goodgoods-Messe in Hamburg: Öko und fair geht fast überall

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Die I:CO-Preisverleihung

Fast eine Messehalle füllten die Aussteller der Nachhaltigkeitsmesse GoodGoods in Hamburg vergangenes Wochenende. Entsprechend vielfältig waren die Produkte aus den Bereichen Wohnen, Mode, Technologie, Mobilität, Business, Ernährung und Gesundheit: von Kleidung über Möbel bis zu Kaffee, Stromanbietern und Fernsehsender.

Autor Sarah-Indra Jungblut, 31.05.11

Fast eine Messehalle füllten die Aussteller der Nachhaltigkeitsmesse GoodGoods in Hamburg vergangenes Wochenende. Entsprechend vielfältig waren die Produkte aus den Bereichen Wohnen, Mode, Technologie, Mobilität, Business, Ernährung und Gesundheit: von Kleidung über Möbel bis zu Kaffee, Stromanbietern und Fernsehsender. Die 90 Aussteller zeigten sich als eine bunte Mischung aus großen und kleinen Unternehmen, Designern und NGOs. Mit 10 000 Besuchern meldete die Messe einen vollen Erfolg.

Bei meinem Gang über die Messe bin ich an vielem vorbei geschlendert – die verschiedenen Biosoftdrinks habe ich alle schon probiert, mit ökologischen Waschmitteln und Kosmetikprodukten bin ich gut ausgestattet und die individuell gestaltbare „Buchhülle“ für das ipad ist zwar schick, nur habe ich leider keins!

Kaffee für Brunnen

Hängen geblieben bin ich beim Coffee Cirkel. Das Berliner Start-up haben Morit, Robert und Martin gegründet. Sie fahren regelmäßig nach Äthiopien – der Wiege des Kaffees, wie ich gelernt habe – um dort direkt bei den Bauern den auf traditionelle Art in Waldgärten angebauten Kaffee einzukaufen. Geröstet wird er dann in Deutschland und übers Internet verkauft. Das Gute daran: die Jungs kaufen hochwertigen Kaffee zu einem guten Preis ein – der über dem Fair Trade – Kaffeepreis liegt – und pro verkauftem Kilo geht wiederum ein Euro als Spende an Entwicklungsprojekte. Das Ergebnis sind gutbezahlte Bauern, ein sehr abwechslungsreiches, aber immer anspruchsvolles Kaffeeangebot und ein Trinkwasserbrunnen in Ilketunjo, der Kaffeeanbaukooperative, von der Coffee Circle seinen Limu, Yirgacheffe und den Espresso bezieht. Die nächsten Projekte stehen bereits in den Startlöchern.

Auch das Projekt zur Herstellung Fairer Elektronik (PHeFE) ist spannend: entwickelt werden sollen faire Mäuse für alle! Doch einfach ist das nicht. Je weiter zurück der Produktionsweg geht, also von Montage über Elektronik bis zu Rohstoffbeschaffung, desto schwieriger ist es, wirklich Einblick in die Herstellung und Gewinnung zu bekommen – und das wenige, was man weiß ist, dass die Bedingungen in den Minen für Menschen, Tiere und Umwelt alles andere als vorzeigbar sind. Ähnliches berichtete auch Goldschmied und „Goldtheoretiker“ Jan Spille, der faire Trauringe herstellt. Weltweit gibt es gerade mal 2 Goldminen, die nach fairen Kriterien Gold gewinnen – ein Zertifikat für Edelmetalle gibt es bislang noch nicht. Doch es tut sich was in diesem Bereich, so Spille. Die Trauringe gibt es schon, aus fairem und recyceltem Gold, schön sind sie auch. Die faire Maus ist noch Zukunftsmusik – doch das Projekt ist im Gange!

Unikate zum selber machen

Sehr viel Raum hat auf der Messe auch der Verbund Offener Werkstätten – „Freiraum zum Selbermachen“ eingenommen – mit Nähmaschinen, einem Holzwerktisch und Elektrowerkstatt. Selber machen ist wieder angesagt! Und ökologisch ist es allemal, seine Hosen nochmal zu flicken und sich mit anderen eine Nähmaschine zu teilen, anstatt dass jeder eine kaum genutzt zu Hause stehen hat. Auch die Berliner KUNST-STOFFE – Zentralstelle für wiederverwendbare Materialien – e.V. kannte ich vor der Messe nicht. Gesammelt wird hier alles, was sich zum Basteln eignet und noch nicht in den Müll gehört. Das Angebot richtet sich hauptsächlich an Künstler, aber auch Kindergruppen sind eingeladen – sie werden in verschiedenen Projektenangeboten auf kreative Weise an Recycling und „Re-design“ herangeführt.

Baum gegen Schokolade

„Way before they were cultivated by humans, cacao trees were grown under the lush canopies of diverse forest communities. This is how they want to grow, and this is the way that ensures the most intense and flavorful beans…“ Für jede Schokolade ein Baum – so der Slogan von Original Beans. Für jede verkaufte Tafel geht eine Spende an einen Bauern, womit dieser einen Baum pflanzt.  Die Schokobohnen stammen daher auch nicht aus Plantagen, sondern von alten Bäumen verschiedener Kleinbauern. Die Schokolade ist unglaublich gut, die Projektidee auch. 

Auch Design und Architektur gab es zu sehen: adream, der Wettbewerb über Architektur und Design aus nachwachsenden Rohstoffe stellte einige sehr schöne Einreichungen vor: ein Holzboden aus ungleichmäßigen Reststücken, zusammengefügt mit speziellen Holzplättchen, eine Treppe aus Baumwolle oder die Pappmachepresse, mit der selbst zusammengerührte Papiermasse zu kleinen Bausteinen für Kinder gepresset werden kann. Hier kannst Du Dir die Gewinner anschauen. Die Fortsetzung des Wettbewerbs ist noch nicht ganz klar, bleibt zu hoffen, dass es klappt!

Cradle to Cradle-Preisverleihung

Ein wenig Ruhm und Ehre gab es bei der Preisverleihung am Freitag vormittag: Die I:Collect AG und EPEA Internationale Umweltforschung hat auf der Goodgoods erstmals den I:Co Award – inspired by Cradle to Cradle verliehen. Ausgezeichnet wurden Produkte, die den Cradle to Cradle-Ansatz umsetzen. Auf Platz eins landeten zwei sehr schöne Ideen. Das Schwangerschaftskleid von Fioen van Balgooi, dessen oberer Teil als T-Shirt weitergetragen werden kann, das Unterteil ist zu einem Babystrampler und einer Stoffpuppe umfunktionierbar. Die zweite Idee ist das Creo Shoe Concept, ein Schuh-Kid von Jennifer Rieker: per Post bekommt man ein Lederetui zugeschickt mit einem Sohlenpaar und Schnittmuster. Der Schuster um die Ecke kann dann daraus das gewünschte Schuhmodell fertigen. Kein giftiger Schuhkleber, weil der Schuh genäht und genagelt wird, kein Verpackungsmüll, und Unterstützung des lokalen Handwerks – eins schönes Ergebnis!

Luxusgüter oder Welt verbessern?

Auf der Messe zeigt sich ein weiters Mal: öko ist in und schick! Ein großes, bunt gemischtes Publikum, eine vielfältiges Angebot und noch viel mehr Ideen. Ich bin gespannt, wie sich die Messe in den nächsten Jahren entwickelt. Noch haftet all dem der Geruch des Besonderen an. Doch erst wenn faire Produktionsbedingungen und eine umweltfreundliche Herstellung nicht mehr explizit gemannt werden müssen oder derart gekennzeichnete Produkte die Aura des Exklusiven haben, dann erst sind wir da angekommen, wo es hingehen soll: in einer besseren Welt!

MARKIERT MIT
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goodgoods: Die Messe für nachhaltigen Konsum 27 – 29 Mai 2011 in Hamburg

goodgoods ist die Leitmesse der in jeder Hinsicht „guten“ Produkte: Ökologisch und verantwortungsbewusst, gleichzeitig aber auch begehrenswert, smart und von bester Qualität.