„E-Autos sind ein wichtiger Baustein für eine ökologische Verkehrswende”

michael_mueller_goernert_andreas_labes_300dpi
Andreas Labes
Michael Müller-Görnert vom VCD

E-Mobilität ist im Kommen. Es gibt aber noch weitere alternative Antriebe. Wie ist da der Status quo? Wir haben dazu mit Michael Müller-Görnert vom VCD gesprochen.

Autor Lydia Skrabania, 14.03.17

Übersetzung Lydia Skrabania:

Wenn die Rede von nachhaltiger Mobilität ist, dann geht es dabei vor allem um Elektrofahrzeuge. Und E-Mobilität nimmt tatsächlich gerade mächtig an Fahrt auf. Es gibt aber noch weitere Alternativen zu Benzin- und Dieselautos. Welches Potenzial haben diese, welche Chancen und Risiken gibt es?

RESET hat dazu mit Michael Müller-Görnert gesprochen. Er ist Referent für Verkehrspolitik beim VCD mit den Themenschwerpunkten Luftreinhaltung und Klimaschutz, Mitglied im Vorstand von Transport & Environment (T&E), dem europäischen Dachverband von Umwelt- und Verkehrsverbänden und darüber hinaus Leiter diverser Projekte zum Thema Fahrzeugantriebe und Flottenmanagement.

Wenn es um alternative Antriebe und nachhaltige Mobilität geht, ist vor allem Elektromobilität in aller Munde. Wie sehen Sie da den Status quo?

Deutschland hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen. Bisher ist man davon mit gerade einmal rund 50.000 elektrisch betrieben Autos noch weit entfernt. Auch darum hat die Bundesregierung im vergangenen Jahr ein Förderprogramm für Elektrofahrzeuge aufgelegt. Auch wenn man bei den Zielsetzungen der Bundesregierung industriepolitische Motive nicht absprechen kann, so soll mit der Elektromobilität im Straßenverkehr auch der notwendige Umstieg in Richtung einer kohlenstoffneutralen Mobilität eingeleitet werden. Klar ist: um die nationalen und internationalen Klimaziele und die daraus folgende Treibhausgasneutralität bis Mitte des 21. Jahrhunderts auch im Verkehrsbereich zu erreichen, muss der nicht vermeid- und verlagerbare Verkehr nahezu emissionsfrei angetrieben werden. Hierfür werden elektrische Antriebe auf Basis Erneuerbaren Stroms benötigt.

Welche nachhaltigen Alternativen gibt es abseits des Elektroantriebs und wie schätzen Sie deren Potenzial ein?

Als umweltschonendere Alternative zu Benzin und Diesel und zur Diversifizierung der Antriebspalette fördert die Bundesregierung bereits seit Jahren Fahrzeuge mit Erdgas- und Flüssiggasantrieb über eine noch bis Ende 2018 geltende niedrigere Kraftstoffsteuer. Daher ist Gas an der Tankstelle deutlich günstiger als Benzin und Diesel. Erdgas und Flüssiggas weisen insbesondere gegenüber Diesel Umweltvorteile auf: die Fahrzeuge produzieren nur sehr geringe Schadstoffemissionen (Stickoxide und Feinstaub). Diese liegen etwa auf dem niedrigen Schadstoffniveau von Benzinern. Gegenüber diesen haben sie allerdings einen Vorteil beim CO2-Ausstoß. Erdgasfahrzeuge emittieren bis zu 25 Prozent weniger CO2, bei Flüssiggas sind es 10-15 Prozent. Darüber hinaus können Erdgasfahrzeuge auch mit regenerativ erzeugtem Methan fahren – Biomethan aus der Vergärung von Rest- und Abfallstoffen oder synthetisches Methan aus der Elektrolyse von Wasser. Je nach Vorkette steigt der CO2-Vorteil dann auf 60 bis 90 Prozent.

Trotz der Umweltvorteile und des günstigeren Kraftstoffs sind Gasfahrzeuge bis heute nicht aus der Nische herausgekommen. Etwa 500.000 Flüssiggasautos und rund 100.000 Erdgasfahrzeugen stehen in Deutschland mehr als 45 Millionen Benziner und Diesel gegenüber. Nach aktuellen Plänen soll die Steuervergünstigung für Erdgas aufgrund der größeren Klimavorteile bis 2026 fortgeführt werden, für Flüssiggas ist ein Auslaufen nach 2018 vorgesehen. Aus Sicht des VCD macht die Fortführung der steuerlichen Vergünstigung bei Erdgas aus Klimaschutzsicht Sinn, sie sollte aber auch begrenzt werden. Denn für eine Dekarbonisierung braucht es – wie schon beschrieben – einen raschen Übergang zu emissionsfreien Antrieben. Alleine mit erneuerbarem Erdgas ist dies aufgrund begrenzter Potenziale nicht zu erreichen.

Und welche Zukunftsperspektive sehen Sie für Brennstoffzelle und Co? Welche Chancen und Risiken gibt es hier?

Aus schon genannten Gründen sind Elektroautos, ob batterieelektrisch oder mit Brennstoffzelle betrieben, ein wichtiger Baustein für eine ökologische Verkehrswende. Alle anderen Antriebstechnologien haben zu geringe CO2-Minderungspotenziale oder es stehen nicht genügend Ressourcen für die Bereitstellung der Antriebsenergie zur Verfügung. Allerdings benötigen Elektrofahrzeuge sauberen Strom. Daher ist die Weiterentwicklung der Energiewende für die Elektromobilität unabdingbar. Am effizientesten ist der direkte Einsatz erneuerbaren Stroms in batteriebetriebenen Fahrzeugen oder – wie bei der Bahn – über Oberleitungen.

Bei der Brennstoffzelle hingegen geht durch die notwendige Wasserstoffherstellung fast die Hälfte der eingesetzten Energie verloren. Andererseits haben Brennstoffzellenfahrzeuge gegenüber Batteriefahrzeugen den Vorteil einer höheren Reichweite. Allerdings ist die Technologie derzeit noch teuer und bisher gibt es nur zwei serienmäßige Brennstoffzellenfahrzeuge. Auch fehlt eine Betankungsinfrastruktur für Wasserstoff. Elektrofahrzeuge weisen nicht nur eine größere Modellvielfalt auf, sie werden perspektivisch günstiger und es wird erwartet, dass sie bereits bis 2025 preislich mit herkömmlichen Fahrzeugen konkurrieren können. Zudem findet derzeit – nicht nur in Deutschland – ein intensiver Ausbau der Ladeinfrastruktur statt. Vor diesen Hintergrund sind die Chancen für das Brennstoffzellenauto zu bewerten. Risiken für die Elektromobilität liegen in einer weiterhin mangelnden Kundenakzeptanz, niedrigen Kraftstoffpreisen, noch zu klärende negative soziale und ökologische Folgen des Abbaus seltener Erden (u.a. Lithium) für die Batterieproduktion.

Ist Elektromobilität die Fortbewegung der Zukunft? Um diese Frage dreht sich unsere neue Publikation Mit E-Mobilität zur zukunftsfähigen Stadt – jetzt downloaden!

Du willst auf dem aktuellen Stand bleiben? Alle News zu Elektromobilität findest du hier: RESET-Spezial E-Mobility

E-Bikes: Mit Strom in die Pedale treten

Ein E-Bike kann eine gute Alternative zum Auto sein - gerade in der Stadt ist man mit dem Zweirad oft schneller und flexibler. Und man muss dafür nicht unbedingt tief in die Tasche greifen.

Das ist Olli: der selbstfahrende Elektrokleinbus, der mit seinen Passagieren sprechen kann

E-Mobilität war noch nie so cool. Ein neuer, selbstfahrender Minibus macht die Runde und zieht aus, um die Herzen von Passagieren und Smart-Transport-Enthusiasten auf der ganzen Welt zu erobern.

Clean, leise, wendig – Elektroroller-Sharing für italienisches Flair in deutschen Großstädten

Car2go, multicity oder DriveNow – Carsharing ist aus den deutschen Großstädten nicht mehr wegzudenken. Jetzt zieht der kleine Bruder des E-Autos nach und will mit mehr Flexibilität und günstigeren Preisen den nachhaltigen Stadtverkehr erobern: Der Elektroroller als Sharing-Gut.

Eine gute Ladeinfrastruktur löst das Reichweite-Problem von E-Fahrzeugen

Warum die elektronische Fortbewegung so langsam anläuft? Das Stichwort ist Reichweite. Mit einer guten Ladeinfrastruktur und einem Umdenken im Tankverhalten wäre das aber schon längst kein Thema mehr. Lösungen gibt es genug, wir müssen sie nur umsetzen.

e-gas-station-2151404_640
©
Nachhaltige Fortbewegung: So wirst du schnell und einfach elektromobil

Elektromobilität im Alltag muss nicht bedeuten, gleich ein eigenes E-Auto zu besitzen. Es gibt zahlreiche Sharing-Anbieter und hilfreiche Apps – und auch das Fahrrad kann elektromobil umgerüstet werden.

Ökobilanz E-Mobility: Auf die Stromquelle und die langfristige Nutzung der Batterie kommt es an

Von A nach B mit einem E-Mobil wird aktuell als die umweltfreundlichste Fortbewegungsart gehandelt. Doch wie steht es darum wirklich? Wir haben uns die Ökobilanz strombetriebener Vehikel einmal genauer angeschaut.

E-Mobilität: Mit sauberer Energie ans Ziel

Elektromobilität entwickelte sich in den vergangenen Jahren eher schleppend. Doch nun endlich kommt Bewegung in die Sache! Wie ist der Status quo, wo liegen die Hürden und Potenziale beim Plan E?

PlugSurfing: Warum es sich trotzdem lohnt schon jetzt ein E-Auto zu fahren

Die Elektromobilität in Deutschland kommt nur schwer in die Gänge. Vor allem die Besorgnis, im Nirgendwo mit leerem Akku liegen zu bleiben, schreckt viele potenzielle Neukunden ab. Eine App namens PlugSurfing sagt dem unübersichtlichen Dickicht unterschiedlicher Ladesäulen, Stromanbieter und Abrechnungssysteme den Kampf an. 

Stecker adé : Das Elektroauto von morgen lädt sich kabellos selbst auf

„The future of wireless power“ – nicht weniger hat sich Blue Inductive auf die Fahnen geschrieben. Mit der Technologie des Freiburger Startups können E-Autos schnell und kabellos geladen werden.