jahr 2013 wurden 41 Tonnen (!) Elfenbein beschlagnahmt. Wer hart im Nehmen ist, kann ja mal runterrechnen, wie viele Tiere dafür wohl nicht nur ihr Horn, sondern auch ihr Leben lassen mussten.

Wie Aktion gegen Wilderei andernorts aussieht, zeigt unser RESET-Artikel über die Naturschutzorganisation WWF, die im Himalaya Google Glass gegen Wilderei testet.

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