Deutschlands wilde Wölfe

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Es gibt sie wieder: Freilebende Wölfe in Deutschland. 1998 beobachteten Revierförster auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in Sachsen zwei Wölfe. Im Jahr 2000 wurden erstmals wieder Wolfswelpen in Freiheit geboren. In der sächsischen und brandenburgischen Lausitz sind im Jahr 2010 sechs Wolfsfamilien und zwei Wolfspaare sicher nachgewiesen. Einige Einzelwölfe durchwandern Deutschland. Hier berichtet Dir der Nabu mehr über den seltenen Räuber.

Autor Rima Hanano, 18.06.09

Die Rückkehr des Wolfes – 150 Jahre nach seiner Ausrottung – ist ein erster Erfolg für den Artenschutz in Deutschland. In Sachsen leben sechs Wolfsrudel mit drei bis sechs Welpen pro Familie. Sie nutzen ein etwa 1500 Quadratkilometer großes Gebiet im sächsischen Nordosten. Unmittelbar anschließend, im äußersten Südosten Brandenburgs lebt seit 2007 das Zschornoer Paar, das bisher noch keinen Nachwuchs aufzog. Einzelwölfe sind gegenwärtig im Reinhardswald/Solling, in der Prignitz, im westlichen Mecklenburg und in Vorpommern nachgewiesen. Diese Tiere leben vermutlich ohne Partner, halten sich jedoch ständig in einem Gebiet auf.

Schon gewusst?

Bild: Colourbox.com

Woher kommen die Wölfe?
Die Lausitzer Wölfe sind polnische Wölfe – dies haben genetische Untersuchungen von Kotproben bewiesen. Sie sind ohne menschliche Hilfe zu uns zurückgekehrt und werden nicht aktiv wiederangesiedelt.

Wie leben die Wölfe?
Rudel gleich Familie – so lässt sich das Ergebnis der letzten 30 Jahre weltweiter Freilandforschung an Wölfen zusammenfassen. Das Wolfsrudel ist gut vergleichbar mit unseren Kleinfamilien: Mutter und Vater Wolf verteidigen ein Territorium, um darin ihren Nachwuchs aufzuziehen. Die „Kinder“ bleiben so lange bei den Eltern, bis sie selber (meist mit knapp 2 Jahren) geschlechtsreif werden, und sich einen eigenen Partner und ein eigenes Territorium suchen. Da die Welpen schon mit 8 Monaten körperlich fast ausgewachsen sind, kann eine Wolfsfamilie im Winter als Gruppe mit vielen großen Tieren beeindrucken. Tatsächlich jedoch handelt es sich um die Elterntiere, die Welpen und die Geschwister des Vorjahres.
Eine rudelinterne Rangordnung, innerhalb derer darum konkurriert wird, wer sich fortpflanzen darf und wer nicht, gibt es in frei lebenden Wolfsrudeln ebenso wenig wie in einer menschlichen Kleinfamilie. Hier wie dort stellen die Eltern natürliche Autoritäten dar, die ihre Nachkommen führen und erforderlichenfalls zurechtweisen. Eine Hierarchie mit „Alpha“-, „Beta“- und „Omega“- Wölfen wird oft in Gefangenschaft ausgebildet, wo meistens Geschwistergruppen gezwungen werden, auch nach der Geschlechtsreife zusammenzuleben.

Wolfs-Kommunikation
Wölfe kommunizieren durch eine intensive Körpersprache miteinander. Schwanzhaltung, Stellung der Ohren, Blickkontakt und der gesamte Körper werden als Zeichen von Beschwichtigung, Dominanz, Spielaufforderung und vielem mehr eingesetzt. Verbale Kommunikationsmittel sind neben dem berühmten Heulen auch das Winseln, Knurren oder Bellen.
Interessant: Das simulierte Heulen wird heute als Forschungsmethode genutzt, um Wolfspopulationen zu schätzen.

Heulen Wölfe den Mond an?
Nein. Wölfe heulen aus verschiedensten Gründen: Wenn sie sich zur Jagd sammeln,wenn sie fremden Wölfen signalisieren wollen, dass sie ein großes Rudel sind und ihr Territorium verteidigen werden oder wenn sie Kontakt zu anderen Wölfen des Rudels bzw. einem Geschlechtspartner aufnehmen wollen; sie antworten sogar auf Polizeisirenen. Aber den Mond heulen sie nicht an.

Wolfs- Hunger
Wölfe müssen jagen, um zu überleben. Sie durchstreifen ihr Territorium auf der Suche nach großen Huftieren, ihrer bevorzugten Beute. Die eigentliche Jagd erfolgt meist durch eine kurze, intensive Hatz. Dabei sind sie nicht immer erfolgreich. Besonders kräftige Beutetiere, wie Hirsche oder Elche, stellen sich nicht selten den Wölfen und können mit ihren scharfkantigen Hufen und dem spitzen Geweih ein ganzes Rudel in die Flucht treiben.

Der Wolf – Konkurrent der Jäger?

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Abdruck einer Wolfspfote,  © NABU

Die hohen Wildbestände in Sachsen und Brandenburg bieten den Wölfen eine günstige Nahrungsgrundlage,aber auch außerhalb des Truppenübungsplatzes Oberlausitz sind geeignete Lebensräume vorhanden.

Die Anwesenheit der Wölfe beeinflusst sicherlich das Verhalten des Wildes. Es wird unsteter und damit für den Jäger weniger kalkulierbar. Für einen Jäger, der seit 20 Jahren gewohnt ist, das Wild immer zur gleichen Zeit an einer bestimmten Stelle anzutreffen, stellt das eine neue Situation dar.

Die meisten Jäger reagieren vernünftig, insbesondere jene, die nicht nur aus kommerziellen Gründen jagen und denen das Wild und der Wald gleichermaßen am Herzen liegen. Der Deutsche Jagdschutz-Verband hat die Rückkehr der Wölfe begrüßt, und große Teile der Jägerschaft in den Wolfsgebieten beteiligen sich aktiv am Wolfsmanagement.

Wölfe und Menschen

Wölfe sind sehr vorsichtig und scheu. Sie meiden Menschen gewöhnlich, selbst Wissenschaftler, Förster und Jäger bekommen sie nur selten zu Gesicht. Da Wölfe bei ihrer Nahrungssuche nicht zwischen Nutztieren und Wildtieren unterscheiden, kann es vorkommen, dass ein Wolf z. B. Schafe reißt. Um dies zu verhindern,´reichen in aller Regel Elektrozäune oder Herdenschutzhunde aus. Wird trotzdem ein Schaf gerissen, so muss der wirtschaftliche Schaden erstattet werden.

Was tun, wenn ich einem Wolf begegne?

Überaus selten bekommen Spaziergänger einen Wolf aus der Nähe zu Gesicht. Wenn es doch einmal dazu kommt:

• Nicht weglaufen. Stehen bleiben und beobachten.
• Nicht versuchen, den Wolf anzufassen.
• Wölfe niemals füttern!
• Man kann einen Wolf leicht vertreiben, indem man ihn laut anspricht, in die Hände klatscht und mit den Armen winkt.
• Wenn man den Abstand vergrößern möchte, sollte man sich langsam zurückziehen.

Bitte melden Sie jede Sichtung eines Wolfes: Kontakt über www.NABU.de

Quellen und Links

  • Beim Nabu
  • Mehr Informationen zur Wolfsregion Lausitz
  • Oder bei den „Wolfsrettern“ der WWF Jugend
  • Der Wolf – Ein Raubtier in unserer Nähe, Hansjakob Baumgartner, Sandra Gloor, Jean-Marc Weber, Peter A. Dettling

Autor: NABU – Naturschutzbund Deutschland e.V.

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