Digitalisierung und Nachhaltigkeit: „Ein großes Potenzial für den Mittelstand“

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Die rasante Digitalisierung sinnvoll nutzen und gleichzeitig hohe Ansprüche an Nachhaltigkeit umsetzen – beides stellt kleine und mittelständische Unternehmen vor große Herausforderungen. Die Plattform nachhaltig.digital will dabei unterstützen und hat auf ihrem Jahreskongress jene, die Antworten suchen mit denen zusammengebracht, die Angebote haben.

Autor Sarah-Indra Jungblut, 11.04.19

„Künstliche Intelligenz“, „Messbarkeit“ und „New Work“ waren die Schwerpunktthemen des Jahreskongresses der Plattform nachhaltig.digital am 20. März. Was die Plattform nachhaltig.digital genau ist, worin die Verbindung der Themen des Kongresses bestehen und was das ganze mit Nachhaltigkeit und Digitalisierung zu tun hat, darüber sprach RESET mit Julia Fink, die als wissenschaftliche Mitarbeiterin der Plattform den Bereich Kommunikation betreut.

Julia, kannst du kurz vorstellen, was nachhaltig.digital genau macht?

Wir sind 2018 als Gemeinschaftsprojekt der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und des Bundesdeutschen Arbeitskreises für Umweltbewusstes Management (B.A.U.M., Hamburg) gestartet. Uns hat damals die Frage umgetrieben, wie wir den Mittelstand dabei begleiten können, Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammen zu bringen. Wie kann die Digitalisierung auch im Mittelstand zu einem Instrument für eine lebenswerte Zukunft werden – ökologisch, sozial, ethisch und ökonomisch wertvoll? Der Mittelstand ist ja mit vielen Herausforderungen konfrontiert; dazu gehört der digitale Wandel, aber auch die Forderungen nach mehr Nachhaltigkeit. Gerade im Mittelstand sehen wir daher ein großes Transformationspotenzial, denn Unternehmen gestalten die Digitalisierung maßgeblich mit und füllen sie mit Inhalten. Mit der Kompetenzpattform nachhaltig.digital wollen wir dazu anregen, Nachhaltigkeit und Digitalisierung zusammen zu denken und im eigenen Unternehmen neue Lösungsansätze zu entwickeln.

Wie wird die Plattform angenommen?

Wir haben festgestellt, dass das Interesse für das Thema Digitalsierung unter Nachhaltigkeitsaspekten in den letzten zwei Jahren enorm gewachsen ist. Als wir noch in der Findungsphase waren, war das noch ein Nischenthema, aber plötzlich ist das Interesse da. Das ist natürlich auch einer Vielzahl an weiteren Initiativen zu verdanken. Auch die Unternehmen merken, dass Handlungsbedarf besteht, um zukunftsfähig zu bleiben, und suchen nach Möglichkeiten, sich zu diesen Zukunftsthemen auszutauschen. Zu unseren Veranstaltungen kommen immer mehr Teilnehmende und uns erreichen viele Anfragen und Kooperationswünsche. Die Unternehmen interessieren sich dabei vor allem für Lösungsansätze aus der Praxis.

Worin seht ihr eure Hauptaufgabe?

Wir bringen diejenigen, die Fragen stellen, mit denen zusammen, die Angebote haben, also nachhaltigkeits-motivierten Unternehmen mit Akteuren aus dem Digitalisierungsbereich. Als Online-Plattform, aber auch als „Offline“-Plattform bieten wir viele verschiedene Vernetzungsmöglichkeiten für Unternehmen mit Experten aus der Forschung, mit Multiplikatoren und möglichen Geschäftspartnern. Gemeinsam sollen so neue Lösungsansätze entstehen.

In diesem Zusammenhang habt ihr am 20. März 2019 auch einen Kongress veranstaltet.  Im Zentrum standen dabei drei Themen: Künstliche Intelligenz, Messbarkeit und New Work. Warum habt ihr diese Schwerpunkte gewählt, wie hängen diese drei Themen zusammen?

Ja, erst mal klingt es so, als hätten diese drei Themen nicht so viel miteinander zu tun. Aber da gibt es natürlich einen Zusammenhang! Schon bevor nachhaltig.digital startete, haben wir von der DBU zusammen mit der Hochschule Osnabrück und der Universität Osnabrück vorbereitende Forschungsprojekte initiiert. Eine zentrale Erkenntnis daraus war, dass Unternehmen, die einen hohen Nachhaltigkeits- und Digitalisierungsgrad haben, in der Regel auch sehr resilient sind. Daraufhin haben wir uns die Frage gestellt, was es für Ausgangsvoraussetzungen braucht, um ein Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen. Also wie können sie gut auf Transformationsprozesse, die der nachhaltige und digitale Wandel mit sich bringen, vorbereitet sein? Wir vermuten, dass auch die Unternehmenskultur einen großen Einfluss auf die Resilienz eines Unternehmens hat. Mit dem Thema New Work wollten wir daher den Blick darauf richten, wie ein innovationsfreudiges Umfeld für nachhaltige und digitale Lösungen geschaffen werden kann. Was braucht es für eine Arbeitskultur, welche Eigenverantwortung der Mitarbeitenden? Und welche Rolle spielen neue Arbeitsmodelle, die Kooperation mit Startups zum Beispiel?

Mit digitalen Technologien haben wir zudem ganz neue Möglichkeiten, Nachhaltigkeit zu messen und zu erhöhen. Wenn Unternehmen wissen, wo sie stehen im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Digitalisierung, indem sie vielleicht ihren Grad bestimmen, können sie davon ausgehend Strategien entwerfen, wie sie sich weiterentwickeln möchten.

Gleichzeitig müssen sich Unternehmen auch die Frage stellen: Wie gehe ich mit solchen digitalen Megatrends wie Künstliche Intelligenz um? Für ganz viele ist das noch immer eine Black Box. Daher haben wir uns der Fragestellung angenähert, was künstliche Intelligenz ist, wie diese für Nachhaltigkeit – zum Beispiel für die Analyse großer Datensätze – eingesetzt werden kann und welche ethischen Kriterien oder Transparenzrichtlinien dabei berücksichtigen werden sollten. Aber natürlich geht es auch darum, dieses für viele sehr abstrakte Thema auf konkrete Lösungsansätze für den Mittelstand runterzubrechen.

Alle Themen verbindet also die Frage: Wie können Unternehmen sich im digitalen Wandel zukunftsfähig aufstellen – das umfasst den Bereich New Work, Messmethoden, aber eben auch digitale Innovationen.

Was sind New-Work-Ansätze, die ihr bei Unternehmen beobachtet habt? 

Um das besser zu veranschaulichen kann ich ein ganz gutes Beispiel geben:

Auf dem Kongress haben wir ein Praxisbeispiel vorgestellt, in dem anhand von Virtual-Reality Mitarbeitende viel stärker in die Planung von beispielsweise Produktionshallen einbezogen werden können. So ist die Planung besser auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden zugeschnitten und gleichzeitig wird weniger Material durch Prototyping oder Fehlproduktionen verschwendet. Bei diesem Beispiel geht es vor allem um den sozialen Aspekt, deshalb haben wir das Projekt auf dem Kongress unter den Themenschwerpunkt New Work gefasst, aber dadurch wird natürlich auch die ökologische Nachhaltigkeit verbessert.

Beispiele wie dieses zeigen ganz gut: Die Digitalisierung kann ganz neue Arbeitsmodelle ermöglichen, zum Beispiel agiles Arbeiten, mehr Eigenverantwortung der Mitarbeitenden oder flexible Arbeitszeiten durch die virtuelle Zusammenarbeit. Damit verbunden ist die Annahme, dass mehr Freiräume durch Ansätze von „New Work“ auch ein Umfeld für nachhaltigen Wandel schaffen, indem sie ein viel größeres Innovations- und Kreativitätspotenzial freisetzen.

Wie geht es mit nachhaltig.digital weiter? Was habt ihr euch für die nächste Zeit vorgenommen?

Viele Unternehmen stellen sich die Frage, wie sie mit der digitalen und nachhaltigen Transformation umgehen und das richtige Umfeld dafür schaffen. Gleichzeitig haben sie ein großes Interesse, ihren eigenen Standpunkt zu bestimmen und dann durch digitale Technologien noch nachhaltiger und damit auch wettbewerbsfähiger werden. In Expertenkreisen wollen wir daher solche Fragestellungen bearbeiten und handhabbare Tools und praktische Lösungsansätze entwickeln, die auch für andere Unternehmen spannend sind. Diese sammeln wir dann auf der Plattform nachhaltig.digital und machen sie zugänglich für Unternehmen. Aktuell bilden sich noch die Expertenkreise mit Mitgliedern aus Praxis und Forschung, Interessierte sind herzlich willkommen mitzuwirken!

Vielen Dank!

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