Malaria-Diagnose in 5 Sekunden – mit ein paar Magneten

Malaria betrifft viele Millionen Menschen – ist aber behandelbar. Enorm wichtig ist dabei, dass die Krankheit schnell erkannt wird. Ein Gerät der Disease Diagnostic Group könnte dabei helfen.

Autor Lydia Skrabania, 25.01.17

Malaria ist eine der schlimmsten Infektionskrankheiten weltweit. Laut WHO-Report war im Jahr 2015 knapp die Hälfte der Weltbevölkerung gefährdet, daran zu erkranken. Vor allem die Region Afrikas südlich der Sahara ist betroffen: Insgesamt 90 Prozent der Malaria-Fälle und 92 Prozent der Malaria-Todesfälle stammten 2015 von hier. Aber auch für Menschen aus Ländern Südostasiens, Lateinamerikas und des Mittleren Ostens besteht eine hohe Gefahr, sich mit Malaria zu infizieren. Im Jahr 2015 gab es weltweit 212 Millionen Fälle von Malaria, 429.000 Menschen starben daran.

Malaria gilt als „armutsbedingte Krankheit“. Denn die Tropenkrankheit ist prinzipiell heilbar – vorausgesetzt, sie wird schnell erkannt und behandelt. Gerade in armen Ländern ist genau das aber problematisch. Feststellen lässt sich Malaria über zwei Diagnose-Verfahren: Bei einer mikroskopischen Untersuchung wird eine Blutprobe auf das Vorhandensein des Malaria-Parasiten hin überprüft. Die andere Möglichkeit ist ein immunologischer und molekularbiologischer Nachweis der Erreger in Diagnosetests über Antigene. Bei letzterem Testverfahren lässt sich Malaria jedoch noch nicht im Anfangsstadium nachweisen. Für das mikroskopische Diagnoseverfahren fehlen wiederum vor allem in weniger entwickelten Ländern und ländlichen Regionen oft die medizinische Infrastruktur und die entsprechenden Ressourcen.

Mit Low-Tech gegen Malaria

Mit dem sogenannten „RAM“, Rapid Assessment of Malaria, könnte dieses Problem nun angegangen werden. Mit dem Gerät soll Malaria schneller und kostengünstiger festgestellt werden können. Das RAM macht sich dabei zunutze, dass Malaria-Parasiten, die die roten Blutkörperchen ihres Wirts befallen, das Eisen darin nicht verdauen können. Stattdessen konzentrieren sie es zu stabförmigen Kristallen, dem sogenannten Hämozoin. Die von Natur aus magnetischen Kristalle verbleiben im Blutkreislauf der infizierten Person – und können so als Marker für die Krankheit dienen.

Um die Kristalle im Blut feststellen zu können, ist kein High-Tech notwendig. Die kleine RAM-Box besteht aus einfachen und günstigen Materialien: Innen eine kleine Platine, einige Magneten und ein Laser; außen ein LCD-Bildschirm, ein Slot für eine SD-Karte und eine Einweg-Küvette aus Kunststoff. Für den Test wird ein kleiner Tropfen Blut durch die Küvette ins Innere der Box geleitet. Wenn der Malaria-Parasit im Blut vorhanden ist, bilden die Kristalle geordnete Muster, die mithilfe des Lasers leichter zu erkennen sind. Wenn kein Hämozoin vorhanden ist, gibt es auch keine Musterbildung. Ein einfacher Test. Und: Das Ganze dauert nur fünf Sekunden.

© Disease Diagnostic Group So sieht das RAM der Disease Diagnostic Group aus.

Das kleine batteriebetriebene RAM-Gerät ist zudem sehr gut transportabel. Die Kosten für die Box belaufen sich auf etwa 100 bis 120 US-Dollar, ein Malaria-Test damit kostet nur wenige Cent. Die Methode bringt also sowohl durch ihre Zeit- als auch durch die Kostenersparnis Vorteile. Entwickelt wurde das RAM von dem MIT-Doktoranden John Lewandowski, der zugleich Gründer der Disease Diagnostic Group ist. Seit 2013 führt das US-Unternehmen klinische Versuche mit dem RAM in Indien durch: Laut Disease Diagnostic Group liegt die Genauigkeit der Tests bei etwa 93 Prozent – und erzielt damit bessere Resultate als die anderen beiden Testverfahren.

Das Unternehmen plant weitere Feldversuche in Nigeria. Bereits jetzt werden die Geräte in kleinem Umfang verkauft, künftig sollen sie auch in großem Maße erhältlich sein, vor allem in den Risikogebieten für Malaria. Darüber hinaus forscht die Disease Diagnostic Group auch daran, wie man weitere von Mosquitos übertragene Krankheiten wie Dengue-Fieber oder das Zika-Virus besser diagnostizieren kann.

Im Video erklärt Lewandowski ausführlich, wie das RAM funktioniert – und warum sein Diagnoseverfahren eine sinnvolle Alternative ist:

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