Falschinformationen auf Social-Media-Plattformen führen zu Handlungsverzögerungen beim Klimaschutz – Bericht

Irreführende Behauptungen und Falschinformationen in sozialen Netzwerken lenken von dringend nötigen Klimaschutz-Maßnahmen ab. Wie gehen wir in Zeiten, in denen soziale Medien ein mächtiges Instrument zur Verbreitung von Informationen sind, mit Klimadesinformation um?

Autor Marharyta Biriukova:

Übersetzung Sarah-Indra Jungblut, 30.05.22

Der neueste Bericht „In the Dark: How Social Media Companies‘ Climate Disinformation Problem is Hidden from the Public„, der von Friends of the Earth, Avaaz und Greenpeace USA veröffentlicht wurde, geht der Frage nach, inwieweit Social-Media-Unternehmen tatsächlich Maßnahmen ergreifen, um die Verbreitung von Klima-Falschinformationen zu stoppen.

Ranking der Social-Media-Unternehmen

Den Daten der Forschenden zufolge bezieht mittlerweile die Hälfte der Erwachsenen in den USA und im Vereinigten Königreich ihre Nachrichten aus sozialen Medien. Um herausfinden, ob die Plattformen ungenaue Daten moderieren analysierte die Forschendengruppe öffentlich zugängliche Richtlinien und Berichte von fünf Social-Media-Plattformen – Facebook, Twitter, TikTok, Pinterest und YouTube. Dabei stellten sie fest, dass „die Unternehmen es nicht schaffen, mit den sich entwickelnden Taktiken derer, die Falschinformationen über das Klima streuen, Schritt zu halten“.

Hier sind einige wichtige Erkenntnisse des Berichts:

  • Pinterest ist das einzige Social-Media-Unternehmen, das überhaupt eine solide Definition von Klima-Desinformation liefert, die sowohl für bezahlte als auch für organische Inhalte gilt. Doch obwohl das Unternehmen erklärt, dass es Konten, die wiederholt gegen die Community-Richtlinien verstoßen, „entfernen, einschränken oder blockieren“ kann, ist immer noch undurchsichtig, wie diese Richtlinie durchgesetzt wird.
  • YouTube formuliert eine Definition von Klimadiskriminierung/Desinformation nur in Bezug auf bezahlte Werbung. Außerdem wird nicht transparent gemacht, wie umfassend und konsequent die Plattform gegen Desinformation vorgeht.
  • Facebook äußert sich explizit dazu, wie Maßnahmen zur Faktenüberprüfung und Herabstufung gegen Klima-Desinformation und ihre regelmäßigen Verbreitenden angewandt werden, liefert aber kaum Informationen darüber, inwieweit das auch durchgesetzt wird. Auch Facebook veröffentlicht keine Updates zu Klimafehlinformationen.
  • TikTok hat transparente Richtlinien für die Verbreitung von Desinformation und macht deutlich, dass wiederholte Verstöße gegen seine Community-Richtlinien Konsequenzen auf Kontoebene haben, aber die vierteljährlichen Durchsetzungsberichte enthalten keine Details über Maßnahmen, die speziell im Zusammenhang mit Klima-Desinformation ergriffen wurden.
  • Twitter legt nicht dar, wie seine bestehenden Richtlinien für Desinformation auf das Klima anwendbar sind, und äußert sich auch nicht dazu, wie es gegen Desinformation vorgehen will. Insgesamt ist das Social-Media-Unternehmen sehr unklar darüber, wie Inhalte als Des- bzw. Fehlinformationen eingestuft werden.

Darüber hinaus bieten alle Plattformen – außer Twitter – ihren Nutzer*innen die Möglichkeit, Fehlinformationen zu markieren und zu melden, damit sie von Moderator*innen überprüft werden können. Dem Bericht zufolge versäumen es jedoch alle fünf Social-Media-Unternehmen, gründliche und konsistente Angaben zu den Maßnahmen zu machen, die sie ergreifen, um gegen wiederholte Verstöße gegen ihre Richtlinien vorzugehen, insbesondere im Zusammenhang mit Klimafehlinformationen.

Was muss getan werden?

Für die Forschenden bestand eines der Hauptziele ihres Berichts darin, „faktenbasierte Überlegungen, Diskussionen und Debatten in einem gesunden und fairen Informationsökosystem zu ermöglichen, die es sowohl Bürger*innen als auch politischen Entscheidungsträger*innen erlaubt, Entscheidungen auf der Grundlage der besten verfügbaren Daten zu treffen.“

Während der Treibhauseffekt aufgrund zunehmender wissenschaftlicher Erkenntnisse nicht mehr geleugnet werden kann, geben Desinformierende zwar zu, dass der Klimawandel real ist, verbreiten aber immer noch Inhalte, die politische Maßnahmen untergraben und ablehnen. Diese Aktionen werden oft durch völlige Unwahrheiten, herausgepickte Daten und irreführende Behauptungen unterstützt.

Doch ohne eine klare und transparente Politik in Bezug auf Klimadesinformation ist es für viele schwer, sich ein vollständiges Bild zu machen und Klimaschutzmaßnahmen nachzuvollziehen. Und nur wenn Social-Media-Unternehmen transparent ihre Maßnahmen gegen klimabezogene Falschaussagen kommunizieren, ist ihre Wirksamkeit gewährleistet.

Daher fordern die Verfasser*innen des Berichts von sämtlichen Social-Media-Unternehmen:

  • Richtlinien zur Verringerung der Desinformation über den Klimawandel müssen konseqent eingeführt, offengelegt und durchgesetzt werden.
  • Aktuellen Kennzeichnungs-, Faktenüberprüfungs-, Richtlinienüberprüfungs- und algorithmischen Rankingsysteme der Unternehmen in Bezug auf Desinformationsmaßnahmen zum Klimawandel müssen vollständige offengelegt werden.
  • Idealerweise werden Berichte über das Ausmaß und die Verbreitung von Desinformation über den Klimawandel auf der Plattform und über interne Maßnahmen zur Eindämmung wöchentlich veröffentlicht werden.
  • Um Einzelpersonen und Gemeinschaften zu schützen, die Ziel von Klima-Desinformation sein könnten, müssen Richtlinien zum Schutz der Privatsphäre und des Datenschutzes verabschiedet werden.

Diese Maßnahmen und die Rechenschaftspflicht gegenüber den Nutzenden, die solche Fälschungen verbreiten, werden dazu beitragen, eine gesunde und konstruktive Diskussionskultur über den Klimawandel und die Reaktion der Welt darauf aufzubauen und zu erhalten. Und je lauter die Uhr tickt, desto wichtiger ist der gesellschaftliche Rückhalt für dringende Klimaschutzmaßnahmen.

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