Die letzten Berggorillas der Welt – insgesamt gibt es nur noch etwa 1.000 von ihnen – leben in einem der gefährlichsten Naturschutzgebiete unserer Erde. Die Greater Virunga Landscape erstreckt sich über die Grenzen von Ruanda, Uganda und der Demokratischen Republik Kongo. Sie wird regelmäßig von bewaffneten Konflikten heimgesucht, ist immer wieder das Ziel von Wilderern und gerät zunehmend unter Druck durch eine wachsende Bevölkerung, die nach Land und Ressourcen hungert. Dass die Zahl der Berggorillas in den letzten Jahren dennoch von 480 im Jahr 2010 auf heute 1.063 gestiegen ist, ist angesichts dieser Probleme bemerkenswert.
Einer der Gründe dafür ist ein Zusammenschluss aus Wildhüter:innen, Wissenschaftler:innen und Behörden. Dabei spielt Technologie eine immer wichtigere unterstützende Rolle. Seit über einem Jahrzehnt leisten zwei digitale Tools im Hintergrund den Naturschutzbemühungen vor Ort einen unermüdlichen Dienst: SMART (Spatial Monitoring and Reporting Tool) und EarthRanger. Nun haben sich beide zusammengeschlossen.
Eine neue Allianz für Naturschutztechnologie
SMART ist ein Werkzeug für Ranger:innen im Großraum Virunga, das sich schon seit längerer Zeit bewährt. Die Plattform ermöglicht es den Teams vor Ort, alles von Wildtierbeobachtungen bis hin zu Beweisen für Wilderei zu protokollieren. Anschließend werden die Daten in Echtzeit an eine zentrale Datenbank übermittelt. SMART erstellt anschließend Karten, plant Patrouillenrouten und hilft den Verantwortlichen bei der Entscheidung, wo die begrenzten Ressourcen in einem 777 Quadratkilometer großen Lebensraum eingesetzt werden sollen. Seit seiner Einführung im Jahr 2012 wurde es an über 1.000 Standorten in 70 Ländern eingesetzt.
Die Anwendung EarthRanger, entwickelt von Vulcan Inc., verfolgt einen ergänzenden Ansatz. Sie bietet Situationsbewusstsein in Echtzeit durch die Live-Verfolgung von Rangern und Tieren. Dabei erstellt sie dynamische Dashboards, um Einsatzzentralen dabei zu helfen, schneller auf aufkommende Bedrohungen zu reagieren.
Zusammen vereinen die beiden Plattformen im Rahmen der neu gegründeten SMART EarthRanger Conservation Alliance (SERCA) neun führende Naturschutzorganisation. Das kombinierte System ist bereits an mehr als 2.500 Standorten in über 100 Ländern im Einsatz und hat das Potenzial, mehr als 100.000 Naturschützer:innen bei ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen.
Ziel der Partnerschaft ist es, die Fragmentierung zu beenden, unter der Naturschutztechnologien seit langem leiden. Die Teams vor Ort erhalten eine bessere Software und eine bessere, vernetzte Unterstützung, anstatt sich allein durch unzusammenhängende Systeme kämpfen zu müssen.
Warum das vor Ort wichtig ist
Die Herausforderungen beim Schutz der Berggorillas zeigen, warum eine derartige Integration wichtig ist. Die Ranger:innen, die in der gesamten Virunga-Region im Einsatz sind, sind überlastet, verfügen nur über begrenzte Ressourcen und müssen riesige, dicht bewaldete Gebiete überwachen. Vielen fehlt dabei der Zugang zu geeigneten Geräten für die Datenerfassung, und die Schulung im Umgang mit digitalen Werkzeugen ist nach wie vor lückenhaft, insbesondere auf Führungsebene.
Zu diesen schwierigen Arbeitsbedingungen kommt hinzu, dass im letzten Jahrhundert über 200 Ranger:innen von mutmaßlichen Wilderern getötet wurden, die auf der Suche nach wertvollem Buschfleisch waren.
„Es gibt eine Kapazitätslücke, die bei der Datenanalyse geschlossen werden muss“, sagt Eustrate Uzabaho vom International Gorilla Conservation Programme (IGCP). Dabei weist Uzabaho auf einen Mangel an Personal hin, das versteht, wie Rohdaten aus dem Feld in politische Veränderungen umgesetzt werden können.
SERCA zielt darauf ab, diese Lücke zu schließen. Dafür bündelt es die Ressourcen und das Fachwissen der dahinterstehenden Organisationen. Naturschutzteams ermöglicht dies einen Zugang zu Werkzeugen und Schulungen an einem der gefährdetsten Standorte der Welt.
Eine zerbrechliche Erholung
Ein unbestreitbarer Meilenstein war die Herabstufung der Gorillas von „vom Aussterben bedroht“ auf „stark gefährdet“ im Jahr 2018. Mit etwas mehr als 1.000 Tieren ist der Bestand allerdings nach wie vor gefährlich klein. Und die Bedrohungen sind keineswegs verschwunden.
In der Biologie der Gorillas zählt jedes einzelne Tier. Weibchen werden erst im Alter von acht bis zehn Jahren geschlechtsreif und bringen dann nur alle vier bis sechs Jahre ein Junges zur Welt. Die Erholung der Population verläuft quälend langsam, und Verluste sind, wenn sie eintreten, schwer zu verkraften.
Hochwertigere, besser koordinierte Daten werden die politischen und logistischen Herausforderungen des Artenschutzes über drei nationale Zuständigkeitsbereiche hinweg nicht lösen. Was sie jedoch leisten können, ist, die Reaktion zu schärfen, wenn Bedrohungen auftreten.
Wie Uzabaho es formuliert: „Mit der Einführung neuer Instrumente sind die Ranger die ersten, die Veränderungen wahrnehmen, deren Auswirkungen einschätzen und sich an neue Herausforderungen anpassen.“ Die Frage ist nun, ob SERCA sicherstellen kann, dass diese Instrumente wirklich für jeden Ranger an jedem Standort, der sie benötigt, verfügbar sind.


