Forschende entwickeln Browser-Erweiterung, die nachhaltigere Produkte auf Amazon und Co anzeigt

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Eine Forschungsgruppe der TU Berlin und der Beuth Hochschule für Technik Berlin arbeitet zusammen mit Ecosia an einem „Green Consumption Assistant“. Dieser soll Hinweise und Tipps zu nachhaltigeren Produktalternativen anzeigen.

Autor Leonie Asendorpf, 18.02.21

Sich über die Auswirkungen des Klimawandels und den direkten Zusammenhang zu unserem Konsumverhalten zu informieren, ist die eine Sache. Die andere ist, dieses Wissen am Ende auch in die tatsächlichen Kaufentscheidungen einzubeziehen. Da letzteres bislang mit einer aufwendigen Recherche verbunden ist, landen viele, der Einfachheit halber, am Ende oftmals doch wieder bei weniger nachhaltigen Produkten und Anbietern wie Amazon, Google und Co.

Um die Suche nach nachhaltigeren Produkten übersichtlicher und einfacher zu gestalten, arbeiten Forschende der Technischen Universität (TU) Berlin und der Beuth Hochschule für Technik Berlin zusammen mit dem Team der Suchmaschine Ecosia an einer neuen Browser-Erweiterung. Diese soll bei der Produktsuche im Internet zukünftig konkrete Auswirkungen von Konsumentscheidungen anzeigen können – und das direkt auf den Webseiten von Amazon oder Google.

Ziel des Projekts ist es, Informationen zu den CO2-Emissionen und Herstellungsbedingungen des jeweiligen Produktes darzustellen. Außerdem soll der sogenannte „Ecosia-Assistant“, den sich Nutzer*innen kostenlos in ihrem Browser installieren können, nachhaltigere Alternativen anzeigen und per Link direkt zu den jeweiligen Angeboten leiten. Neben ökologisch und sozial nachhaltigeren neuen Produkten können das auch Hinweise und Tipps zu Repair-, Verleih- oder Sharing-Optionen sein. Auch im Kartendienst der Suchmaschine Ecosia sollen Orte, an denen nachhaltiger Konsum möglich ist, beispielsweise vegetarische oder vegane Restaurants, offene Werkstätten oder Verleihstationen, hervorgehoben werden.

„Unser Konsumverhalten ist ein wesentlicher Treiber von Klimawandel und Umweltzerstörung: Nicht nur die Produktion von Konsumgütern, auch deren Gebrauch, Transport und Entsorgung sorgen für hohe CO2-Emissionen, Energie- und Rohstoffverbräuche“, sagt Tilman Santarius. Er steht dem Projektkonsortium von Beuth Hochschule für Technik Berlin, Ecosia GmbH und TU Berlin vor. Mit dem Ecosia-Assistant soll Nutzer*innen ein nachhaltigerer Konsum erleichtert werden.

Konsum-Assistent soll auf Seiten wie Amazon und Google funktionieren

Ruben Korenke leitet das Projekt „Green Consumption Assistant“. Neben der Projektleitung beschäftigt er sich im Rahmen seiner Promotion mit Nudging für nachhaltigen Konsum. Dabei geht es darum, wie die Situationen, in denen wir Entscheidungen treffen, die Umweltwirkung dieser Entscheidungen beeinflussen. „Bisher kostet es Benutzer*innen noch sehr viel Zeit, zu nachhaltigeren Produktalternativen zu recherchieren“, sagt er. „Ratgeber sind räumlich und zeitlich oft zu weit weg. Bei der Kaufentscheidung sind die Informationen dann nicht mehr präsent.“ Mit der Browser-Extension sollen die Informationen zur Nachhaltigkeit eines Produktes nah an die Kaufentscheidung gebunden werden. Konkret soll die Browser-Extension dann auch auf Seiten wie Google oder Amazon funktionieren. Hat man die Extension installiert, so ploppen bei einer Produktsuche automatisch Tipps und Hinweise zu nachhaltigeren Alternativen auf.

Die erste Betaversion des Consumption Assistant kann man bereits testen. (Screenshot Ecosia)

Eine der größten Herausforderungen des Projektes ist die bisher größtenteils fehlende Datengrundlage über die Nachhaltigkeit einzelner Produkte. Die Forschungsgruppe der TU will deshalb bereits vorhandene Datensätze zusammensammeln und auf Basis dessen eine erste Grundlage für den Konsumassistenten schaffen. Bevor Daten zu jedem einzelnen Produkt angegeben werden können, wollen die Forschenden erstmal den Fokus auf Produktkategorien und jeweilige Durchschnittswerte legen. „Toll wäre es natürlich, wenn am Ende alle Informationen zu sozialer und ökologischer Nachhaltigkeit enthalten wären, also beispielsweise auch der Einfluss auf die Biodiversität oder die Einhaltung von Menschenrechten bei der Produktion“, sagt Korenke auf die Frage, was das Wunschziel des Projektes wäre. Da hierfür bislang die Datengrundlage fehlt, bleibt dieses Ziel jedoch erstmal noch in weiter Ferne.

Erste Testversion seit dieser Woche verfügbar

Das Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) gefördert. Im Rahmen der Initiative „KI-Leuchttürme für Umwelt, Klima, Natur und Ressourcen“ setzt sich das BMU für Projekte wie das an der TU Berlin ein. Aktuell befindet sich das Projekt noch in der Beta-Testphase. Seit dieser Woche können Interessierte die Browser-Extension selbst testen und an der Entwicklung mitwirken. Bislang funktioniert der Assistent nur bei der Online-Suche nach Smartphones. Stück für Stück sollen dann weitere Produktkategorien hinzukommen.

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