Erneuerbare Energien mittels Kartierungs-Tool voranbringen

Europe map
© KOBU Agency/ Unsplash-Lizenz
Kartierungs-Tools können bei der Erschließung neuer Flächen für erneuerbare Energien helfen.

Das EU-Labor für Energie- und Industriegeografie hat einen neuen Weg geschaffen, um die Mitgliedstaaten bei der Erschließung neuer Flächen für erneuerbare Energien zu unterstützen – und so das volle Potenzial auszuschöpfen.

Autor Lana O'Sullivan:

Übersetzung Luisa Ilse, 27.12.23

75 Prozent der Treibhausgasemissionen entfallen in der EU auf den Energiesektor. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, der Umgestaltung des europäischen Energiesystems Vorrang zu geben und erneuerbare Energien stärker auszubauen. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine im Jahr 2022 hat die Dringlichkeit noch erhöht, da daraufhin die Energiepreise in ganz Europa stark angestiegen sind.

Um dem entgegenzuwirken, hat die Europäische Kommission den REPowerEU-Plan vorgestellt, der 2021 von der Gemeinsamen Forschungsstelle (JRC), dem Wissenschafts- und Wissensdienst der Europäischen Kommission, ins Leben gerufen wurde. Das Projekt skizziert Maßnahmen zur Energieeinsparung, zur Diversifizierung der Energieversorgung und zum beschleunigten Ausbau von Solaranlagen und Windparks. Seit März 2022 kartieren die EU-Mitgliedstaaten geeignete Land- und Meeresgebiete für Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien.

Digitale Werkzeuge zur Kartierung

Digitale Karten spielen eine entscheidende Rolle, wenn es darum geht, die optimalen Standorte für solche Anlagen zu ermitteln. Das Energy and Industry Geography Lab (EIGL) nutzt zu diesem Zweck interaktive Karten zur Darstellung von Energie-, Industrie- und Infrastrukturdaten. Mit diesem Instrument können die Länder das Potenzial für erneuerbare Energien bewerten und die besten Gebiete für Anlagen ermitteln. Dabei werden Gebiete berücksichtigt, die für erneuerbare Energiesysteme geeignet sind. Ökologisch wertvolle Gebiete wie Lebensräume für Wildtiere werden ausgeschlossen.

Verschiedene öffentlich zugängliche Datensätze bilden derzeit die Grundlage für die Arbeit des EIGL. In Zukunft sollen weitere relevante Datensätze hinzugefügt werden. Das Kartierungsinstrument dient dazu, nationale und regionale Behörden bei fundierten Planungsentscheidungen in Bezug auf erneuerbare Energien zu unterstützen und einen gemeinsamen Austausch zu fördern.

„Wissenschaft und Technologie werden uns dabei helfen, die aktuellen globalen Bedrohungen und Herausforderungen, wie den grünen und digitalen Wandel, konkret anzugehen. Zum ersten Mal wurden Daten zur Energie- und Industrieinfrastruktur in einer einzigen Karte kostenlos zusammengefasst, um die Dekarbonisierung besser planen zu können, die wir alle brauchen – um den europäischen Green Deal zu erreichen“, so Mariya Gabriel, Kommissarin für Innovation, Forschung, Kultur, Bildung und Jugend.

Wie funktioniert das Tool?

Die im Energy and Industry Geography Lab enthaltenen Informationen können auf vielfältige Weise verwendet werden. Die Nutzer*innen können Daten filtern, sortieren und exportieren. Außerdem können die Karten in verschiedenen Formaten geteilt werden. Die Suchleiste ermöglicht es den Nutzer*innen, alle Datenebenen zu erkunden und nach geografischen Merkmalen wie Städten, Provinzen, Gewässern und Bergen zu suchen.

Beispiel einer Karte für die Erschließung neuer Flächen.

Das Tool ist hilfreich, aber begrenzt

Das System des EIGL hat aktuell noch gewisse Schwächen beziehungsweise sind die eingespeisten Daten noch unvollständig. So werden beispielsweise viele der Datenpunkte nur jährlich aktualisiert – wobei einige beispielsweise einen Stichtag im Dezember haben, andere im März. Dies könnte die Daten verfälschen und dazu führen, dass die darauf aufbauende Karte nicht vollständig korrekt ist. Allerdings sind solche Auswirkungen verhältnismäßig gering.

Auch wenn das Kartierungstool den Mitgliedstaaten hilft, indem es Zugang zu relevanten Datensätzen in ganz Europa auf einer einheitlichen Plattform bietet, liegt die Identifizierung von Schlüsselgebieten in der Verantwortung von Regulierungsbehörden und politischen Entscheidungsträger*innen.

Der verstärkte Druck der EU auf ihre Mitgliedstaaten, den Ausbau erneuerbarer Energien voranzutreiben, ist eine positive Triebkraft, um unsere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu verringern und die Treibhausgasemissionen zu senken. Letztendlich sind es jedoch nicht die Werkzeuge, die die Arbeit machen – sondern die Menschen, die sie nutzen.

Recycling-Kreislauf für Solarpaneele entwickelt

Solarmodule haben im Schnitt nur eine Nutzungsdauer von 25 bis 30 Jahren. Aber was passiert danach damit? Das französische Startup ROSI forscht an einer Recycling-Lösung gegen die drohende Müllproblematik.

Ultradünne und flexible Solarzellen aus dem Drucker

Die Technologie der Solarenergie entwickelt sich stetig weiter. Welche neuen Möglichkeiten tun sich damit auf und welche Rolle können diese defekt-toleranten Solarzellen in der Gebäudewende spielen?

Mit Nowcasting zu effizienteren Solarenergienetzen

Bisher hat sich die Nowcasting-Forschung vor allem auf die Prognose von Niederschlägen konzentriert. Die Vorhersage von Solarerträgen ist dagegen noch kaum erforscht. Fortschritte auf diesem Gebiet erhöhen jedoch die Zuverlässigkeit und Effizienz der Solarenergie.

©
Neue Podcast-Folge: Wie kann die Transformation unseres Energiesystems gelingen?

Ohne Frage: Eine schnelle und vollständige Energiewende ist unerlässlich, um die Folgen des menschengemachten Klimawandels abzumildern. Welche Rolle dabei digitale Technologien spielen, das beleuchten wir in der neusten Folge von RESET Radio.

Deep Green beheizt mit Rechenzentren Schwimmbäder

Aus Abwärme von Rechenzentren wird warmes Badewasser in Schwimmbädern. Das reduziert CO2-Emissionen und hält öffentliche Einrichtungen trotz steigender Energiekosten über Wasser.

eFriends
eFriends – Strom mit den Nachbarn teilen

Bei eFriends wird der Strom regional, nachhaltig und zu fairen Preisen produziert und geteilt – eine Community, ein Stromanbieter, eine Lösung.

Solar panels
© Unsplash-Lizenz
Eine echte Alternative: Perowskite in der Solarzellen-Technologie

Herkömmliche Solarzellen sind auf knappe Silizium-Ressourcen aus dem Bergbau angewiesen. Was wäre, wenn es eine umweltfreundlichere Lösung gäbe? Perowskit-Tandemsolarzellen sind effizient und einfach herzustellen.

solar panel on house
© Vivint Solar/ Unsplash-Lizenz
Erneuerbare Energien in Europa mithilfe eines geografischen Informationssystems stärken

Ein neues Instrument der EU soll bei dem Umstieg auf erneuerbare Energien unterstützen.