Grüne Cloud ohne Big Data: So funktioniert Nextcloud im Unternehmen und Zuhause

Grüne und datensichere Cloud gesucht? Das Projekt Nextcloud bietet dazu die passende quelloffene Software-Lösung. Wir haben mit Andreas Steinhauser von infra.run darüber gesprochen, wie der Start mit Nextcloud funktioniert.

Autor*in Benjamin Lucks, 29.09.25

Übersetzung Lana O'Sullivan:

Für unsere Arbeit bei RESET haben wir lange Zeit Google Drive genutzt. Der kostenfreie Cloud-Speicher bietet privaten Nutzer:innen und Unternehmen 10 GB Online-Speicherplatz. Zudem ermöglicht er das gemeinsame Bearbeiten von Dokumenten und Listen, was in Redaktionen ungemein praktisch ist.

Zu unserem Anspruch, möglichst nachhaltige Tools für unsere Arbeit zu nutzen, hat der Anbieter allerdings nicht gepasst. Und das nicht nur aufgrund des wenig gemeinwohlorientierten Geschäftsgebahrens des Big-Tech-Players. Ganz konkret lässt sich bei Google auch kaum nachvollziehen, auf welchen Servern die eigenen Dokumente genau liegen.

Befinden sie sich in Deutschland und fallen damit unter die DSGVO? Werden unsere Daten nicht etwa für das Training neuer Sprachmodelle genutzt? Und laufen die Server tatsächlich mit Ökostrom? Bei der Suche nach einer datensicheren und grünen Alternative sind wir schnell auf die freie Software „Nextcloud“ gestoßen, die man einfach selbst auf einem eigenen Server installieren kann.

Allerdings kann die Installation der Open-Source-Software ohne das nötige Knowhow herausfordernd sein. Und uns haben standardmäßig auch einige Funktionen gefehlt, die wir für unsere Arbeit benötigen. Doch zum Glück bietet Nextcloud selbst die Cloud als Service an und im Netz finden sich mittlerweile verschiedene Dienstleister, die für eine monatliche Gebühr das komplette Cloud-Paket anbieten. Wir haben uns für den genossenschaftlich geführten Anbieter infra.run entschieden, die Nextcloud für gemeinwohlorientierte Unternehmen und Bildungseinrichtungen auf eigenen, grünen und datensicheren Servern anbieten.

Dieser Artikel erklärt, was Nextcloud überhaupt ist und wie sie sich am einfachsten nutzen lässt. Und wir haben mit Andreas Steinhauser von infra.run darüber gesprochen, warum Datenhosting in Europa überhaupt sinnvoll ist.

Was ist Nextcloud?

Zugegeben: Im Internet nach Nextcloud zu suchen, kann ein wenig verwirrend sein. Denn Interessierte können Nextcloud als kostenfreies Programm herunterladen und auf einem eigenen Server installieren. Nextcloud selbst bietet aber auch Enterprise-Lösungen für Unternehmen an, die mitunter echt ins Geld gehen. Und dann gibt es Hosting-Unternehmen, die Speicherplatz auf eigenen Servern anbieten und Nextcloud hier auf Wunsch vorinstallieren.

Andreas Steinhauser von infra.run beschreibt Nextcloud daher als „Cloud-Ökosystem“. Dieses ist aus dem Own-Cloud-Projekt entstanden und beschreibt erst einmal nur ein Cloud-Speicher mit Versionierung. „Aufgrund der vielen Features hat sich Nextcloud durchgesetzt.“, berichtet Andreas Steinhauser im Gespräch. Und inzwischen lässt sich Nextcloud um Plug-ins für gemeinsames Arbeiten, Messaging oder auch Videokonferenzen erweitern.

Aktuell gibt es die Community-Edition, das ist die kostenfreie Open-Source-Variante, und die Enterprise-Edition. Die Community-Edition können Interessierte über das Virtualisierungsprogramm Docker oder das von Google entwickelte Kubernetes auf einem Home-Server installieren. Obwohl sich beide Systeme unterscheiden, funktionieren sie ein wenig wie App-Stores auf dem Smartphone. Nutzer:innen können Pakete mit wenigen Klicks installieren und die Programme so auf ihrem Home-Server betreiben.

Nextcloud – so gelingt der Start

Nextcloud kann man selbst installieren oder zu einem Dienstleister greifen.

Nextcloud selbst bietet hierzu eine Anleitung zur Server-Installation, auf der man die benötigten Pakete findet.

Alternativ findet man auch 1-Klick-Lösungen, die Nextcloud selbst anbietet.

Bei verschiedenen Hosting-Anbietern, darunter Hetzner, 1&1 und PortKnox, kann man Nextcloud ebenfalls vorinstalliert auswählen und nutzen.

„Nextcloud läuft dann in einer Virtualisierung und bietet die Basisfunktionalität.“, so Steinhauser. Auf einem Home-Server oder einem gemieteten Serverspace lassen sich damit schon Daten hochladen und auf einem anderen Gerät herunterladen. So genutzt ist Nextcloud ein rudimentärer Cloud-Speicher, wie man ihn vor einigen Jahren als Alternative zu externen Festplatten genutzt hat.

Nextcloud selbst bietet aber auch einfache Plug-Ins, die man zusätzlich installieren kann. Nutzer:innen können so auch einen Messenger installieren oder ein Umfrage-Tool nutzen. Über zusätzliche Erweiterungen erhält Nextcloud Funktionen, die man von etablierten Cloud-Lösungen wie Google Drive oder dem OneDrive von Microsoft kennt. Wer im Team mt der Cloud arbeiten will, kann zum Beispiel Plug-Ins wie Collabora oder Open Office nutzen. Im RESET-Team verwenden wir Collabora etwa dazu, um gemeinsam an Dokumenten zu arbeiten.

Andreas Steinhauser rät bei komplexeren Nextcloud-Installationen aber zu Vorsicht. „Bei vielen Plug-Ins muss man am Ball bleiben und alles aktuell halten. Deswegen ist es häufig sinnvoll, Dienstleister zu verwenden, welche die Aktualität der installierten Pakete gewährleisten.“

Cloud-Alternative auch bei deutschen Hostern verfügbar

Auch wenn die Installation über Virtualisierungsprogramme recht einfach ist, benötigen Nutzer:innen dafür zudem einen Server oder zumindest eine virtuelle Maschine, die mit dem Internet verbunden ist. Wie bei Google Drive, Microsofts OneDrive oder auch pCloud aus der Schweiz, finden sich aber auch abobasierte Nextcloud-Lösungen. Viele Cloud-Hoster, etwa 1&1, Hetzner oder PortKnox, bieten zum Beispiel Nexcloud als Service an.

Andreas Steinhauser nennt diese Anbieter, da sie aktuell (Stand September 2025) Server betreiben, die in Deutschland stehen.“ Gleichzeitig warnt er vor Anbietern, die ihren Dienst zwar aus Europa betreiben, ihre Server dann aber etwa über Amazon Web Services in den USA betreiben. „Im Sinne des Patriot Acts fallen diese dann unter US-Vorschriften,“ so Steinhauser. Für sensible Daten oder mit Blick auf datenhungrige KI-Unternehmen in den USA kann das mitunter ein Nachteil sein.

infra.run betreibt daher eigene Server in Deutschland, die mit Ökostrom betrieben werden. Unternehmen mit einer Gemeinwohlorientierung und Schulen können so eine datenschutzsichere und nachhaltige IT-Infrastruktur nutzen.

Faire IT-Infrastruktur für Unternehmen, Schulen und Unis

Mit dem genossenschaftlichen infra.run bieten Andreas und sein Team faire IT-Lösungen für Schulen und andere Bildungseinrichtungen an als auch Unternehmen mit einem Interesse an gesellschaftlichem Mehrwert. „Ursprünglich haben wir angefangen, um Schulen durch die Pandemie zu bringen“, erzählt der IT-Experte. Während der Corona-Lockdowns mussten Schulen im Jahr 2020 sehr kurzfristig IT-Lösungen für Online-Unterricht finden.

Teil des Angebots von infra.run ist daher auch die Videokonferenz-Software „Big Blue Button“. Die freie Alternative zu Zoom oder Microsoft Teams erlaubt es Unternehmen und Nutzer:innen, Videokonferenzen auf lokalen und DSGVO-konformen Servern zu betreiben, die über Ökostrom betrieben werden. „infra.run ist daher auch Anbieter eines Digitalisierungspfades im Sinne einer digitalen Souveränität“, berichtet Steinhauser. Die gebotenen Lösungen sollen dabei „gut funktionierende und einfach zu bedienende Alternativen zu den etablierten, aber datenschutzseitig völlig inakteptablen Lösungen meist US-amerikanischer Anbieter“ sein.

Ansatz soll zukünftig auch für Sprachmodelle realisiert werden

Einen ähnlichen Ansatz möchte Andreas Steinhauser zukünftig auch für Sprachmodelle realisieren. Denn die KI-Anwendungen, die die meisten Menschen nutzen, haben mit ihrem hohen Energieverbrauch, ihrem gewaltigen Durst an Frischwasser und ihren negativen Auswirkungen auf Menschen im globalen Süden extrem viele Nachteile. Gleichzeitig werden Anwendungen wie Chat-GPT oder Google Gemini von US-amerikanischen Unternehmen geführt und fallen somit nicht unter europäische Datenschutzbestimmungen.

nachhaltige Digitalisierung

Wie sieht eine grüne digitale Zukunft aus?

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Eines der zukünftigen Projekte ist daher, eine datenschutzkonforme und lokale KI-Umgebung aufzubauen, die sich etwa von investigativen Journalist:innen oder von Unternehmen nutzen ließe. Aufgrund des genossenschaftlichen Ansatzes von infra.run ist die Organisation zudem davor geschützt, von Big-Tech-Unternehmen aufgekauft zu werden.

Sprachmodelle wie GPT oder DeepSeek lassen sich wie ein Computerprogramm auch lokal auf einem Computer ausführen. Da sie allerdings sehr ressourcenintensiv sind, hält die Performance in der Regel nicht mit den Online-Lösungen von OpenAI, Google und Co. mit. Diese mit persönlichen und sensiblen Daten zu füttern, kann allerdings kritisch sein.

Eine genossenschaftlich geführte, datensichere und nachhaltige KI-Infrastruktur wäre daher ein wichtige Werkzeug, um KI in Deutschland gemeinwohlorientiert betreiben zu können.

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Dieser Artikel ist Teil des Dossiers „Digital und grün – Lösungen für eine nachhaltige Digitalisierung“, in dessen Rahmen wir Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung vorstellen. Wir danken der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für die Projektförderung!

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