Lancey – ein smarter Heizkörper für die Energiewende?

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© Lancey

Das französische Startup Lancey hat eine Wandheizung entwickelt, mit der man seinen Energieverbrauch besser kontrollieren und reduzieren kann. Energieversorgern könnte das Gerät helfen, Verbrauchsspitzen besser zu bewältigen.

Autor Tristan Rayner:

Übersetzung Tristan Rayner, 28.10.19

Die Gebäude, in denen wir leben und arbeiten, sind für etwa 40 Prozent des Energieverbrauchs und 36 Prozent der CO2-Emissionen in der EU verantwortlich –der Gebäudesektor ist damit der größte Energieverbraucher in Europa. Um den Energiebedarf und den CO2-Ausstoß von Gebäuden zu senken, sind Innovationen und Sanierungsmaßnahmen dringend erforderlich.

Was den einzelnen Konsumenten betrifft, so sind intelligente Thermostate eine Möglichkeit, die helfen, Energie zu sparen und die Stromkosten zu senken. Aber wie wäre es gleich mit intelligenten Heizkörpern? Daran arbeitet das französische Startup Lancey Energy Storage. Wie bei vielen „intelligenten“ Heizkonzepten liegt auch bei Lancey ein Teil des Energiesparpotenzials in der Nutzung des Internets der Dinge. Ausgestattet mit Sensoren und einem Cloud-basierten Energiemanagementsystem lernen die Heizkörper die Verbrauchsgewohnheiten der Nutzenden kennen, verfolgen Wetterdaten und Informationen über den jeweiligen Stromanbieter und passen die Heizeinstellungen entsprechend an. Und natürlich kann man alle diese Einstellungen über eine Smartphone-App steuern.

So weit, so bekannt. Doch was die Lancey-Heizkörper von vergleichbaren Geräten unterscheidet, ist ihre integrierte Lithium-Batterie. Damit können sie Energie intelligent speichern: Sie laden und speichern Strom außerhalb der Hauptlastzeiten, wenn er billiger ist, und schalten während der Spitzenlastzeiten in den Batteriebetrieb. Dies trägt dazu bei, den Druck auf das Stromnetz während der Spitzenzeiten zu verringern, sodass Netzbetreiber den Einsatz von Spitzenlastkraftwerken vermeiden könnten, die üblicherweise eingesetzt werden, um die Lücke bei Verbrauchsspitzen zu schließen.

Die Batterie ist außerdem in der Lage, Energie von angeschlossenen lokalen Solarmodulen oder anderen naheliegenden Generatoren für erneuerbare Energien zu speichern, was es Solarstromerzeugern erleichtert, ihren Produktionsüberschuss zu speichern, und hilft, die dezentrale Energieerzeugung zu demokratisieren. Diese Fähigkeit zur Speicherung von Energie kann also dazu beitragen, die Integration erneuerbarer Energien in die Verteilnetze zu erleichtern und die Herausforderungen der periodischen Energieerzeugung auszugleichen. Nach Angaben von Lancey können die smarten Heizkörper die Heizkosten zudem um bis zu 50 Prozent senken.

Das Startup, seit drei Jahren aktiv, baut seine Geräte in Frankreich und hat in diesem Jahr bisher 800 Heizkörper installiert (Stand Oktober 2019). Der Fokus lag vor allem auf betrieblichen Anlagen lag; geplant ist nun eine breiter angelegte Markteinführung. Der Preis soll dabei unter 1.000 Euro pro Einheit liegen – und das Unternehmen hat den ehrgeizigen Plan, bis 2025 mehr als 100.000 Geräte zu installieren.

Was bringt das Ganze?

Es stellt sich die Frage, wie lange es dauern wird, bis Einsparungen erzielt werden, wenn man die relativ hohen Anfangskosten für das Gerät, die Installation und die Nachrüstkosten bedenkt. Laut dem Geschäftsführer und Mitgründer, Raphael Meyer, hängt die Amortisationszeit von der bisherigen Heizungsanlage und der Wärmedämmung des Gebäudes ab. Bei energieeffizienten Systemen und Gebäuden mit schlechter Wärmedämmung kann die Amortisationszeit bis zu fünf Jahre betragen. Zur Optimierung der Einrichtung kann es bis zu zehn Jahre dauern. Wenn es um die Installation des Systems in einem neuen Gebäude geht, sei die Lösung laut Meyer „in der Regel günstiger in der Anschaffung als andere Systeme (Wärmepumpen, Gaskessel usw.) und bedeutet geringere Gesamtkosten über die gesamte Lebensdauer“.

Und noch eine weitere Frage stellt sich: das Problem der Wärme. Lancey-Batterien sind zwar so konzipiert, dass sie Energie für die Heizung liefern, allerdings ist Wärme ein bekanntes Problem für die Lebensdauer von Batterien, da sie die internen chemischen Reaktionen beeinflusst. Dies kann dazu führen, dass Batterien bei Wärmeeinwirkung nicht mehr so gut funktionieren. Wie wird das System der Energieversorgung für die Heizung durch die Hitze in der unmittelbaren Umgebung beeinflusst? Meyer hat auch darauf eine Antwort: „Das System von Lancey hat eine thermische Barriere zwischen der Batterie und dem Heizteil. Es optimiert die Batteriekühlung durch die Nutzung des natürlichen Konvektionsluftstroms, der durch den Kühler selbst erzeugt wird. Das bedeutet, dass die Batterie auf einer optimalen Betriebstemperatur bleibt.“ Auch etwaige Wärmeverluste durch die Batterie wären positiv zu bewerten, da auch diese zur Erwärmung des Raumes beiträgt.

Bleibt eine letzte Frage: die Nachhaltigkeit der Lithium-Batterien. Wegen ihres hohen Bedarfs an seltenen Erden und des schwiergigen Recyclings genießen diese aktuell nicht zu unrecht nicht den besten Ruf. Auch wenn an vielen Alternativen zu dieser Art der Speicherung geforscht wird, mangelt es im Moment allerdings leider noch an ähnlich leistungsstarken Alternativen. 

Zu den Investoren der jüngst erfolgten Finanzierung über insgesamt acht Millionen Euro gehört auch die Europäische Union mit 1,5 Millionen Euro. Zwar sind Elektroheizungen nicht in allen europäischen Ländern die Regel, jedoch wird derzeit jedes dritte französische Haus mit Strom beheizt, so dass zumindest hier das Potenzial für eine echte Wirkkraft vorhanden ist. Und da immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien stammt, könnte diese noch zunehmen…

RESET hat bereits über verschiedene energiesparende Innovationen für das Heizen berichtet: eine Erdwärmeheizung, die im Hinterhof installiert werden kann, ein schwedisches Unternehmen, das die fettige Abwärme von Restaurants in nutzbare Energie zum Heizen umwandelt und eine Studie Schweizer Forschender, wonach Wohnungen künftig mit der Wärme aus U-Bahn-Tunnels beheizt werden könnten.

Dieser Artikel ist eine Übersetzung von Lydia Skrabania. Das Original erschien zuerst auf unserer englischen Website.

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