Elektromobilität in Uganda: E-Motorräder sollen die Straßen Kampalas sauberer machen

pilot_day_1_46
Zembo
Ein SafeBoda-Fahrer auf einem der E-Motorräder

In Ugandas Hauptstadt Kampala herrscht extrem verschmutzte Luft. Das Startup Zembo will deshalb das dort beliebteste Fortbewegungsmittel elektrifizieren: die Boda-Boda. Unsere Redakteurin hat vor Ort mit einem der Gründer gesprochen.

Autor Jasmina Schmidt, 29.01.19

Übersetzung Jasmina Schmidt:

Der Verkehr in Ugandas Hauptstadt Kampala ist nichts für schwache Gemüter. Private Fahrzeuge, Mini-Busse, die als öffentliche Transportmittel dienen, und Uber-Fahrer konkurrieren um den Platz auf der Straße. Hinzu kommen noch schätzungsweise 300.000 Motorrad-Taxis, sogenannte Boda-Bodas, die das Stadtbild prägen. Genaue Angaben über die Anzahl der Motorräder in Kampala gibt es keine, da viele nicht registriert sind. Es ist also nicht abwegig, dass sogar noch einige mehr auf den Straßen der Stadt unterwegs sind. Die Boda-Boda-Fahrer werben am Straßenrand mit ihren Diensten, die gerne angenommen werden.

An fast jeder Straßenecke kann man Gruppen von jungen Männern beobachten, die an ihre Motorräder gelehnt auf Kundschaft warten. Die Anzahl der Passagiere oder sonstige Fracht ist verhandelbar – nicht selten sieht man ganze Familien auf einem der Zweiräder. Auch als Möbeltransporter kann eine Boda-Boda dienen. Zu Fuß sind im Zentrum von Kampala nur wenige Menschen unterwegs. Selbst eine App verbindet – ähnlich wie Uber – die Fahrer mit Kundinnen und Kunden in der Nähe. Was aus all diesen Transportmitteln unweigerlich resultiert: verstopfte Straßen und verschmutzte Luft. Tagtäglich schiebt sich eine Schlange aus Stahl und Blech durch die Stadt. Vor allem wer selbst auf einer Boda-Boda und somit an der freien Luft sitzt, merkt schnell die Abgase in den Lungen. Kein Wunder also, dass Kampala Platz 28 der 30 am stärksten von Luftverschmutzung betroffenen Städte der Welt belegt.

Das geht auch grüner“, dachte sich Daniel Dreher und kam bei seiner Arbeit in einer Solar-Firma in Kampala auf die Idee, Elektromobilität für die beliebten Motorrad-Taxis zu nutzen. Seine Vision: emissionsfreie Fahrzeuge, die über eine austauschbare Batterie betrieben werden. Die Batterie soll mit Hilfe von Solarenergie wieder aufgeladen werden. Damit können die lokalen Emissionen stark reduziert werden. Seit Oktober 2017 arbeitet er zusammen mit seinem Mitgründer Étienne Saint-Sernin an dem Projekt. Sie haben Zembo zuerst in Frankreich gegründet und sind seit August letzten Jahres in Uganda unterwegs. Im Oktober 2018 erreichten dann die ersten sechs Motorräder Uganda. Produziert wurden diese in China.

China hat einen unglaublich großen Markt für Elektromotorräder. Wir waren im Dezember dort, man sieht keine Verbrennungsmotorräder mehr, das gibt es nicht mehr. In zwei Wochen haben wir vielleicht fünf oder zehn gesehen. Dementsprechend ist die Technologie natürlich ausgereifter“, so Daniel über seine Erlebnisse in China, wo er sich mit den Produzenten der Zweiräder traf.

Die Bevölkerung in Kampala gibt enorm viel Geld für den Transport aus – die Ausgaben liegen sogar noch über den Ausgaben für Nahrungsmittel. Auch der Energieverbrauch im Transportsektor ist hoch. Nur Kochen verbraucht hier noch mehr Energie. Trotzdem haben er und Étienne sich dafür entschieden, das Nachhaltigkeitsproblem im Transportsektor anzugehen, sagt Daniel. Solares Kochen zu thematisieren sei dagegen sehr schwierig: „Gegen was kämpft man? Gegen Holz, das herumliegt. Gegen Abholzung, die kostenlos ist.

Solarstrom statt Benzin

Momentan sind die Gründer noch in der Pilotphase und arbeiten mit einigen Fahrern zusammen, die die sechs elektrisch betriebenen Motorräder testen. Über 12.000 km sind dabei seit Oktober schon zustande gekommen. „Die Menschen fragen oft ‚Wo ist dein Motor?!‘“, erzählt Asiku, einer der Fahrer, der die Räder für Zembo testet.

© Zembo

Auch wenn das Startup noch am Anfang steht, Zembo hat Großes vor: Im April werden die nächsten Motorräder geliefert und bis dahin soll auch die erste Solar-Ladestation stehen. Bis Ende des Jahres sind dann 200 Fahrer anvisiert, die mit den E-Motorrädern auf den Straßen Kampalas unterwegs sein und bis zu fünf Ladestationen, die eine Anlaufstelle bieten sollen, die leeren Batterien auszutauschen. Die Batterien werden in nur etwa zwei Minuten einfach ausgetauscht und der Fahrer kann fix weiterfahren. Die Batterien werden dann an der Ladestation in drei bis vier Stunden mit Solarenergie wieder aufgeladen.

Diese Pläne sind sehr finanz-intensiv. Daher ist Investment immer gesucht und willkommen“, erzählt Daniel über das weitere Vorgehen von Zembo. Ein weiteres Feature des Startups: Die Fahrer, die die Fahrzeuge leasen, werden nach zwei Jahren Besitzer. Das ist eine Seltenheit auf dem Markt. Oftmals leasen die Fahrer die Boda-Boda jahrelang, ohne selbst jemals das Fahrzeug zu besitzen. Das sind Ausgaben, die die tägliche Gewinnspanne erheblich einschränken. „Das sind die zwei Dinge, die wir machen“, so Daniel. „Wir leasen die Motorräder und wir laden die Batterien und vermieten sie. Das wird 60 Prozent mehr Einkommen für die Fahrer generieren.“ Auf lange Sicht sollen dann auch die Motorräder in Uganda zusammengeschraubt werden. Zum einen wird das mehr Arbeitsplätze schaffen, zum anderen aber erhöht man auch die Wahrscheinlichkeit, die Fahrzeuge einfach reparieren zu können.

Mit einer Batterieladung kommen die Motorräder zwischen 50 bis 80 km weit. Das entspricht ungefähr derselben Reichweite wie mit Benzin. Der Grund dafür ist, dass die Fahrer oft nur ein paar Liter Benzin nachfüllen mit dem Geld, das sie bisher an den Tag verdient haben. Wenn aber ein gutes Netzwerk mit Ladestationen existiert und es zur Gewohnheit wird, kurz anzuhalten und die Batterie auszutauschen, dann gibt es keinerlei Nachteile der E-Motorräder. Was die Fahrzeuge am Ende mit sich bringen, ist eine verbesserte Arbeitsgrundlage und Verdienstmöglichkeit der Fahrer, verringerte Emissionen und damit eine bessere Luft für alle. Sanft und lautlos kann dann am stehenden Verkehr der Hauptstadt vorbeigeglitten werden…

SunCycles: Solar-Bikes machen Namibias Transportsektor nachhaltiger

Ein Social Enterprise bietet die ersten solarbetriebenen E-Bikes in Namibia an. Diese tragen zu einem nachhaltigeren Transport in Städten bei.

Das ist Noah! Das erste zirkulär recycelbare Auto

Elektrisch betrieben, vollständig recycelbar und aus nachwachsenden Rohstoffen – kann so ein Auto beschaffen sein? Ja, sagen die Erfinder von „Noah“ von der TU/Ecomotive Eindhoven.

michael_mueller_goernert_andreas_labes_300dpi
Andreas Labes
„E-Autos sind ein wichtiger Baustein für eine ökologische Verkehrswende”

E-Mobilität ist im Kommen. Es gibt aber noch weitere alternative Antriebe. Wie ist da der Status quo? Wir haben dazu mit Michael Müller-Görnert vom VCD gesprochen.

E-Bikes: Mit Strom in die Pedale treten

Ein E-Bike kann eine gute Alternative zum Auto sein - gerade in der Stadt ist man mit dem Zweirad oft schneller und flexibler. Und man muss dafür nicht unbedingt tief in die Tasche greifen.

E-Mobilität: Mit sauberer Energie ans Ziel

Elektromobilität entwickelte sich in den vergangenen Jahren eher schleppend. Doch nun endlich kommt Bewegung in die Sache! Wie ist der Status quo, wo liegen die Hürden und Potenziale beim Plan E?

acm_city-etaxi_emobility
© naumann-design
Dieses Elektrotaxi soll das Henne-Ei-Problem der E-Mobilität lösen

Die Leute kaufen keine E-Autos, weil es zu wenig Ladestationen gibt. Es wird zu wenig in die Lade-Infrastruktur investiert – weil kaum einer ein E-Auto fährt. Das Projekt „Adaptive City Mobility“ will das alles auf den Kopf stellen. Mit einem E-Taxi und einer eigenen Infrastruktur.

Smart Cities: Nachhaltig leben in einer digitalisierten Stadt

Die Welt, in der wir leben, ist von großen Veränderungen geprägt, wie sie so noch nie zuvor in der Geschichte der Menschheit passierten. Die Notwendigkeit, die permanent wachsenden Städte nachhaltiger zu entwickeln, ist sichtbarer denn je. Ein Ansatz ist das "Smart City"-Modell, dass wir uns hier näher anschauen.

Megacities – entscheidet sich hier unsere Zukunft?

Laut einer Vorhersage von UN-Habitat werden 2030 beinahe zwei Drittel aller Menschen in den Städten dieser Erde leben. Nicht zuletzt wegen ihrer Bevölkerungsdichte sind sie schon jetzt Dreh- und Angelpunkte der Entwicklung der Menschheit.

Erneuerbare Energien: Sonnenenergie

Theoretisch könnte der weltweite Energiebedarf durch die Nutzung von Sonnenenergie auf einer 700 km2 großen Fläche in der Sahara gedeckt werden. Das Problem hierbei sind vor allem die weiten Transportwege. Aber auch wenn man das bei einem Blick aus dem Fenster an manchen Tagen nicht vermuten würde: sogar in Deutschland kann Sonnenenergie zur Gewinnung von Wärme und Strom genutzt werden.