Erst der Markt, dann die Moral

Wenn man Menschen individuell nach ihren Einkaufskriterien befragt, dann äußern sie sich zunehmend ganz im Sinne der Nachhaltigkeit, z.B. gegen Massentierhaltung oder unmenschliche Arbeitsbedingungen. Das tatsächliche Konsumverhalten sieht aber anders aus. Wie Märkte die Moral untergraben, haben nun Forscher der Universitäten Bonn und Bamberg untersucht.

Autor Frank Wichert, 27.05.13

Liegt die Verantwortung bei einem Einzelnen, so spielen moralische Ansprüche bei wirtschaftlichen Entscheidungen eine deutlich größere Rolle als in einem Markt mit vielen Teilnehmern. Die aktuellen Studienergebnisse zeigen, dass die persönlichen moralischen Einstellungen in der Marktsituation zurückgestellt werden. Kollektives Handeln begünstigt grundsätzlich eine Einschränkung ethischer Kriterien.

In den durchgeführten Experimenten mussten mehrere hundert Probanden entscheiden, ob sie bereit sind, eine Maus zu opfern, um einen bestimmten Geldbetrag zu erhalten. Ein Teil der Versuchspersonen hatte diese Entscheidung individuell zu treffen. Die Frage war, inwieweit Menschen jeweils bereit sind, einem anderen Schaden zuzufügen, was unmoralischem Verhalten gleichkäme.

Wesentliches Ergebnis der Studie ist, dass in beiden Marktbedingungen verglichen mit einer individuellen Entscheidungssituation signifikant mehr Personen den Tod der Maus gegen Geld in kauf nahmen. Märkte begünstigen somit eine Vernachlässigung moralischer Werte.

Der Original-Artikel zur Studie „Morals and Markets“ wurde in der Zeitschrift Science veröffentlicht (Zugang zum Volltext bieten teilweise die Uni-Bibliotheken).

(via Forum Nachhhaltig Wirtschaften)

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