Die Energiewende selbst in die Hand nehmen

Klar kann sich nicht jeder Solarzellen auf´s Dach schrauben oder ein Windrad im Garten installieren. Aber statt weiter zu warten, bis sich unsere Regierung ins Zeug legt, kannst du selbst die Energiewende in die Hand nehmen. Energiegenossenschaften und neue Crowdfunding-Plattformen machen das möglich!

Autor Sarah-Indra Jungblut, 21.10.13

 

In den Regionen bewegt sich was. In den letzten Jahren haben hunderte Bürgergruppen, Gemeinderäte oder lokale Wirtschaftsunternehmen gemeinschaftlich Erneuerbare-Energien-Projekte realisiert. Vor allem Energiegenossenschaften sind hier eine beliebte Organisationsform geworden. Laut dem Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV)  gibt es derzeit 656 Energiegenossenschaften in Deutschland – Tendenz weiter steigend. Allein 2012 sind 150 Energiegenossenschaften gegründet worden. Mit den Genossenschaften bringt die Energiewende nicht nur einen technologischen Wandel hin zu erneuerbaren Energien mit sich, sondern gleichzeitig auch einen Wandel in der Organisation von Energie, der Vernetzung und Autarkie von Regionen. Als Bottom-Up-Projekte mit vielen gleichberechtigten Partnern, die demokratisch organisiert und lokal verwurzelt sind, sind sie überzeugende Beispiele aktiver Bürgerbeteiligung. Dafür spricht, dass 92 Prozent der Genossen Privatpersonen sind, die sich mit einem hohen Eigenkapitalanteil einbringen. Und das zeigt noch etwas ganz deutlich: Viele Menschen haben ein großes Interesse an der Energiewende und scheuen sich auch nicht, Geld in die Hand zu nehmen, um diese voranzutreiben.

Doch natürlich ist nicht in jeder Region oder Stadt eine passende Genossenschaft zur finden. Möglichkeiten, ortsungebunden die Energiewende zu unterstützen, bieten neue Crowdfunding-Plattformen, die sich nach dem Vorbild von Kickstarter, startnext etc. auf die Finanzierung erneuerbarer Energien spezialisiert haben.

In Deutschland sind die vier Anbieter Crowdenergy, Green Crowding, Bettervest und ganz frisch Econeers federführend. Sie haben jeweils einen leicht anderen Fokus:

Bettervest will sich auf kleine und lokale Unternehmen spezialisieren. Ebene erst umgesetzt haben sie z.B. eine energiesparende LED-Beleuchtung für ein Fitnessstudio.

Econeers ist ein Tocherunternehmen des bereits etablierten Portals Seedmatch. Gemeinsam mit etablierten Projektpartnern können hier vor allem bestehende Projekte, wie beispielsweise aktuell der Biokohlereaktor des Unternehmens Tiefschwarz, unterstützt werden.

Das Investmentmodell von Green Crowding geht gleich mit einem innovativen Projekt an den Start: Gelder sollen hier in die erste kommerzielle Höhenwindanlage der Welt fließen. Die Investitionen auf der Plattform funktionieren nach dem Darlehen-Prinzip, sodass der Geldgeber einfach zum Gläubiger wird. Nach ein paar Jahren fließt sein Geld verzinst zurück.

Crowdenergy hingegen lässt sich vielleicht am besten mit Genossenschaft 2.0. beschreiben. Der Anspruch des Portals ist es, die Vorteile einer Genossenschaft mit den Methoden des Crowdfunding zu verbinden:  Zwar ist Crowdenergy eine Energiegenossenschaft für Solaranlagen im klassischen Sinn, hat sich jedoch ins Internet verlagert. Via Crowdfunding kann jeder zum Solaranleger werden – ohne sich aus dem Sessel zu erheben. Statt Zinsen gibt es, wie bei einer Genossenschenschaft üblich, Dividende. Zusätzlich können auch soziale Projekte in Deutschland oder in Entwicklungsländern durch Spenden unterstützt werden. Die Plattform ist erfolgreich mit ihrem Konzept: schon jetzt kommen regelmäßig 20.000 und 70.000 Euro für den Bau von Photovoltaikanlagen zusammen.

Neu ist die gruppenweise Finanzierung von Sonnenstrom allerdings nicht. Die Startups Solar Gardens und Mosaic schieben schon einige Jahre Community-Energie-Projekte in den USA an. Die wachsende Zahl an Energiegenossenschaften und Crowdfunding-Portalen stimmt vor allem in Zeiten hoffnungsvoll, in denen die  staatliche Solarförderung zurückgefahren wird – wie aktuell in den USA und Deutschland. Und: insbesondere Crowdenergy und Co. sind gute Beispiele, wie Informationstechnik dabei helfen kann, erneuerbare Energien voranzubringen und Ressourcen besser zu nutzen.

All jenen, die eine Energiewende unterstützen wollen, sei auch unser Spendenprojekt Mobisol – Solarenergie via SMS empfohlen. Mit der Kombination von einfachen Solaranlagen mit innovativer Technologie bringt Mobisol erneuerbare Energie in Afrikas Dörfer.

Die Energiewende – kann sie gelingen?

Die Energiewende ist in aller Munde. Sie scheint ein Allheilmittel für eine zukunftsfähige Welt zu sein, aber auch permanentes Streitthema. Sie soll vom Atom unabhängig machen, den Klimawandel stoppen helfen - und ist angeblich unbezahlbar. Stimmt das? Was genau ist diese Energiewende eigentlich?

Erneuerbare Energien – klimafreundlich und zukunftsfähig

In Anpassung an sich verändernde Gegebenheiten und Anforderungen hat die Menschheit der westlichen Welt schon mehrfach ihre Energiequellen gewechselt. Vom Holz bis hinein ins 18. Jahrhundert zur Kohle während der Industrialisierung bis hin zu Öl und Gas im 20. Jahrhundert. Die Frage ist nun, wie schnell wir den Sprung ins Zeitalter erneuerbarer Energien schaffen.