Desolenator: Sicheres und bezahlbares Trinkwasser aus der Kraft der Sonne

Desolenatoren sind mobile Entsalzungsgeräte, die zu 100 Prozent aus Solarenergie betrieben werden.

Wie wäre es, wenn Wasser – egal welchen Ursprungs – einfach durch die Kraft der Sonne zu sauberem und sicherem Trinkwasser verwandelt werden könnte?

Autor Ana Galán Herranz, 28.03.18

Vor ein paar Tagen, am 22. März, war Weltwassertag. Ein Tag, den wir zum Anlass nehmen, uns einmal mehr der Bedeutung von Wasser zuzuwenden und zu thematisieren, wie Überschwemmungen, Dürren und die Kontamination von Trinkwasser verringert werden können. Denn während bereits jetzt mehr als 2,1 Milliarden Menschen in ihrem Zuhause keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, zeichnet sich ab, dass die Situation in der Zukunft noch schwieriger werden könnte. Durch die Folgen des Klimawandels wird Wasser zur immer kostbareren Ressource: Prognosen der Vereinten Nationen zufolge wird bis zum Jahr 2025 etwa die Hälfte der Bevölkerung in Regionen leben, in denen der Zugang zu Wasser eine Herausforderung darstellen wird.

Eine der Lösungen, um ungenießbares Wasser trinkbar zu machen, ist die Entsalzung von salzigem Grund- und Meerwasser. Doch Entsalzungsanlagen fordern eine Menge Energie, die zudem bisher vor allem aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird. Durch den großen Ausstoß von klimaaktiven Treibhausgasen tragen diese Anlagen in der Folge also eher zu dem Problem bei, welches sie eigentlich lösen sollen. Zusätzlich entstehen für die Entsalzung hohe Kosten, die sich auf den Kaufpreis des so gewonnenen Wasser niederschlagen und es in eine vergleichsweise kostbare Ware verwandeln.

William Janssen hat viele Jahre seiner Karriere in wasserarmen Regionen verbracht. Unter anderem lebte er in Abu Dhabi, wo bald die größte Entsalzungsanlage der Welt ihr zu Hause haben wird und wo fast das gesamte Trinkwasser auf diese Weise produziert wird. Dies löste bei ihm den Wunsch aus, einen nachhaltigeren Weg zur Trinkwassergewinnung zu finden. Was als Hobby-Projekt in seinem Wohnzimmer begann, wurde 2012 zum Prototyp des Desolenators.

Der Desolenator ist eine mobile, netzunabhängige Entsalzungsanlage, die mit einem Solarpanel versehen ist. Der Desolenator nutzt die Abwärme, die bei der Stromerzeugung durch das Solarpanel anfällt, um Wasser zu destillieren. Dabei ist es ganz egal, um was für Wasser es sich vorher handelte: Egal ob Regen-, Meer- oder Wasser aus dem Fluss – das Wasser ist nach der Destillation von Schadstoffen gereinigt und kann bedenklos getrunken werden. Die Solar-Entsalzungsanlage benötigt für ihre Arbeit keinerlei Filter, Membranen oder Chemikalien und kann pro Tag etwa 15 Liter destilliertes Wasser produzieren. Und das vollständig emissionsfrei.

Herkömmliche Solarkollektoren weisen lediglich eine Effizienz von 15 Prozent aus, der Rest der Sonnenenergie, die sie erhalten, geht Form von Wärme verloren. Der Desolenator verwendet hingegen ein patentiertes System, das diese „Abfall“-Wärmeenergie mit der gleichzeitig erzeugten elektrischen Energie kombiniert und das Wasser im Inneren des Apparats zum Kochen bringt. Der produzierte Wasserdampf wird dann in einem internen Wärmetauscher kondensiert. Das Ergebnis ist sauberes, sicheres Trinkwasser. Jegliche verbleibende Wärme wird in einem kontinuierlichen Kreislauf in das System zurückgespeist und für die fortlaufende Destillation eingesetzt.

Janssen hofft, dass sein Desolenator Menschen helfen wird, an Orten mit extremer Wasserknappheit oder starker Wasserverschmutzung zu leben. Das Gerät könnte aber auch in Ländern eingesetzt werden, in denen nicht genügend Geld für den Bau von Entsalzungsanlagen zur Verfügung steht oder an entlegenen Orten, an denen es überhaupt kein anderes Trinkwasser gibt. „Andere Geräte produzieren mehr Wasser, aber sie sind deutlich teurer, und sie erfordern einiges an Wartung und Verbrauchsmaterialien“, sagte Janssen gegenüber Fastcompany.

Laut Unternehmen hat das Gerät eine Lebensdauer von 20 Jahren und benötigt nur minimale Wartungen. Es enthält außerdem einen Miniatur-Computer, der Mikrobezahlungen pro Benutzung ermöglicht und für die Fernüberwachung sowie die Datenanalyse einsetzbar ist.

Mit Sitz in London und den Niederlanden hat Desolenator bereits eine Reihe von Auszeichnungen erhalten und erhielt Investitionen von mehreren Unternehmen. Gegenwärtig werden voraussichtlich drei Arten von Desolenatoren hergestellt: ein tragbares, ein Haushalts- und ein Gemeinschaftsmodell.

Die Technologie des solaren Entsalzers könnte einen wirklich nachhaltigen Weg bieten, um auf die wachsende globale Wasserkrise zu reagieren, in der immer mehr Menschen nicht mehr auf lokale Quellen oder ein nationales Wassernetz zurückgreifen können. Hoffnung gibt auch, dass der Desolenator Teil einer größeren technischen Bewegung ist, die erneuerbare Energien und Wasserversorgung in einem komplett nachhaltigen System kombinieren. Andere bereits erfolgreiche Beispiele sind solarbetriebene Bewässerungssysteme und ein Gerät, das Wasser mittels Solardesinfektion reinigt und eigenständig mitteilt, wann es sicher ist, es zu trinken.

Dieser Artikel ist eine Übersetzung von Laura Wagener und erschien im Original auf unserer englischsprachigen Seite.

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