La Bistoquette ist eine ökologische Wohnungsgenossenschaft in Genf. Eine Besonderheit bleibt auf den ersten Blick verborgen: Unter ihrem öffentlichen Park befindet sich das Rechenzentrum von Infomaniak. Es versorgt 6.000 Haushalte das ganze Jahr über mit Wärme, setzt zu 100 Prozent auf erneuerbare Energien und vermeidet Elektroschrott – das Rechenzentrum von Infomaniak berücksichtigt nachhaltige Praktiken in jedem Schritt seines Betriebs. RESET sprach mit Thomas Jacobsen, CMO bei Infomaniak, um zu erfahren, wie man ein Rechenzentrum so nachhaltig wie möglich betreibt.
Wiederverwendung von Abwärme in einer „kooperativen Partnerschaft”
Wir sind bei jeder Google-Suche, jeder ChatGPT-Abfrage, jedem TikTok-Scroll und jedem Dokument, das wir in der Cloud speichern, auf Rechenzentren angewiesen. Und da unsere Nutzung digitaler Tools stetig zunimmt, werden Rechenzentren aller Voraussicht nach künftig den größten Teil der CO2-Emissionen der Digitalisierung ausmachen.
Um die Auswirkungen unseres digitalen Lebens auf die Umwelt zu reduzieren, kommen wir nicht darum herum, die Emissionen von Rechenzentren zu reduzieren. Infomaniak macht vor, wie das geht:
Während die Server von Infomaniak Daten verarbeiten, erzeugen sie Wärme, die das Unternehmen dann auffängt. Mit 45 Grad ist diese jedoch nicht heiß genug, um ins Genfer Heizungsnetz eingespeist zu werden. In den kalten Wintern sind regelmäßig Temperaturen von bis zu 85 Grad erforderlich. Um dieses Problem zu lösen, verwendet Infomaniak zwei hocheffiziente Wärmepumpen. Diese erhöhen die Temperatur der Abwärme, sodass sie zum Heizen benachbarter Gebäude genutzt werden kann. Die von den Wärmepumpen abgegebene kalte Luft wird wiederum zur Kühlung der Server verwendet. Auf diese Weise kann das Rechenzentrum vollständig ohne Klimaanlage betrieben werden, was den Energieverbrauch senkt. „Wir haben uns für dieses System entschieden, weil es die Server kühlt und gleichzeitig 100 Prozent der verbrauchten Energie wiederverwendet”, erklärte Jacobsen.
Die Kühlung von Rechenzentren ist ein heißes Thema
Auch andere Rechenzentren rühmen sich damit, ihren Energieverbrauch massiv gesenkt zu haben. Dabei ersetzen sie jedoch häufig nur die Klimaanlage durch wasserbasierte Kühlsysteme – was neue Probleme mit sich bringt. Die Entnahme von Wasser aus lokalen Ökosystemen zur Kühlung von Servern belastet ohnehin schon knappe Trinkwasservorräte in von Dürre betroffenen Gebieten. Kreislaufsysteme wie das von Infomaniak bieten dagegen die beste Lösung, um den Energie- und Wasserverbrauch niedrig zu halten.
Die Suche nach dem idealen Standort für die Wiederverwendung von Abwärme war eine Herausforderung, wie Jacobsen berichtet. Infomaniak habe über zwei Jahre lang nach einem Standort gesucht, der den Anforderungen entsprach. Dazu gehörten eine redundante Energieinfrastruktur (wie Strom oder Glasfaser), ein direkter Zugang zu einem Heizungsnetz und die Nähe zu Gebäuden, die beheizt werden müssen.
Der Standort in La Bistoquette erfüllte alle diese Anforderungen. Obwohl der Platz ursprünglich für eine Tiefgarage vorgesehen war, fand der Vorschlag von Infomaniak für ein Rechenzentrum bei der Wohnungsgenossenschaft großen Anklang. Für beide Parteien hat das zu einer „einzigartigen, kooperativen Partnerschaft“ geführt.
Erneuerbare Energien, Ausgleichszahlungen und Server-Upgrades halten die Emissionen niedrig
Über die Wiederverwendung von Abwärme hinaus strebt Infomaniak danach, nachhaltige Praktiken in allen seinen Betriebsabläufen umzusetzen. „Für uns ist Nachhaltigkeit kein Trend“, erklärte Jacobsen. „Es ist eine langfristige Verpflichtung, die in unserer Infrastruktur, unserer Strategie und unseren Werten verankert ist.“
Dazu gehört auch, sich mit den Servern zu beschäftigen. Denn müssen erstmal mit einem erheblichen Ressourcenaufwand hergestellt werden. Und haben sie ausgedient, tragen sie zum ohnehin schon immensen Berg an Elektroschrott bei. Kein Wunder also, dass die Herstellung und der Austausch von Hardware bei weitem der CO2-intensivste Teil der Geschäftstätigkeit von Infomaniak ist, so Jacobsen. Um dem entgegenzuwirken, rüstet das Unternehmen defekte oder veraltete Server auf und verwendet sie wieder, anstatt sie zu ersetzen. Dadurch verlängert sich ihre Lebensdauer auf bis zu zehn Jahre. Verglichen mit den in der Branche sonst üblichen fünf bis sechs Jahren ist das viel.
Wie sieht eine grüne digitale Zukunft aus?
Elektroschrott, CO2-Emissionen durch KI, Wasserverbrauch von Rechenzentren – aktuell scheint die ungezügelte Digitalisierung nicht mit einem gesunden Planeten vereinbar. Doch es gibt viele Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung – wir haben sie recherchiert:
Der Strom für das Rechenzentrum unter dem Park stammt aus erneuerbarer Energie aus der Schweiz. Außerdem ist das Unternehmen dabei, eigene Solarkraftwerke zu bauen. „Unser Ziel ist es, bis 2030 50 Prozent unseres gesamten Stromverbrauchs selbst zu erzeugen“, so Jacobsen. Als Genossenschaft kompensiert das Unternehmen außerdem seine CO2-Emissionen und spendet ein Prozent seines Umsatzes an Organisationen, die sich für den Schutz der Artenvielfalt und strengere Umweltvorschriften in der Branche einsetzen.
Warum folgen nicht mehr Rechenzentren dem Modell von Infomaniak?
Trotz der langen Liste an Umweltzertifikaten sagt Jacobsen: „Unsere Kunden entscheiden sich in erster Linie aufgrund der Zuverlässigkeit und Qualität unserer Dienstleistungen für Infomaniak. Die Verantwortung für die Umwelt ist oft das Tüpfelchen auf dem i.“ Wenn diese Kund:innen erfahren, dass Infomaniak Abwärme wiederverwendet, energie- und wasserintensive Kühlsysteme vermeidet und mit erneuerbaren Energien arbeitet, sagen viele: „Das ist doch selbstverständlich – warum macht das nicht jeder?“
Jacobsen zufolge „ist dies keine technologische Frage, sondern eine Frage der Vision und Planung.“ Der Prozess der Abstimmung aller wichtigen Interessengruppen hat für Infomaniak bedeutet, dass die Inbetriebnahme des Rechenzentrums doppelt so lange dauerte wie üblich. „Der Übergang [zu nachhaltigen Rechenzentren] ist sowohl technisch als auch wirtschaftlich machbar, erfordert jedoch politischen Mut, Regulierung und kollektiven Druck“, fügt er hinzu. „Was wir brauchen, sind Vorschriften und die Einführung des ERF (Energy Reuse Factor) als verbindliche Kennzahl für Rechenzentren.“
Eines ist klar: Angesichts unserer steigenden Nachfrage nach digitalen Diensten müssen Rechenzentren, die ihre Umweltbelastung reduzieren, zur Norm werden. Hoffen wir, dass der Ansatz von Infomaniak den Weg weist.

Dieser Artikel ist Teil des Dossiers „Digital und grün – Lösungen für eine nachhaltige Digitalisierung“, in dessen Rahmen wir Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung vorstellen. Wir danken der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für die Projektförderung!
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