Wenn uns die Veröffentlichung weiterer Epstein-Akten (mal wieder) eines zeigt, dann ist es das: Es gibt Regeln für Suppereiche – und Regeln für alle anderen. Anhand detaillierter Unterlagen sehen wir, wie die mächtigsten Menschen der Welt – viele von ihnen Tech-Milliardäre – andere Menschen manipulieren, Gelder veruntreuen, Sexualstraftäter decken und den Planeten für ihre persönlichen Vorteile ausbeuten.
Dabei haben sie in dem Wissen gehandelt, dass ihr Einfluss sie unantastbar macht. Ihre Macht kommt allerdings nicht von ungefähr – und sie wird auch durch unsere Beteiligung aufrechterhalten.
Wenn es also einen Weg nach vorne gibt, dann besteht er darin, ihren Unternehmen und Systemen gemeinsam die Macht zu entziehen. Wir müssen schließlich keine Unternehmen unterstützen, die Ethik als Hindernis betrachten. Stattdessen können wir unsere Loyalität auf ein wachsendes Ökosystem von Organisationen und Entwickler:innen verlagern, die digitale Werkzeuge für das Gemeinwohl anbieten.
Es ist an der Zeit, die Ausbeuter nicht länger zu unterstützen! Stattdessen ist es höchste Zeit, unsere Daten und unser Geld in „Digital for Good“ zu investieren.
Technologien, die ihren eigenen Hype überleben
Bevor wir uns einfach nur andere Apps herunterladen, sollten wir damit anfangen, unsere Denkweise zu ändern. Der aktuelle Technologiezyklus, der auf dem Streben nach „größer, schneller, stärker“ basiert, treibt den Planeten über seine Belastungsgrenze hinaus. Permacomputing dagegen bietet eine neue Philosophie als Alternative an: Digitale Ressourcen als endlich zu betrachten und Technologien zu entwicklen, die den Zyklen der Natur folgen. Durch den Wechsel von „Wachstum um jeden Preis“ hin zu „regenerativer Technologie“ entfernen wir uns weg vom westlichen Modell der Zerstörung und hin zu einem System, das indigene Weisheiten und „sparsamen“ Code vorzieht.
Um unsere toxische Beziehung zu Big Tech zu beenden, müssen wir zunächst erkennen, dass wir nicht mehr Rechenleistung brauchen – sondern nur anders mit unseren Kapazitäten umgehen müssen.
Topio bietet „entgoogelte“ Smartphones an
Der Verein Topio konzentriert sich auf die Installation alternativer Smartphone-Betriebssysteme wie Graphene, LineageOS oder /e/. Diese laufen in der Regel reibungsloser auf älterer Hardware und können die Lebensdauer von Mobiltelefonen erheblich verlängern. Gleichzeitig senden sie weitaus weniger Daten an große Technologieunternehmen wie Google oder Apple.
Nicht gleich aufgeben, Marktmacht bekämpfen!
Die direkteste Art und Weise, wie Big Tech uns ausbeutet, ist die „geplante Obsoleszenz“. Im Oktober 2025 etwa beendete der Software-Gigant Microsoft seinen Support für Windows 10. Dabei zwang er Nutzer:innen teure Upgrades auf, wodurch bis zu 400 Millionen funktionierende PCs zu Elektroschrott wurden. Aber Verbraucher:innen haben nach wie vor die Wahl, ob sie das einfach so hinnehmen wollen. Die Kampagne „Endof10“ ist der Gegenschlag aus der Ecke der Windows-Nutzenden.
Durch den Umstieg auf Linux kannst du deinem aktuellen Rechner einige Jahre oder sogar Jahrzehnte lang neues Leben einhauchen. Denn: Der nachhaltigste Computer ist der, den du bereits besitzt. Und die Entscheidung hin zu Open-Source-Software ist der ultimative Akt der Hardware-Rebellion gegen die Macht von Big Tech.
Denn indem du deine „alte“ Hardware behältst, durchbrichst du auch den ausbeuterischen Kreislauf von Big Tech und weigerst dich gleichzeitig dagegen, die „Upgrade-Pauschale“ an das Silicon Valley zu zahlen.
Befreie dich von „Informations-Gatekeepern“
Selbst unseren Zugang zu Informationen regelt ein Unternehmen, das immer wieder in der Kritik steht, ein unfaires Monopol zu halten. Die Dominanz von Google mit fünf Billionen Suchanfragen pro Jahr bedeutet, dass ein einziges Unternehmen entscheidet, was wir sehen und was nicht. Und wie gut hat das für uns funktioniert?
Das OpenWebSearch-Projekt durchbricht dieses Monopol, indem es einen europäischen Open-Source-Suchindex aufbaut. Dieser hilft uns dabei, uns von „Black-Box“-Algorithmen zu lösen, um sicherzustellen, dass unser Zugang zum Internet ein öffentliches Gut bleibt, frei von voreingenommenen KI-Übersichten und Werbesteuern.
Denn bei digitaler Souveränität geht es nicht nur darum, wo du deine Daten speicherst. Es geht vor allem auch darum, wer kontrolliert, welche Informationen du finden kannst.
Hier findest du außerdem einen Ratgeber für datenschutzorientierte, klimafreundliche Suchmaschinen: Wie man trotz KI-Hype grüne Suchmaschinen findet
Warum lokal die Zukunft ist
Erst neulich haben wir untersucht, warum „Big Tech“ nicht immer gleich „Good Tech“ bedeutet. Dafür haben wir eine Liste mit Open-Source-Alternativen aus der EU zusammengestellt, die du im Büro und zu Hause verwenden kannst. Etwa Alternativen zu Google Maps und Microsoft Office. Die eleganten Benutzeroberflächen von Google, Microsoft und Apple sind zwar komfortabel, sie gehen jedoch zu Lasten einer demokratischen Kontrolle und der Integrität unserer Daten. Hacking-Skandale mit riesigen Datenlecks und die systemische Überwachung, die von Whisteblowern immer wieder aufgedeckt wird, zeigen den wahren Preis dieser Monopole. Es wird langsam aber sicher unmöglich, das alles zu ignorieren.
Bei der Software zumindest auf Anbieter in der EU zu setzen, ist ein erster Schritt hin zu einem faireren und umweltfreundlicheren digitalen Ökosystem, in dem die Rechte und die Daten der Nutzenden tatsächlich geschützt werden. Gleichzeitig kommen die Steuern den Ländern zugute, in denen die Nutzer:innen tatsächlich wohnen.
Soziale Medien ohne die großen Meister
Kürzlich haben wir uns mit Tools befasst, die wir ständig nutzen: Soziale Medien und Messenger-Dienste. Die „Illusion der Sicherheit“ der großen Tech-Unternehmen wurde durch Whistleblower wie Edward Snowden zerstört. Dennoch nutzen wir ihre Plattformen aus Bequemlichkeit weiterhin. Das Fediverse ist dagegen ein lebendiges Ökosystem von EU-basierten, DSGVO-konformen und ethischen Alternativen zu sozialen Medien. Sie sind alle schon vollumfänglich nutzbar, einfach zu bedienen und werden ganz sicher die Zukunft eines demokratischen, dezentralen Internets prägen.
Unserer Erfahrung nach ist es ein Kinderspiel, dein soziales Leben und die tägliche Arbeit in Räume zu verlagern, die deine Privatsphäre respektieren und den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen.
Community vor Corporate
Selbst wenn du vielleicht einen nachhaltigen Laptop gekauft hast, deine „Cloud“ ist es in der Regel nicht. Der Großteil unserer Daten befindet sich in riesigen, umweltschädlichen Rechenzentren, die Milliardären gehören und in einen Schleier der Geheimhaltung gehüllt sind. Wenn uns die letzten Wochen etwas gelehrt haben, dann, dass wir mehr als genug von Unternehmensgeheimnissen haben.
Für eine gerechtere Zukunft müssen wir unseren Kurs in Richtung gemeinschaftlicher Infrastruktur ändern. Ziel sollte dabei sein, digitale Dienste wie öffentliche Versorgungsleistungen zu behandeln – ähnlich wie Wasser oder Strom. In dieser Zukunft ermöglichen Genossenschaften wie Nubo den Bürger:innen, direkt mitzubestimmen, wie Rechenzentren lokale Wasser- und Energieressourcen verbrauchen. So wird sichergestellt, dass die Technologie dem Gemeinwohl dient und Nachbarschaften unterstützt, statt weit entfernten Monopolisten.
Auch wenn kommunale Rechenzentren eine Lösung sind, können wir schon jetzt Fragen an die Unternehmen stellen, die unsere Daten verarbeiten:
- Informiere dich: Mach dir bewusst, welche physischen Folgen unsere digitalen Gewohnheiten haben. Rechenzentren sind „das neue Öl“ und verbrauchen unter dem Deckmantel der „Unsichtbarkeit“ riesige Mengen an Land und Ressourcen.
- Unterzeichne Petitionen: Werde aktiv, indem du Kampagnen unterstützen, die sich gegen das ungebremste Wachstum von Rechenzentren einsetzen und dem Klimaschutz Vorrang einräumen.
- Widerstehe Rechenzentren von Big Tech: Werde aktiv und unterstütze Basisbewegungen in deiner Region.
Wir halten fest: Die wahren Kosten der digitalen Bequemlichkeit, die uns die großen Tech-Unternehmen bieten, sind hoch. Wir opfern unsere Privatsphäre, unseren Planeten und unsere demokratische Kontrolle für ein paar „elegante“ Funktionen. Aber wie dieser Artikel zeigt, steht das alternative Internet schon jetzt zur Nutzung bereit. Es wartet nur darauf, dass wir alle umziehen!





