Grüne Suchmaschinen

Wir geben eine Suchanfrage ein und innerhalb von Sekunden erhalten wir eine lange Trefferliste. Was den wenigsten bewusst ist: Für diesen Vorgang sind große Mengen Energie nötig. Grüne Suchmaschinen wie Ecosia versuchen das auszugleichen.

Autor Sarah-Indra Jungblut, 20.06.13

Eine Suchanfrage bei der bekanntesten Suchmaschine weltweit (Google) verbraucht nach eigenen Angaben des Unternehmens rund 0,0003 Kilowatt Strom. Mit 200 solcher Suchanfragen wird damit ähnlich viel Energie benötigt, wie für das Bügeln eines Hemdes. Und mit den monatlichen Suchanfragen eines durchschnittlichen Nutzenden lässt sich eine 60-Watt-Glühbirne für immerhin drei Stunden mit Strom versorgen.

Das hört sich wenig an? Ja, im Einzelnen betrachtet schon. Doch allein bei Google* prasseln schätzungsweise rund 3,8 Millionen Suchanfragen pro Minute ein, wie eine Studie im Auftrag der Wirtschaftswoche ergab. All diese Suchanfragen summieren sich zu einem Energieverbrauch, den Google selbst allein für das Jahr 2015 mit 5,7 Terawattstunden bezifferte. Der jährliche Energiekonsum der Stadt San Francisco dürfte in etwa genau so hoch sein.

Verantwortlich für den großen Strombedarf: der Suchprozess selbst

Eine eingehende Suchanfrage wird gleichzeitig an mehrere Rechenzentren weitergeleitet, die parallel die Antwort berechnen — die schnellste Reaktion erscheint dann bei uns auf dem Bildschirm. Vor allem bei komplexen Suchanfragen werden tausende Server eingespannt, um in kürzester Zeit eine Trefferliste anzeigen zu können. Die Idee hinter alternativen Suchmaschinen: diesen enormen Strombedarf kompensieren. Mit Kompensationszahlungen spenden CO2-Verursacher Geld an Organisationen, die damit klimafreundliche Projekte finanzieren und so an anderer Stelle Emissionen einsparen. Mehr dazu auch in diesem Artikel: Be a CO2-Compensator

Wie funktionieren grüne Suchmaschinen?

Bei den grünen Suchmaschinen Ecosia und Co. handelt es sich nicht um echte Suchmaschinen, sondern um grüne Masken für Suchmaschinen wie Bing, Google und Yahoo. Das heißt, dass die Öko-Suchmaschinen eine eigene Maske stellen, über die du deine Suche startest. Die eigentliche Suche wird dann aber über eine der bekannten Suchmaschinen wie Bing oder Google ausgeführt. Für ihre eigene Suchmaske beziehen die grünen Anbieter Ökostrom. Aber damit wird nicht die Energie abgedeckt, die für deine Suche benötigt wird. Um diesen Energiebedarf zu kompensieren, haben grüne Suchmaschinen verschiedene Ansätze entwickelt.

Einnahmen entstehen erst beim Klick auf die Werbung: Wie alle Suchmaschinen generieren auch grüne Suchmaschinen ihre Einnahmen, indem sie zur Suchanfrage passende Werbung und gesponsorte Links in die Ergebnisse einbinden. Für jeden Klick auf einen dieser Links bekommen die Betreiber der Suchmaschinen dann Geld. Während die meisten Suchmaschinen diesen Gewinn in ihre eigene Tasche wirtschaften, spenden grüne Suchmaschinen einen Großteil dieser Einnahmen an ökologische oder soziale Projekte. Der Energieverbrauch der Suchanfrage soll damit kompensiert werden.

Das ist ein grundsätzlich vernünftiges Prinzip. Es bedeutet aber, dass Spenden erst dann fließen, wenn Werbung angeklickt wird – und nicht mit jeder Suche. Wer jetzt denkt, dass man einfach öfter Werbung anklicken müsste, täuscht sich: Klicks aus Gefälligkeit bringen nichts. „Unechte“ Klicks ziehen in der Regel keine Einkäufe nach sich, was die Werbekunden verstimmt und sie springen ab.

Gute Gründe für grüne Suchmaschinen

Doch auch wenn du einen Werbeblocker verwendest oder nie auf Anzeigen klickst, ist es sinnvoll, eine grüne Suchmaschinen zu nutzen: Je mehr aktiv Nutzende die Suchmaschinen haben, desto relevanter werden sie für Werbekunden. Das hilft dabei, dass diese ihre Annahmen erhöhen und damit auch mehr Spenden weiterleiten können.

Dennoch gilt auch hier: Eine alternative Suchmaschine zu nutzen ist sinnvoll, aber die Energie erst gar nicht zu verbrauchen ist noch besser – durch das Vermeiden von unnötigen Suchanfragen!

Grüne Suchmaschinen

Von einer Handvoll an grünen Suchmaschinen, die in den letzten zehn Jahren ins Leben gerufen wurden, gab es im August 2019 nur noch eine: Ecosia.

  • Die 2009 ins Leben gerufene grüne Suchmaske Ecosia pflanzt mit den Einnahmen aus deinen Suchanfragen Bäume: 80 Prozent seines Einnahmeüberschusses spendet das Unternehmen an gemeinnützige Naturschutzorganisationen, die Wiederaufforstung betreiben. Im August 2019 sind dadurch nach eigenen Angaben bereits über 64 Millionen Bäume gepflanzt worden. Ecosia betreibt seine eigenen Server nicht nur mit Ökostrom von Greenpeace Energy, sondern baut seit 2018 auch eigene Solaranlagen. Seitdem hat Ecosia nach eigenen Angaben das Stromnetz mit ausreichend sauberer Energie versorgt, um alle Ecosia-Suchvorgänge mit 100 Prozent erneuerbarer Energie zu betreiben. Die Suchanfrage bei Ecosia läuft über Bing, eine Internet-Suchmaschine von Microsoft. Auch dieser Konzern betreibt seine Server mittlerweile zumindest teilweise mit erneuerbaren Energien. Ecosia punktet zudem in Sachen Datenschutz: Deine Daten werden nicht an Werbetreibende weiterverkauft, deine Suchanfragen sind durch eine sichere Verschlüsselungstechnologie vor potenziellen Lauschern geschützt und Ecosia verwendet keine Analyse-Tools von Drittanbietern. Außerdem veröffentlicht das Unternehmen monatliche Finanzberichte und Förderbescheinigungen über seine Aktivitäten.

Einen anderen Schwerpunkt hat die Suchmaschine Gexsi:

  • Die Suchmaschine Gexsi („Global Exchange for Social Investment“) ist ein Social Business, das einen Teil seiner Gewinne in die Unterstützung von Projekten einbringt, die daran arbeiten, die Welt zu einem besseren Ort  zu machen. Jeder Klick auf einen gesponserten Link in den Suchergebnissen generiert einen kleinen Geldbetrag – im Durchschnitt etwa einen halben Cent pro Suche, der dann an ein Projekt weitergeleitet wird. Gexsi unterstützt alle zwei Wochen ein anderes Projekt. Das entsprechende Projekt wird während dieser Zeit auf der Website vorgestellt. Die Nutzer erfahren so, was sie mit ihren Klicks unterstützen, warum das Projekt ausgewählt wurde und wie es funktioniert. Gleichzeitig wird dem jeweiligen Projekt zu mehr medialer Reichweite verholfen. Ähnlich wie bei der Baumpflanz-Suchmaschine Ecosia stammen die Suchergebnisse bei Gexsi von Bing.

Unsere Erfahrung hat gezeigt, dass Ecosia und Gexsi – und damit die Suche über Bing – bei einfachen Suchanfragen schon sehr gut funktioniert. Bei komplexen Suchen ist die Trefferliste von Google aber nach wie vor besser. Es macht also Sinn, als Standard-Suchmaschine einen alternativen Anbieter zu wählen. Für komplexere Suchanfragen kommt man aktuell (noch!) kaum an der Google-Suche vorbei. Unser Tipp: Spende zum Ausgleich doch direkt an Umweltschutzprojekte! Hier findest du unsere Empfehlungen: RESET empfiehlt – 10 handverlesene Spendenprojekte mit großer Wirkung

Weitere Schritte für ein grünes Netz

* Der Vollständigkeit halber soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, dass Google sich selbst verpflichtet hat, so viel an erneuerbaren Energien einzukaufen, wie das Unternehmen verbraucht. Seit 2017 deckt Google nach eigenen Angaben seinen gesamten Strombedarf (Rechenzentren und Büros) zu 100 Prozent durch erneuerbare Energie.

Autorin: Sarah-Indra Jungblut (RESET-Redaktion); Update: August 2019

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