Drones and Satellites for Good – Satelliten als Wildhüter

Screenshot aus der Livestream-Karte des Global Fishing Watch-Projekts

Wildhüter müssen ihren Gegnern immer einen Schritt voraus sein. Die Gegner, das sind illegale Wilderer, die Jagd auf Stoßzähne und exotische Arten machen. Für unser RESET-Spezial Drones and Satellites for Good haben wir uns angeschaut, wie Tierschutz aus dem All mit Hilfe von Satelliten-Technik funktioniert.

Autor Annalisa Dorigo, 28.07.15

Kritische Stimmen bemängeln die drohende Verletzung der Privatsphäre, geht es um Satelliten-Technologie, weshalb eine kontroverse Diskussion um das Thema zu Recht einen Platz hat. Andererseits können Satelliten im Einsatz für den Erhalt und den Schutz bedrohter Tierarten ein großartiges Hilfsmittel sein, um den Lebensraum der Tiere zu überwachen. Wir schauen uns drei Projekte an, die genau das im Fokus haben.

Meeresschutz von oben

Das Ergebnis einer Partnerschaft zwischen SkyTruth, Oceana und Google, ist das Projekt „Globale Fishing Watch“. Die Technologieplattform verwendet Satellitendaten, um die Öffentlichkeit über die Überfischung der Weltmeere zu informieren und den globalen Fischfang transparent zu machen. Mit der Fischerei als Lebensgrundlage vieler Millionen Menschen weltweit, ist die derzeitige Lage mehr als ernst. Global gelten 30 Prozent der kommerziell genutzten Fischbestände als überfischt und 57 Prozent als maximal genutzt (Stand: Juli 2012; WWF). Illegale Fischerei wird dabei nur selten entdeckt. Das soll sich mit dem Globale Fishing Watch- Projekt nun ändern. Aber wie?

An Hand eines automatischen Identifikations-Systems (AIS) sammelt das Projekt Satelliten-Daten über Fischereifrachter und erstellt so globale Schiffs-Routen, indem erfasst wird, wo sich die Boote wie lang aufhalten und wohin sie weiterfahren. Ursprünglich als ein Anti-Kollisions-Tool erdacht, kann AIS automatisch Schiffs-IDs, Position, Geschwindigkeit und Fahrtrichtung erfassen.

Über zwei Jahre (2012 und 2013) wurden so die Daten von insgesamt 110.000 Fischereifrachtern aufgezeichnet und daraus Verhaltensmuster abgeleitet. Durch dieses Muster ist das Globale Fishing Watch- Projekt dazu in der Lage, Bewegungsmuster als „Fischfang“ oder „kein Fischfang“ zu klassifizieren. Es wird aufgezeichnet, wie lang sich ein Schiff zum Beispiel im Fischfang-Modus befindet und die Daten werden auf einer Livestream-Karte online für jedermann zur Verfügung gestellt.

Dank dieser interaktiven Karte ist jederzeit einsehbar, wo und wie lange in Fischfang-Gebieten gefischt wird. Illegale Fänge in Schutzzonen können in Echtzeit sichtbar gemacht werden.

Auch erfasst wird das Ausschalten des AIS, wenn Schiffe beispielsweise unbemerkt in geschützte Bereiche einfahren wollen. Auch hier können mit Hilfe der Satelliten-Daten unregelmäßige Muster erkannt und sofort geortet werden.

Das Globale Fishing Watch-Projekt ist im wesentlichen ein Werkzeug, um Fischerei für Bürger, Aktivisten und die Medien transparent zu machen. Jeder kann jetzt praktisch zu einer Art „Meereswächter“ werden und dafür sorgen, dass die Akteure von illegaler Fischerei zur Rechenschaft gezogen werden. Auch für Restaurants, Großhändler und ähnliche ist das Tool eine gute Ergänzung, um zum einen zu sehen, wo der bestellte Fisch herkommt und zum anderen Kundenwünschen nachzukommen, die eine transparente Herkunftskette fordern.  Auch Wissenschaftler und Regierungen profitieren, in dem sie neue Forschungsdaten gewinnen und Verbrechen ahnden können.

Das Projekt hat großen Zulauf und eine Reihe von Ländern beteiligt sich an einer Implementierung des AIS für Fischereifrachter. Seit Mai 2015 müssen auch alle Schiffe, die unter EU-Flagge die Meere durchkreuzen und länger als 15 Meter sind ein solches System an Bord führen.

Mach mit! Auch du kannst dich aktiv für den Schutz der Meere einsetzen. Hast du zum Beispiel Anregungen, wie das Projekt noch effektiver und zielgerichteter werden könnte? Dann trag deine Ideen in die Comment-Box (unten auf Seite) ein und hilf mit, unsere Meere zu schützen.

Vom Meer nach Süd Afrika ­– Satelliten zählen Elefanten

Auch anderswo können Satelliten gute Dienste im Tierschutz leisten. Der World Wildlife Fund (WWF) zum Beispiel betreut gleich eine ganze Reihe an Projekten, die die Satellitentechnologie nutzen.

Mit Hilfe des DigitalGlobe’s World View-2 identifiziert der WWF u.a. die Wanderungsbewegungen und Verhaltensmuster von Elefanten, Büffeln und anderen Tierarten in Süd-Afrika. Mit den Daten versorgt der WWF die ansässige Bevölkerung und versucht so, durch Informationen über die Tierwelt,  eventuellen Konflikten zwischen Mensch und Tier vorzubeugen.

Licensed under: Creative Commons - Attribution Non-Commercial No Derivatives Clive Reid Elephanten können durch Satellitenbilder geschützt werden

Weitere Projekte auch in Ost-Afrika und in Süd-Ost-Asien betreut der WWF ebenfalls und zeigt auf: Satelliten können im Einsatz für die nachhaltige Entwicklung sein.

Eis und Schnee und Eisbären

Für Satelliten-Technik ist es egal, ob es um heißen Wüstensand geht oder um arktische Kälte – schließlich fliegen die technischen Powerpakete ohnehin im All. So haben sich amerikanische Forscher die Technologie für eine Studie im Foxe Basin im nördlichen Kanada zu nutze gemacht, wo es wenig außer arktischer Kälte und Schnee gibt.

Wissenschaftler vom U.S. Geological Survey’s Alaska Science Center und von der Universität von Minnesota tracken hier an Hand von Satellitenbildern Eisbären-Populationen. Das Gebiet ist ein Teil der Hudson Bay und eigentlich sich durch sein flaches Gelände und die dunkle Landschaft hervorragend zur Identifikation von Polarbären.

Auch in schwierigerem Gelände sollen Eisbären-Populationen zukünftig mit Hilfe von Satelliten-Bildern erfasst werden. Die Forscher setzen große Hoffnungen auf den Einsatz der Technologie in diesem Feld. Weitere Ergebnisse der Studie findest du hier im Paper.

Die obigen Beispiele haben gezeigt, wie Satelliten für den Tierschutz eine herausragende spielen können. Sie können Fischfangaktivitäten analysieren, die Wanderrouten von wildlebenden Tieren erfassen und sogar Populationen im arktischen Eis tracken. Und über eines sind sich die Wissenschaftler ebenso einig: in dieser Technologie steckt großes Potenzial.

Dieser Artikel ist Teil der Serie unseres RESET-Spezial Drones and Satellites for Good – Wie Drohnen und Satelliten die Welt retten.

Vom Weltmeer bis zum Weltall – die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen und Satelliten sind schier unbegrenzt. Unbemannte Luftfahrzeuge werden längst nicht mehr nur in Kriegsgebieten von der Rüstungsindustrie eingesetzt. Mit modernster Technik ausgestattet, können sie auch wertvolle Helfer im Kampf gegen Umweltverschmutzung und soziale Ungerechtigkeit sein. Sie können Klimasünder enttarnen und sogar Verschüttete retten. In unserem RESET-Spezial stellen wir euch in den nächsten fünf Wochen Projekte vor, die mit Satelliten und Drohnen im Einsatz für eine nachhaltige Entwicklung sind. Hier geht´s zur Artikelübersicht.

Der Text stammt im Original von Annalisa Dorigo. Aus dem Englischen übersetzt von Laura Holzäpfel / RESET 2015

Drones and Satellites for Good – Satelliten zeigen die CO2-Belastung der Erde

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Satelliten: Umweltschützer und Entwicklungshelfer aus dem All?

Satelliten, einst für militärische Zwecke entwickelt, werden heute immer öfter auch für den Umwelt- und Naturschutz und im humanitären Bereich eingesetzt. Damit ergeben sich völlig neue Möglichkeiten für den Kampf gegen illegale Abholzung, Epidemien, Umweltverschmutzung und für die Überwachung und den Schutz bedrohter Tierarten. Was aber machen Satelliten eigentlich und wozu braucht man ihre gesammelten Daten? Können sie tatsächlich als Umweltschützer und Entwiklungshelfer hilfreich sein?

RESET-Spezial: Drones and Satellites for Good – Wie Drohnen und Satelliten die Welt retten

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