Der Tag danach: Wie unerwünschte Weihnachtsgeschenke Nutzen stiften

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Quelle: colourbox.com

Nicht immer sorgen Geschenke unter dem Weihnachtsbaum für Begeisterung: Der Schal kratzt, die CD steht schon im Regal, das Parfum duftet allzu lieblich. Was tun? Glaubt man einer Befragung der Shopping-Suchmaschine twenga.de, wirft dann immerhin jeder zwanzigste Deutsche das Geschenk einfach weg – obwohl es längst bessere und „grünere“ Möglichkeiten gibt: Zum Beispiel virtuelle Marktplätze, Tauschbörsen im Internet oder Tauschringe in der eigenen Stadt oder Gemeinde.

Autor Uta Mühleis, 26.12.10

Wer Präsente dort tauscht oder verkauft, streicht nicht nur ein besser passendes Produkt oder den Verkaufserlös ein. In der Regel tut er auch der Umwelt etwas Gutes, weil er die Nachfrage nach zusätzlich produzierter Ware senkt. Kunden des Online-Marktplatzes eBay erzielten laut einer Studie des Berliner Instituts für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT) durch den Gebrauchtwarenverkauf schon erhebliche Umweltentlastungen.

Die IZT-Forscher untersuchten den über eBay abgewickelten Online-Gebrauchtwarenhandel und kamen unter anderem zu dem Schluss, dass dieser in der Summe zu weniger Neukäufen und damit zu „positiven ökologischen Effekten“ führen könne. Bei einer Umfrage unter 6.700 eBay-Kunden gaben 25 Prozent der Befragten an, dass sie ohne die Handels- und Auktionsplattform kein gebrauchtes, sondern ein neues Notebook gekauft hätten. Durch die Möglichkeiten, die der  Online-Marktplatz biete, so Studienkoordinator Siegfried Behrendt, habe sich das Verhalten vieler Konsumenten bereits „messbar verändert“. Wegwerfen sei für viele Menschen keine Option mehr. Dies biete eine große Chance zur Entlastung der Umwelt.

Dass IZT hat außerdem herausgefunden, dass jeder deutsche Haushalt im Schnitt ungenutzte Produkte im Wert von 1.000 Euro hortet. Wer sie nicht zu Geld machen, sondern gegen andere Waren eintauschen will, kann Angebote wie etwa netcycler.de nutzen. Anders als auf eBay werden Produkte hier nicht verkauft, sondern getauscht. Die Betreiber der im Oktober gestarteten Tauschbörse wollen über ihr Online-Angebot nachhaltigere Lebensstile unterstützen und die Lebensdauer gebrauchter Gegenstände verlängern helfen. Wer will, kann auf der Website nach einer Registrierung unpassende Geschenke oder nicht mehr gebrauchte Produkte eintragen, veröffentlichen und im Anschluss nach Dingen stöbern, die andere Tauschwillige anbieten. Ist darunter etwas, das gefällt, kann dem jeweiligen Besitzer ein Tauschangebot unterbreitet werden.

Inzwischen tummeln sich eine ganze Reihe ähnlicher Anbieter im Netz, darunter beispielsweise  viswapi.de. Über schlechte Erfahrungen mit ihnen ist zumindest der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen nichts bekannt. Die Verbraucherschützer empfehlen dennoch, jede kostenpflichtige Tauschbörsen vorab eingehend zu prüfen und Vorsicht walten zu lassen. Wem das zu umständlich ist, dem bieten sich Tauschringe im realen Leben an, die es seit Jahren in vielen Dörfern, Städten oder Gemeinden gibt. Wo und wann sie stattfinden, lässt sich unter anderem über die Website tauschring.de in Erfahrung bringen. Sie listet über 220 Adressen aus dem ganzen Bundesgebiet und verweist auf mehr oder weniger regelmäßig stattfindende Tauschtreffen.

Noch nicht durchsetzen konnte sich in Deutschland offenbar das Spenden ungewollter Präsente an Wohltätigkeitsorganisationen. Laut Shopping-Suchmaschine twenga.de kommt das nur für sechs Prozent der befragten Deutschen in Frage. In Großbritannien sei es dagegen fast für jeden Dritten eine Option. Beliebter ist hierzulande der Umtausch von Waren – der allerdings zügig stattfinden muss: Ein 14-tägiges Rückgaberecht hat laut Verbaucherzentrale Nordrhein-Westfalen nur, wer seine Geschenke im Online- oder Versandhandel gekauft hat. Im stationären Fachhandel gibt es eine solche Frist nicht, umgetauscht wird dort auf Basis reiner Kulanz. Ein Recht auf Barauszahlung besteht nicht, auch Gutscheine müssen akzeptiert werden.

Quelle: Rat für Nachhaltige Entwicklung

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