Alle sechs Monate werden Supercomputer anhand ihrer Energieeffizienz in der Green500-Liste bewertet. Die neueste Liste, die am 14. Juni 2025 in Hamburg veröffentlicht wurde, stellt den in Luxemburg ansässigen Supercomputer MeluXina immerhin auf Platz 80. Was können wir von einem Supercomputer lernen, der es schafft, umweltfreundlicher als andere zu sein und trotzdem große Rechenleistung liefert?

Was ist ein Supercomputer?
Wie unterscheidet sich ein Supercomputer von dem Laptop, auf dem du wahrscheinlich gerade diesen Artikel liest? Ein Supercomputer verwendet mehr als eine Zentraleinheit (CPU), um viele Aufgaben gleichzeitig auszuführen. Eingesetzt werden sie für alles Mögliche, von Wettervorhersagen bis hin zur Sicherung von Atomwaffen. Auch zum Trainieren von KI-Modellen werden Supercomputer verwendet.
MeluXina wird mit erneuerbaren Energien betrieben und nutzt Abwärme
MeluXina liegt 30 Kilometer vom Stadtzentrum Luxemburgs entfernt und wird vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben. Der Großteil dieser Energie stammt aus Wasserkraftwerken in Norwegen. Die Rechenleistung des Supercomputers entspricht der von Zehntausenden Computern. Dadurch haben die Server natürlich einen hohen Kühlbedarf.
Rechenzentren, die sich mit einem geringen Energieverbrauch rühmen, erreichen dies oft durch den Einsatz von wasserbasierten Kühlsystemen. Damit sparen sie zwar Energie – aber der Wasserverbrauch steigt enorm. Insbesondere in dürregeplagten Gebieten belasten sie die damit die lokale Wasserversorgung. MeluXina hat einen anderen Ansatz gewählt: Das gleiche Wasser verbleibt viele Jahre im Kühlsystem. Dieses geschlossene Kreislaufsystem benötigt kein neues Wasser. Allerdings sind die Kosten höher, da das Wasser gereinigt und wieder gekühlt werden muss.
Außerdem werden die Kühlsysteme mit einem Biomassekraftwerk betrieben, das Holzabfälle verbrennt und MeluXina heizt sein Gebäude mit Abwärme aus dem Betrieb der Server. Neben Umweltaspekten hat auch der Datenschutz für das Unternehmen einen hohen Stellenwert. MeluXina ist einer der wenigen Supercomputer in Europa, der nach ISO 27001 zertifiziert ist und damit strenge Informationssicherheitsstandards erfüllt.
Aber: Wofür wird eigentlich das „Superhirn“ genutzt?
Laut Dr. Ralph Hintemann, Forscher am Borderstep Institute mit Schwerpunkt auf nachhaltiger Gestaltung von Rechenzentren, ist die Position von MeluXina auf der Green500-Liste „definitiv ein Zeichen dafür, dass [die Entwickler] großen Wert auf Energieeffizienz gelegt haben“. Ebenfalls positiv sei die Nutzung der Abwärme, da keine zusätzliche Energie verbraucht werden müsse. Allerdings weist er darauf hin, dass wir nicht wissen, wie viel Abwärme in diesem speziellen Fall wirklich genutzt wird.
Die Tatsache, dass MeluXina klimafreundlichen Strom nutzt, ist für Hintemann ein weiterer Pluspunkt. Allerdings wird der Strom für die Computer von MeluXina aus Norwegen geliefert. Dies ist in Luxemburg, das 2024 77 Prozent seines Stroms importierte, gängige Praxis. „[Aber regionaler Strom] wäre noch besser“, sagt Hintemann.
Wie sieht eine grüne digitale Zukunft aus?
Elektroschrott, CO2-Emissionen durch KI, Wasserverbrauch von Rechenzentren – aktuell scheint die ungezügelte Digitalisierung nicht mit einem gesunden Planeten vereinbar. Doch es gibt viele Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung – wir haben sie recherchiert:
Kann MeluXina also als wirklich nachhaltig betrachtet werden? „Trotz allem erfordert die Herstellung von Geräten und Systemen große Mengen an Energie und Rohstoffen“, sagt Hintemann. Außerdem weist er darauf hin, dass auch immer die Frage gestellt werden sollte, wie die Supercomputing-Leistung von MeluXina genutzt wird. „Wenn sie zur Erforschung neuer Ölvorkommen eingesetzt wird, ist das sicherlich kein nachhaltiges System.“
Angaben dazu, ob MeluXina bei der Wahl seiner Kund:innen selektiv vorgeht, konnten wir nicht finden. Bekannt ist dagegen, dass eine sogenannte „KI-Fabrik“ entstehen soll, in der KI-Startups ihre Modelle trainieren können. Künstliche Intelligenz ist jedoch ein zweischneidiges Schwert für unseren Planeten: Die Technologie kann Lösungen bieten, mit denen Energie und andere Ressourcen gespart werden können. Allerdings benötigt KI selbst nicht wenig Energie, um die Lösungen „zum Leben zu erwecken“. Gelingt es MeluXina aber, eine wirklich nachhaltige Infrastruktur für diese KI-Systeme zu stellen, könnten die Umweltbelastungen von KI sinken und die Vorteile überwiegen.

Dieser Artikel ist Teil des Dossiers „Digital und grün – Lösungen für eine nachhaltige Digitalisierung“, in dessen Rahmen wir Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung vorstellen. Wir danken der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für die Projektförderung!
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