Am 20. Dezember 2025 kamen in Indien acht Elefanten ums Leben, darunter ein neugeborenes Kalb. Der Übeltäter? Kein Wilderer, sondern ein Hochgeschwindigkeitszug. Dieser Unfall war keine Ausnahme. Kollisionen mit Zügen sind die zweithäufigste Ursache für den unnatürlichen Tod von Elefanten im Land. Da Städte ihre Verkehrsverbindungen ausbauen, führen immer mehr Bahnstrecken durch die Lebensräume der Tiere. Mit mehr als 200 Elefanten, die in den letzten 10 Jahren durch Züge getötet wurden, erweist sich dieser Ausbau als tödlich für die ohnehin schon gefährdeten asiatischen Bestände.
In Coimbatore, einer Stadt im indischen Bundesstaat Tamil Nadu, wurden seit 2008 nachweislich 11 Elefanten von Zügen getötet. Die Stadt verzeichnet 148 einzelne Zugverbindungen pro Woche – eine Vielzahl von Gelegenheiten für Zusammenstöße. Doch das Forstamt von Tamil Nadu hat eine Lösung entwickelt: ein KI-gestütztes Überwachungssystem, das Elefanten beim Überqueren von Bahnschienen erkennt und den Lokführer:innen rechtzeitig eine Warnung zum Anhalten gibt.
Nachtsichtkameras erkennen überquerende Elefanten
Das System besteht aus thermischen Nachtsichtkameras, die auf 12 Türmen rund um die Bahnstrecken im Wald installiert sind. Die Kameras haben eine Reichweite von bis zu 900 Metern. Diese Daten werden dann an die Mitarbeitenden im Kontrollraum übermittelt, die die Lokführer:innen per SMS, Alarmmeldung oder Telefonanruf über überquerende Elefanten informieren. Zusätzlich werden digitale Warnmeldungen an den Bahnstrecken angezeigt.
Das Überwachungssystem hat sich bereits als Erfolg erwiesen. Seit November 2023 gab 6592 sichere Überquerungen von Elefanten – und keine Todesfälle. „[Es ist] ein Meilenstein auf unserem Weg zum Schutz der wertvollen Elefanten“, sagte Supriya Sahu, die Staatssekretärin für Umwelt, Klimawandel und Wälder, über das Überwachungssystem. Zudem verringert das System nicht nur die unmittelbare Gefahr für das Leben der Elefanten, sondern liefert Naturschützer:innen auch nützliche Daten über die Bewegungen und das Verhalten der Dickhäuter.

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Es sind nicht nur Züge, die das Leben der Elefanten bedrohen
Abgesehen von der Gefahr durch Züge sind asiatische Elefanten auch durch den Klimawandel vom Aussterben bedroht. Die Lebensräume, Nahrungsquellen und Verhaltensmuster der Elefanten werden durch extreme Wetterereignisse wie Dürren, Waldbrände, Überschwemmungen und Temperaturveränderungen beeinträchtigt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 war Indien zu 99 Prozent der Zeit von extremen Wetterereignissen betroffen, von Hitzewellen über Blitzeinschläge bis hin zu Erdrutschen. Der Februar 2025 war zudem der wärmste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen vor 124 Jahren.
Der Schutz der Elefanten vor Zugkollisionen ist zwar ein Weg, um Unfälle zu reduzieren. Doch wir müssen auch unseren Einfluss auf das Klima verringern, um für den Fortbestand der Elefanten und anderer Wildtiere zu sorgen.
