Drones and Satellites for Good: Artenschutzdrohnen können in die Zukunft schauen

Für den Artenschutz spielen Drohnen eine zunehmend wichtige Rolle. Ein neues Programm geht jetzt noch einen Schritt über die normale Bestandsüberwachung hinaus. Dank ausgetüftelter Computertechnik, kann Air Shepherd voraussagen, wo Wilderer zuschlagen werden. Die Erfolge der Testphase sind erstaunlich. In unserem RESET-Spezial Drones and Satellites for Good werfen wir einen Blick auf das Projekt.

Autor Silvana Steiniger, 02.08.15

Das illegale Geschäft mit Elfenbein und Rhinozeros-Horn ist ungebrochen und so lukrativ, dass selbst vor Nationalparks und Schutzgebieten nicht mehr zurückgeschreckt wird. Hier gibt es zwar Ranger, aber Wilderer schlagen meist nachts zu und die zu überwachenden Gebiete sind riesig. Die Ranger können am nächsten Tag oft nur noch die Überreste in Augenschein nehmen.

Mit Air Shepherd könnte sich dieses Wettrennen um die Zeit nun zu Gunsten der Ranger ändern. Air Shepherd ist ein Programm der Charles A. and Anne Morrow Lindbergh Foundation, das mit Drohnen der Wilderei in Afrika ein Ende setzen will. Die Fluggeräte sind mit Infrarot-Kameras ausgerüstet und so können die Ranger per Wärmebild und GPS- Daten schneller und vor allem auch in der Nacht vor Ort sein.

Testphase: 100 Punkte

Dass das System funktioniert, scheinen die Tests zu beweisen. In einem Gebiet in dem normalerweise etwa 19 Nashörner im Monat getötet wurden, kam es sechs Monate lang zu keinem einzigen Vorfall. Dieser Erfolg ist jedoch nicht allein auf die Übermittlung der Wärmebilder zurückzuführen. Zusätzlich zu Infrarot und GPS, haben die Drohnen noch einen Supercomputer an Bord, der mit einer speziellen Analyse-Software quasi die Zukunft voraussagen kann. Mit vorher gesammelte Daten über Straßen, Gelände, Wasservorkommen, Standort der Ranger, Jahreszeit, dem üblichen Aufenthaltsort der Tiere und dem Stand des Mondes – um nur einige zu nennen- errechnet die Software, wo ein Zugriff von Wilderern am wahrscheinlichsten ist. Das gibt den Wildhütern einen wichtigen Vorsprung.

Das Wildern von Elefanten und Nashörnern gehört leider nicht der Vergangenheit an. Seit etwa 2010 nehmen die Zahlen der illegal geschossenen Elefanten und Nashörner ein Ausmaß an, das böse Erinnerungen an die 70er und 80er Jahre weckt. Damals waren zum Beispiel in Kenia fast 80% des gesamten Bestandes an Elefanten der Wilderei zum Opfer gefallen. Der aktuelle Anstieg wird hauptsächlich durch die zunehmende Nachfrage an Elfenbein und Rhinozeros-Horn aus Asien angeheizt.

Eine Welt ohne Elefanten und Nashörner?

Seit 2010 sind in Afrika jährlich rund 35.000 Elefanten gewildert worden. Die noch verbleibende Gesamtpopulation wird auf etwa 500.000 geschätzt. Für die Nashörner sieht es noch verheerender aus. Nur 25.000 Tiere leben noch in Afrika. Jährlich werden davon etwa 1000 für ihr Horn getötet. Rein rechnerisch existieren damit in 10 Jahren keine Elefanten und Nashörner mehr in freier Wildbahn.

Sieben afrikanische Länder sind bisher an die Initiative Air Shepherd herangetreten, um sich bei Strategien gegen Wilderei helfen zu lassen. Das Projekt wird dabei hauptsächlich über Spenden finanziert.

Dieser Artikel ist Teil der Serie unseres RESET-Spezial Drones and Satellites for Good – Wie Drohnen und Satelliten die Welt retten.

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