E10-Sprit mit Nebenwirkungen – und was jeder tun kann

Das Chaos um die neue Benzinsorte “E10″ hört nicht auf; die Verbraucher sind verschreckt und die Regierung scheint ratlos. Und auch nach Ansicht verschiedener Umweltorganisationen wie dem BUND, WWF oder Greenpeace leistet der so genannte "Biosprit" keinen Beitrag für den Klimaschutz.

Autor*in Sarah-Indra Jungblut, 08.03.11

Das Chaos um die neue Benzinsorte “E10″ hört nicht auf; die Verbraucher sind verschreckt und die Regierung scheint ratlos. Und auch nach Ansicht verschiedener Umweltorganisationen wie dem BUND, WWF oder Greenpeace leistet der so genannte „Biosprit“ keinen Beitrag für den Klimaschutz.

Bisher wird Bioethanol aus Mais, Zuckerrohr oder -rüben gewonnen. Dazu wird Regenwald für die Gewinnung von Feldern niedergebrannt; Monokulturen, Überdüngung und Pflanzenschutzmittel schädigen die artenreichen Ökosysteme in Südamerika und Südostasien. Nicht zuletzt macht der Biospritanbau dem Nahrungsanbau Konkurrenz:  einerseits werden Ackerflächen der Lebensmittelversorgung entzogen, andererseits wird beispielsweise Zucker knapp, wenn er nicht mehr von einer wachsenden Erdbevölkerung verzehrt werden kann, sondern zu Bioethanol vergoren wird.
Das Ziel der Bundesregierung, den Flächenverbrauch entscheidend zu senken, werde durch E10 nicht gelöst: jeder benzingetriebene Pkw verbraucht mit dem “E10″-Sprit zusätzliche  landwirtschaftliche Flächen; die insgesamte Flächennutzung des Autoverkehrs verdoppelt sich.

Die Einführung von E10 ist also eher als ein Versuch zu sehen, das eine Übel durch ein anderes zu ersetzen und von der weitaus wesentlicheren Aufgabe abzulenken, dass wir ein umfassendes Mobilitätskonzept brauchen, das uns in eine ressourcenschonende und emissionsarme Zukunft führt. 
“Anstatt mehr Bioethanol ins Benzin zu mischen wäre es wesentlich sinnvoller, auf EU-Ebene und in Deutschland Alternativen zum Auto attraktiver zu machen, die Verbrauchsvorgaben zu verschärfen und effizientere Fahrzeuge zu bauen,” so der BUND-Verkehrsexperte Werner Reh.

Bis sich auf politischer Ebene entscheidendes verändert, gibt es ein paar Tipps, mit denen jeder schon mal anfangen kann.

Was kann jeder tun?

* Auto fahren so weit wie möglich vermeiden, das Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen ist natürlich die erste Wahl in eine klimafreundliche Zukunft.

* Wer es sich leisten kann, dem seien Elektroautos und Super-Sparmobile empfohlen.

* Wenn das Auto unverzichtbar ist, dann kannst Du vieles tun, um Sprit-sparend – und damit auch CO2-ärmer! – zu fahren:

– Generell gilt: großer Gang, kleine Drehzahl, (fahren bei ca. 1000 Umdrehungen ist Optimum), mit viel Gas in den Gängen beschleunigen
– Frühzeitig hochschalten, z.B kann man 50 km/h bereits im fünften Gang fahren. Ist klar, dass bald angehalten werden muss: Gas wegnehmen und ausrollen lassen bzw. mit der Kupplung bremsen.
– Bei einer Wartezeit von mehr als 25 Sekunden lohnt es sich, den Motor abzuschalten.
– Den Schwung von leichtem Gefälle kannst Du mit gedrückter Kupplung und ohne Gas nutzen.
– Auch bei den Extras wie z.B. Klimaanlage kann gespart werden, wenn man sie nur wenig einsetzt.
– Ein erhöhter Reifendruck (maximal 0,3 bar über angebenem Reifendruck) spart Sprit und ist vollkommen gefahrlos.

Mehr Tipps dazu findest Du im Video des NABU; wer sich die Bewerbung der Kooperation von NABU und VW ersparen möchte, dem empfehle ich ab Minute 7 bei den praktischen Tipps einzusteigen. Ausserdem bietet der NABU ein Sprit-Spar-Training in verschiedenen Städten an. Mehr dazu auf den Seiten des NABU.

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