Doppelte Transformation: Digitalisierung braucht saubere Energie

Der EU kommt eine Schlüsselrolle zu, um die voranschreitende Digitalisierung zugleich nachhaltig zu gestalten und hier auf erneuerbare Energien zu setzen.

Autor Jan Wisniewski:

Übersetzung Jan Wisniewski, 30.08.18

Die Europäische Kommission hat vor kurzem drei Milliarden Euro für die Förderung moderner digitaler Infrastrukturen in Europa im nächsten langfristigen EU-Haushalt bereitgestellt. Ziel der EU ist es, einen digitalen Binnenmarkt zu schaffen, d.h. „die regulatorischen Mauern niederzureißen und von 28 nationalen Märkten zu einem einzigen zu gelangen“. Darin sieht die EU den besten Weg, wie die Bürger, die Wirtschaft und die Regierungen ihrer Mitgliedstaaten von den Vorteilen des Internets und der digitalen Technologien profitieren können. Diese drei Milliarden Euro sind Teil der neuen „Connecting Europe Facility“ (CEF), die zur Verbesserung der digitalen Konnektivitätsinfrastruktur beitragen soll, um der ständig wachsenden Nachfrage nach leistungsfähigen Netzen und Infrastrukturen für die elektronische Kommunikation gerecht zu werden.

Aber digitale Technologien sind nicht der einzige Schwerpunkt der EU. In einer Pressemitteilung der Europäischen Kommission heißt es, dass die CEF darauf abzielt, „die Bereiche Verkehr, Energie und Digitalisierung besser zu integrieren, um die Dekarbonisierung und Digitalisierung der EU-Wirtschaft zu beschleunigen“. Daher sind auch Investitionen in Infrastrukturnetze für sauberen Verkehr (30,6 Milliarden Euro) und grüne Energie (8,7 Milliarden Euro) geplant.

Dieses Beispiel zeigt sehr gut, wie eine langfristige Planung verschiedene Ziele miteinander verbinden kann. Hier ist es der Wunsch der EU, zwei Übergänge innerhalb ihres Territoriums zu fördern: Erstens hin zu einer digitalen Wirtschaft und zweitens hin zu sauberen und erneuerbaren Energien.

Digital = dreckig?

Dieser ganzheitliche Ansatz erkennt an, dass die Digitalisierung nicht an sich mit der Dekarbonisierung verbunden ist. Ein Wechsel von industriellen zu datenbasierten Aktivitäten, die durch das Internet vorangetrieben werden, erweckt zwar den Eindruck, dass wir die starke Verschmutzung des 20. Jahrhunderts hinter uns lassen, aber wir dürfen nicht vergessen, dass digitale Technologien eine riesige Menge an Energie verbrauchen – und mit der Energie wird traditionell auch viel Kohlenstoff produziert.

Ergebnisse eines Forschungsteams unter der Leitung des schwedischen Forschers Anders Andrae deuten darauf hin, dass die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT)-Industrie bis 2020 für bis zu 3,5 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich sein könnte (das wäre mehr als die von Luftfahrt und Schifffahrt zusammengenommen). Die hohen Emissionen und der hohe Stromverbrauch stammen aus der Herstellung und dem Betrieb unserer Geräte, der Kommunikationsinfrastruktur und vor allem von Rechenzentren.

Rechenzentren oder Serverfarmen werden für die Speicherung der digitalen Daten von internetfähigen Geräten benötigt. Diese mit Computerprozessoren gefüllten Gebäude verbrauchen große Mengen an Energie, um diese Prozessoren am Laufen zu halten und eine Überhitzung zu verhindern. Die Untersuchungen des Forschungsteams um Andrae prognostizierten ein exponentielles Wachstum der mit dem Internet verbundenen Geräte, so dass die IKT bis 2040 bis zu 14 Prozent der weltweiten Emissionen verursachen könnten. Das entspricht in etwa dem Anteil, den die USA heute haben.

Die Notwendigkeit, den Stromverbrauch der IKT-Industrie zu verringern, wurde durch die Greenpeace-Kampagne Clicking Green unterstrichen. Greenpeace begann 2009 mit der Überwachung der Energieeffizienz des Sektors; seitdem haben sich Facebook, Apple und Google gemeinsam mit rund 20 anderen Internetunternehmen zum Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien verpflichtet.

Die wichtige Rolle der Politik

Es wird erwartet, dass bis 2030 32 Prozent der gesamten Energie in Europa aus erneuerbaren Quellen erzeugt wird. Die EU strebt in diesem Zusammenhang an, „so früh wie möglich“ ihre Kohlenstoff-Nettoemissionen auf null zu bringen. Zugleich treibt sie die weitere Digitalisierung der Wirtschaft voran. Insofern werden die Selbstverpflichtungen der großen IKT-Unternehmen zur Verringerung der energiebedingten Emissionen Musik in den Ohren der politischen Entscheidungsträger der EU sein. Nichtsdestoweniger kommt der EU eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung von Regulierungen zu, die CO2-Emissionen begrenzen und dem Privatsektor Anreize bieten, ihren Energieverbrauch „grüner“ zu gestalten.

EU-Kommissar Arias Cañete sagte kürzlich in einer Rede, dass ein Großteil der „notwendigen Investitionen für den Übergang zu einer sauberen Energie aus dem Privatsektor kommen wird“, betonte aber auch die Rolle der politischen Entscheidungsträger bei der Schaffung eines Rechtsrahmens hierfür und die Unterstützung mit Finanzmitteln. Außerdem unterstrich er, dass Innovation und technologischer Fortschritt die Nutzung erneuerbarer Energien und die Verbesserung der Energieeffizienz erhöht hätten.

Das Potenzial der Digitalisierung zur Verbesserung unseres Lebens und zur Gewährleistung eines stabilen und schönen Planeten für künftige Generationen ist vorhanden – wir müssen aber weiter daran arbeiten, die Emissionen der Energiequellen zu reduzieren, die diese digitalen Technologien antreiben,.

Dieser Artikel erschien zuerst auf unserer englischsprachigen Seite, übersetzt wurde er von Lydia Skrabania.

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