Die Stimmen der Ungehörten: indischer Bürgerjournalismus per Handy

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Im indischen Staat Chhattisgarh in Zentralindien lebt der Stamm der Gond. Fast vergessen und kaum ein Teil der indischen Öffentlichkeit oder der Mainstreammedien, haben sie dank ihrer Mobiltelefone und des Internets die Chance, aktiv Bürgerjournalismus zu betreiben - und das ohne Lesen und Schreiben zu können.

Autor Hanadi Siering, 06.02.14

CGNet Swara macht es möglich. Die Menschen rufen einfach eine Nummer an, hinterlassen ihren Bericht, der dann über das Internet in die Öffentlichkeit kommt. So werden die News, Berichte und Geschichten und Beschwerden der Gond in ihrer Sprache im Internet verbreitet und treten aus der Vergessenheit heraus. Bisher haben sie nämlich keine Stimme in der Öffentlichkeit, leben am Rand der Gesellschaft und haben keine Zeitung, die in ihrer Sprache Gondi herausgegeben wird.

Ein Drittel der Menschen in dieser Region gehören verschiedenen Stämmen an, können weder lesen noch schreiben, sprechen kein Englisch und leben in Gegenden fernab von modernen Kommunikationsmitteln wie dem Internet. Allerdings besitzen laut BBC Journalist und CGNet Swara Gründer Shubhranshu Choudhary der Großteil der Menschen ein Handy. Das hat ihn auf die Idee gebracht, Handy-Technologie einzusetzen, um den Menschen in einem Gebiet, welches immer wieder von Maoistischen Aufständen heimgesucht wird und von den Medien kaum wahrgenommen wird, eine Stimme für ihre Themen zu verleihen und so eine demokratische Entwicklung der Region zu fördern.

Was Choudhary unter demokratischen Medien versteht und wieso er denkt, dass diese besonders für diejenigen wichtig sind, die nicht zur gebildeten Elite gehören, erklärt er auf einer TEDx Konferenz im Video:

Bürgerjournalismus der Ignorierten

Diese besondere Form des Bürgerjournalismus funktioniert so: In Bangalore, Indiens Silicon Valley, steht ein Server, der mit einer Telefonnummer verbunden ist. Diese Telefonnummer wird mittlerweile 400 mal am Tag angerufen. Die Anrufer haben zwei Minuten Zeit, ihre Geschichte zu erzählen. Sie wird aufgenommen und von freiwilligen Redakteuren auf ihren Wahrheitswert geprüft.

CGNetSwara.org

Diese Nachrichten, die sonst von den Massenmedien ignoriert oder unentdeckt bleiben gelangen so in die Öffentlichkeit und ziehen ihre Kreise. Geprüfte Nachrichten über Beamtenbestechungen beispielsweise werden an entsprechende Stellen weitergeleitet, die sich dann für die Rechte der Betroffenen einsetzen können. Dass das System funktioniert, zeigen verschiedene Erfolgsgeschichten.

Die Website ist eine Newsplattform, die sowohl die Diskussion über Gondwana-relevante Themen ermöglicht als auch die aufgenommenen Nachrichten abspielt und diese auf Englisch übersetzt, wodurch ein größeres Publikum erreicht werden kann. Das Projekt ist ein Beispiel dafür, wie die Graswurzelgesellschaft die Öffentlichkeit mit gestalten kann. Aber es gibt noch zahlreiche andere Projekte, die den bisher ungehörten Menschen eine Stimme verleiht, ihre Rechte so stärkt und Demokratieentwicklung fördert.

MARKIERT MIT
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Bürgerjournalismus für die Ärmsten der Armen

In Mosambik kann nicht mal die Hälfte der Bevölkerung lesen und nur ein Bruchteil der Lesenden kann sich eine Zeitung leisten. Unter solchen Umständen ist eine aktive Beteiligung am gesellschaftlichen Geschehen fast unmöglich. Aber eben auch nur fast! @Verdade ermöglicht denjenigen, die kein Geld und sonst keinen Zugang zu Informationen haben, aktive und informierte Bürger zu werden - mit technischer Hilfe aus Berlin.

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Graswurzeljournalismus leicht gemacht – StoryMaker zeigt dir wie!

Menschen in Krisengebieten haben aufgrund von staatlicher Kontrolle oft nicht Gelegenheit der Außenwelt zu berichten, was um sie herum passiert. Dabei ist es wichtig, besonders ihnen Gehör zu verleihen! Die Android-App StoryMaker macht es Bürgern nun möglich, ihre Geschichte in einer journalistischen Form sicher und anonym der Welt zu erzählen.

Das Handy als Entwicklungsmotor

Ein Leben ohne Handy – das ist für die meisten von uns kaum vorstellbar. Von einem exklusiven Spielzeug hat sich das Mobiltelefon in kürzester Zeit zu einem täglichen Begleiter fast wie von selbst über die ganze Welt verbreitet. Fast 7 Milliarden Menschen nutzen heute ein Handy - keine Technologie hat die Welt bisher schneller erobert.