Fairphone 3: Das brandneue ethisch korrekte (und bezahlbare!) Smartphone

Das Fairphone 3 (FP3) ist endlich da – und vereint verantwortungsvoll beschaffte Materialien, nachhaltige Produktion und ein schlankes Design. Sollte man es kaufen?

Autor Tristan Rayner:

Übersetzung Tristan Rayner, 28.08.19

Das allererste Fairphone kam im Dezember 2013 auf den Markt, sein Nachfolger wurde 2015 eingeführt. Das Fairphone 2 war das weltweit erste modulare Smartphone und wurde so konzipiert, dass es vom Benutzer leicht repariert werden konnte. Es war Anfang 2019 komplett ausverkauft, was das damals bereits angekündigte Fairphone 3 (FP3) zu einem begehrten Gerät machte. Seit gestern ist nun das neue Mobilgerät des niederländischen Unternehmens im Vorverkauf: Über die Fairphone-Website können europäische Interessenten es zum Preis von 450 Euro (UVP des Herstellers) erwerben, ab dem dritten September wird es voraussichtlich ausgeliefert.

Das neue Modell hält an dem Grundkonzept seiner Vorgänger fest: Es ist ein modulares Gerät, das auf einfache Reparierbarkeit ausgelegt ist, mit einer langen Akkulaufzeit, diesmal aber mit einem schlankeren, eleganteren Design. Es wird komplett mit einer microSD-Karte und einem austauschbaren Akku geliefert und besteht aus sechs Komponenten, die sich leicht entfernen, reparieren und ersetzen lassen. Das Telefon wird sogar mit einem Schraubendreher geliefert, mit dem man sein Telefon auseinander nehmen kann. In einem wettbewerbsintensiven Smartphone-Markt, in dem Geräte in der Regel mit eingebauter Obsoleszenz konzipiert sind, ist Fairphone eine der wenigen Alternativen, die sich an der Kreislaufwirtschaft orientieren und eine Technologie anbieten, die auf Reparierbarkeit und Langlebigkeit ausgelegt ist.

Die für die Produktion genutzten Rohstoffe stammen aus sozial und ökologisch verantwortungsvoller Beschaffung und sind „konfliktfrei“: Zinn und Wolfram, recyceltes Kupfer und Plastik, außerdem Fairtrade-Gold. Damit wird zum ersten Mal Fairtrade-Gold in der Lieferkette der Elektronikfertigung eingesetzt. Beim FP3 wird auch eine bessere Beschaffung von Kobalt angestrebt, einem wichtigen Mineral, das in ethischer Hinsicht allerdings schwer zu beschaffen ist.

Für die Endmontage arbeitet Fairphone  mit seinem Partner Arima in Taiwan zusammen, wobei das Unternehmen den Arbeitnehmer*innen einen Bonus zahlt, um die Löhne in der Fabrik zu verbessern.  Fairphone unterstützt darüber hinaus Sammelprogramme in Ländern wie Ghana zur Bekämpfung von Elektroschrott und bietet ein Recyclingprogramm für Konsument*innen an: Diese erhalten für ein zurückgegebenes Handy 20 Euro, für eines der Vorgänger- Fairphones je 40 Euro.

Das Fairphone 3 kommt außerdem in einer Mehrwegverpackung und in einer eigenen Hülle, um es so zusätzlich vor „den Stößen und Erschütterungen des Alltags“ zu schützen, so das Unternehmen.

Worin unterscheidet sich das Fairphone 3 von früheren Modellen?

Innerhalb der RESET-Redaktion gibt es einige Erfahrungswerte mit den Vorgänger-Modellen von Fairphone. Und wir würden folgende Weisheit unterschreiben: Kaufe niemals die erste Version. Lass den Hersteller die Fehler beheben und kaufe die nächste Version, wenn sie dir gefällt.

Das ursprüngliche Fairphone war zwar kein mieses Gerät, aber es war eben eine erste Version mit ihren Anfangsmängeln. Das Original verwendete z.B. einen MediaTek-Prozessor, der zwar von vielen Herstellern verwendet wird, allerdings in der Regel für kurzlebige Low-End-Geräte. (Fairerweise müssen wir sagen, dass trotzdem noch immer mindestens eines der Original-Fairphones innerhalb des RESET-Teams in Betrieb ist.) Das Ziel von Fairphone war es, das erste Gerät viele Jahre lang zu unterstützen; Probleme mit MediaTek machten den Release von Android-Software-Updates jedoch schwierig und der Support endete schließlich früher als im ursprünglich gesetzten Zeitrahmen.

Das nachfolgende Fairphone 2 wurde dann mit einem Chipsatz von Qualcomm, dem Branchenführer für Smartphone Software-on-a-Chip (SoC)-Gehäuse, angeboten, einem besser geeigneten Produkt für die kontinuierlichen Support-Ansprüche von Fairphone. Als Beweis dafür wird das Fairphone 2 auch heute noch unterstützt.

Also, sollte man ein Fairphone 3 kaufen? Ein wichtiger Grundsatz der Marke Fairphone ist: „Das nachhaltigste Telefon ist das, das du bereits besitzt“. Obwohl der Verkauf der Geräte für das Unternehmen natürlich wichtig ist, solltest du ein Fairphone 3 nur kaufen, wenn du wirklich ein neues Gerät brauchst – und wenn dir klar ist, dass das Gerät kein Sportwagen, sondern eher ein Jeep unter den Smartphones ist: Es ist kein Gerät, das ein Jahr lang gut aussieht, bevor es schnell zu altern beginnt, sondern ein Gebrauchsgerät, das auf Langlebigkeit ausgelegt ist.

Mit der Blockchain Konfliktmineralien vermeiden? Eine Schwachstelle bleibt.

Von DLTs wie der Blockchain versprechen sich viele, dass damit Lieferketten transparenter werden und so nur „korrekte“ Rohstoffe auf dem Markt landen. Doch leider ist das in Realität nicht ganz so einfach.

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