Global Forest Watch zeigt die globale Abholzung in Echtzeit – ein wichtiges Werkzeug für den Waldschutz

titelbild_global_forest_watch
© Screenshot Global Forest Watch
Diese Karte von GFW zeigt intakte Waldbestände, verschiedene Waldarten (grün) und Gebiete mit großer Artenvielfalt (lila).

Mit den satellitenbasierten Karten von Global Forest Watch können Nutzer*innen auf Daten über Wälder weltweit zugreifen. Damit sind die Karten ein wichtiges Werkzeug, um gegen Abholzung und Brände vorzugehen.

Autor Leonie Asendorpf, 14.01.21

Übersetzung Leonie Asendorpf:

2019 ging alle sechs Sekunden eine Fußballfeld-große Fläche Regenwald verloren. Dazu zählten insgesamt fast zwölf Millionen Hektar Baumbestand in den Tropen. Fast vier Millionen Hektar davon waren über Jahrhunderte gewachsener, dichter Regenwald. Diese Wälder sind Lebensraum vieler Tiere und Pflanzen und fungieren als wichtiger, globaler CO2-Speicher. Doch unsere Wälder schrumpfen nicht nur durch die massive, teilweise illegale Abholzung. In den letzten Jahren haben zusätzlich, bedingt durch den Klimawandel, verheerende Waldbrände gewütet, wie beispielsweise Anfang 2020 in Australien.

Lange konnten die Verluste wichtiger Waldbestände erst im Nachhinein festgestellt werden. Mit der Online-Plattform und den interaktiven Karten der Organisation Global Forest Watch (GFW) können Aktivist*innen, NGOs, Wissenschaftler*innen und Regierungen kostenlos auf einen riesigen Datenschatz über Wälder weltweit zugreifen. Die Daten können genutzt werden, um Wälder zu überwachen und zu bewirtschaften, illegale Abholzung und Brände zu stoppen, nicht nachhaltige Aktivitäten anzuprangern, Landstücke und die darin enthaltenen Ressourcen zu verteidigen, Rohstoffe nachhaltig zu beschaffen und Forschung für den Naturschutz betreiben.

Vom kleinen Netzwerk zu einer globalen Community

Gegründet wurde die Plattform 1997 vom World Resources Institute (WRI). GFW startete zunächst als Netzwerk für verschiedene NGOs, die über den Zustand der Wälder in einzelnen Ländern berichteten. Über die Jahre hinweg wurde die Community, die an oder mit der Plattform arbeitete, immer größer und internationaler. 2004 begann GFW dann zum ersten Mal auch mit nationalen Regierungen zusammenzuarbeiten und gemeinsam Online-Karten für die lokalen Baumbestände zu entwickeln.

Die Daten stammen aus den frei verfügbaren Satellitenmissionen der NASA, der ESA und neuerdings auch aus den hochauflösenden Bildern von Planet, nachdem die norwegische Regierung in einem Deal mit Kongsberg Satellite Services (KSAT) und seinen Partnern Airbus und Planet den offenen Zugang zu hochauflösenden Satellitenbildern der Tropen möglich gemacht hat. Zudem werden weitere öffentlich zugängliche Informationen von Regierungen, NGOs, Forschungsinstituten oder Unternehmen einbezogen. Die Karten basieren auf verschiedenen satellitenbasierten Geoinformationssystemen (ArcGIS) des US-amerikanischen Softwareherstellers ESRI. Diese bilden die weltweiten Waldbestände nahezu in Echtzeit ab.

In Zusammenarbeit mit Greenpeace entstand 2006 die erste Karte über intakte Waldbestände weltweit. Neben Informationen über den Zustand der Wälder kamen weitere Informationen hinzu, beispielsweise über einzelne Rohstoff-Lieferketten oder größerer Waldbrände. 2017 kam eine App dazu, mit der Nutzer*innen auch offline auf die GFW-Daten und Funktionen zugreifen können. Durch die Kooperation mit führenden Finanz- und Rohstoffunternehmen wurde 2019 „GWF Pro“ gestartet. Mit diesem Projekt sollen Unternehmen darin unterstützt werden, das Risiko von Abholzung in ihren Lieferketten zu managen.

Heute können sich Nutzer*innen auf den interaktiven Karten der Plattform verschiedenste Informationen anzeigen lassen: zum Beispiel aktuelle Waldbrand- oder Abholzungs-Warnungen, Landnutzung und Bewaldung, die Standorte von Palmöl-Fabriken, CO2-Ausstoß durch Abholzung oder auch Gebiete, in denen es eine große Artenvielfalt gibt.

Schutz von Mangroven-Wäldern und Lokalisierung von Palmölmühlen

Gesammeltes und gebündeltes Wissen bietet einen guten Ausgangspunkt, um politische Missstände aufzuzeigen und sie anzuprangern. Durch die Bilder der Satelliten können zahlreiche engagierte Nutzer*innen von GFW auf Informationen zugreifen, die ihnen in ihrem Engagement für eine umweltfreundlichere und weniger klimaschädliche Welt und einem Schutz der weltweiten Waldbestände helfen. So zitierte beispielsweise die philippinische Kongressabgeordnete Susan Yap Daten von GWF, die den Verlust von Mangrovenbeständen zeigten, um im Abgeordnetenhaus für den Schutz und die Aufforstung dieser Baumart zu argumentieren. Daraufhin wurde ein Gesetz zur Erhaltung und Rehabilitierung der Mangrovenwälder gebilligt, das ein Verbot jeglicher Aktivitäten umfasst, die zur Beschädigung oder Zerstörung von Mangrovenwäldern führen.

Und auch mit der Einbeziehung von und der Kooperation mit großen Unternehmen, auf die der Druck nach einem verantwortungsvollen Ressourcenabbau immer größer wird, werden wichtige und große Weichen hin zu einem grüneren Wirtschaften gestellt, wie das Beispiel der Universal Mill List (UML) zeigt. Sie wurde vom World Resources Institute (WRI), der Rainforest Alliance (RA), Proforest und Daemeter erstellt, um die Lieferketten von Palmöl nachzuverfolgen und es Unternehmen damit zu erleichtern, den Rohstoff-Abbau zu überwachen. Mit der Liste werden insgesamt 1.815 Palmöl-Mühlen in insgesamt 26 Ländern identifiziert und mit relativ genauem Standort auf den Karten der Plattform dargestellt. Mithilfe der Daten, die von der internationalen GFW-Community gesammelt wurden und nun kostenlos zur Verfügung stehen, wird die Rohstoff-Rückverfolgung sehr viel einfacher. Denn bisher erwies sich trotz zunehmender Selbstverpflichtung von Unternehmen zu einem ressourcen- und umweltfreundlicheren Rohstoffabbau die Rückverfolgung der einzelnen Ressourcen oftmals als sehr kompliziert. Die UML integriert Unternehmensdaten, die von Verarbeitern, Händlern und Konsumgüterherstellern dem Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO) und FoodReg beigesteuert wurden. Große Unternehmen wie Unilever und Mondelēz International haben sich ebenfalls aktiv an der Erstellung der Liste beteiligt.

Auf der Website finden sich noch viele weitere Beispiele, in denen die Kartendaten zu einem Instrument für verbesserte Schutzmaßnahmen wurden. Laut Website wird die Plattform täglich von Tausenden Menschen genutzt. Seit 2014 sollen bereits vier Millionen Menschen aus allen Ländern der Welt die Plattform besucht haben. Zu den Partnern, die GFW finanziell unterstützen, gehören unter vielen anderen Google und das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP). Weitere Partner sind unter anderem Airbus, die University of Cambridge und viele weitere akademische und gemeinnützige Organisationen.

Dieser Artikel ist Teil des Dosssiers „Satelliten und Drohnen – Wertvolle Helfer für eine nachhaltige Entwicklung“. Alle Artikel des Dossiers findest du hier: Dossier Satelliten und Drohnen

Das Dossier ist Teil der Projekt-Förderung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), in deren Rahmen wir vier Dossiers über zwei Jahre zum Thema „Chancen und Potenziale der Digitalisierung für eine nachhaltige Entwicklung“ erstellen.


Mehr Informationen hier.

wildfires_over_oregon
© ESA
RESET-Dossier: Satelliten und Drohnen – Wertvolle Helfer im Umwelt- und Klimaschutz

Tausende Satelliten umschwirren unseren Planeten, ihre Dienste sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Auch im Umwelt- und Klimaschutz sind sie unverzichtbar geworden. Wenn da nicht die Sache mit dem Weltraummüll wäre... In unserem neusten Dossier widmen wir uns den Sternstunden und Schattenseiten von Satelliten und Drohnen aus Nachhaltigkeitsperspektive.

Gesunde Stadtbäume mit Unterstützung von Satellitendaten und maschinellem Lernen

Green City Watch arbeitet mit Geodaten und künstlicher Intelligenz, um die Pflege von Grünflächen und Bäumen in Städten zu optimieren. RESET sprach mit Mitgründerin Nadina Galle darüber, wie sich unsere Beziehung zur Natur durch die Technologien verändern könnte.

ESA kündigt ehrgeizige neue Erdbeobachtungsmissionen mit Satelliten an

Die Europäische Weltraumorganisation ESA plant weitere, sehr ambitionierte Satellitenmissionen. Die neu gewonnenen Messdaten sollen dazu beitragen, dringende ökologische Herausforderungen zu bewältigen. Aber können die Pläne auch verwirklicht werden?

UNOSAT: Mit Satelliten die Zukunft der humanitären Hilfe gestalten

Das Satellitenprogramm der Vereinten Nationen, UNOSAT, nutzt Geodaten, um fundierte, evidenzbasierte Lösungen für Fragen der menschlichen Sicherheit, des Friedens und der nachhaltigen Entwicklung zu entwickeln.

SkyTruth zieht Öl- und Fracking-Unternehmen zur Rechenschaft – mit Satellitenbildern

In der Vergangenheit blieben Umweltzerstörung, Ölverschmutzungen oder illegale Fischerei oft unerkannt. Doch durch die Arbeit von SkyTruth werden NGOs und die Öffentlichkeit zu Umweltbeobachtern aus der Vogelperspektive.

gumuruk_ssd-nov2019_airbusds
© CNES/ Distribution AIRBUS DS
Wertvolle Hilfe aus dem All: „Ärzte ohne Grenzen“ setzt bei seinen Einsätzen auf maßgeschneiderte Karten aus Satellitendaten

Die humanitäre Organisation „Ärzte ohne Grenzen Österreich“ hat eine eigene Fernerkundungs- und Geoinformatik-Einheit, die mit satellitengestützten Kartenprodukten die humanitäre Arbeit vor Ort optimiert. Wir sprachen mit Lorenz Wendt, der die Organisation mit maßgeschneiderten Karten versorgt.

1_ueberblick_icarus_mpiab_c_maxcine
© MPIAB_MaxCine
ICARUS: Verhaltensbeobachtung von Tieren durch Minisender und Satelliten

Ein satellitengestütztes System zur Beobachtung von Tieren soll bei der Erforschung von Infektionskrankheiten, der Vorhersage von Naturkatastrophen und dem Artenschutz helfen.

Drohnen und KI erkennen Plastikmüll in Flüssen und Meeren

Eine deutsche Forschungsgruppe setzt Drohnen in Kambodscha ein. Die Fluggeräte identifizieren und lokalisieren Plastikmüll entlang von Wasserwegen und machen Gegenmaßnahmen so effektiver.

Künstliche Intelligenz und Satellitentechnologie helfen beim Aufspüren von Ozeanplastik

Um die Meere vom Plastikmüll befreien zu können, muss man diesen zunächst einmal finden. Nach neuen Forschungsergebnissen könnte dies mit einer Kombination von KI und Satellitentechnologie einfacher, günstiger und effektiver werden.