Der Klimawandel wird aus US-Nationalparks verbannt. „Save our Signs“ setzt auf Crowdsourcing gegen das Vergessen

Unter Trumps Regierung werden in Nationalparks Schilder und Ausstellungen entfernt, die auf den Klimawandel, Umweltschutz oder Ungleichheiten hinweisen. Die Initiative "Save our Signs" archiviert sie im digitalen Raum.

Autor*in Sarah-Indra Jungblut, 16.02.26

Übersetzung Kezia Rice:

Vor kurzem wurden eine Tafel und drei Schilder im Fort Sumter and Fort Moultrie National Historical Park in South Carolina entfernt. Darauf zu lesen war, wie der durch den Klimawandel verursachte Anstieg des Meeresspiegels die historische Stätte des Bürgerkriegs bedroht. Außerdem wurden darauf die Besucher:innen ermutigt, Plastikmüll zu reduzieren.

In Maine wurden mindestens 10 Schilder im Acadia National Park abgenommen. Sie forderten die Wandernden unter anderem auf, nicht die Wege zu verlassen, um empfindliche Ökosysteme zu schützen. Und sie erklärten die Bedeutung des Gebiets für das Volk der Wabanaki.

Und in Pennsylvania haben Arbeiter:innen eine Ausstellung außerhalb des Independence National Historical Park in Philadelphia mit dem Titel „Freedom and Slavery in the Making of a New Nation” abgebaut.

In den amerikanischen Nationalparks verschwinden systematisch Gedenktafeln und Ausstellungsstücke, die die Komplexität der Menschheitsgeschichte und unbequeme Realitäten hervorheben – von der Sklaverei bis zum Klimawandel. Das Ganze passiert auf den ausdrücklichen Wunsch von Mr. Trump. Der US-Präsident hat im März letzten Jahres eine Exekutive-Order erlassenen, die darauf abzielt, „die Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichte wiederherzustellen“. Die Verordnung behauptet, es habe „konzertierte und weit verbreitete Bemühungen gegeben, die Geschichte unserer Nation umzuschreiben“. Und sie wirft Museen und Parks vor, eine „revisionistische Bewegung“ zu fördern, die die Gründungsprinzipien Amerikas in ein negatives Licht rückt. Also runter mit allen unbequemen Hinweisen.

Nun wird diese Anweisung im ganzen Land umgesetzt. Trump-Beamte wiesen ihre Mitarbeiter:innen an, Schilder und andere Informationsmaterialien in mindestens 17 weiteren Parks in Arizona, Texas, Colorado, Utah, Montana und Wyoming zu entfernen oder zu bearbeiten. Dies geht aus Dokumenten hervor, die von der Washington Post geprüft wurden.

Die Informationslücke wächst

Was hier passiert, ist gruselig. Die Gestaltung öffentlicher Räume und der Umgang mit Geschichte und der Umwelt wird dem Willen eines Machthabers unterworfen. Wie war das nochmal in George Orwell’s 1984? “The party told you to reject the evidence of your eyes and ears. It was their final, most essential command.”

Auch auf vielen weiteren Ebenen arbeitet die Trump-Regierung permanent daran, die Grenzen akzeptabler Sprache und Informationen einzuengen. Der Begriff „Klimawandel“ wurde zweimal aus den Websites der Regierung entfernt. Die Regierung hat wichtige Datensätze von öffentlichen Websites entfernt und Bundesbeamte entlassen, die mit der Erfassung und Analyse von Klima- und Gesundheitsdaten beauftragt waren. Damit geht Fachwissen verloren – und die Informationslücke wächst.

Filmmaterial und Fotos sind möglicherweise das letzte verbleibende Gegengewicht – zumindest hofft das Lena Bohman. Sie leitet die Crowdsourcing-Initiative „Save Our Signs“, um die Beschilderung in Nationalparks zu erhalten. Im digitalen Raum.

„Save Our Signs“: Crowdsourcing gegen das kollektive Vergessen

SOS ist eine Gemeinschaftsinitiative, die von einer Gruppe von Bibliothekar:innen, Historiker:innen und Datenexpert:innen in Zusammenarbeit mit dem Data Rescue Project und Safeguarding Research & Culture gegründet wurde. Ihr Sitz ist an der University of Minnesota. Seit letztem Herbst fordert die Initiative die Öffentlichkeit dazu auf, Fotos von Schildern in Nationalparks an die von der Initiative gepflegte Datenbank zu senden. Bisher konnten so schon mehr als 10.000 Fotos von 300 Standorten archiviert werden.

Hinter vielen der entfernten Schilder steckt eine Menge Arbeit. Sie wurden von Wissenschaftler:innen in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern erstellt. Die entfernten Schilder in Fort Sumter sind beispielsweise zusammen mit Universitätsforschenden im Jahr 2016 entstanden, die die potenziellen Auswirkungen des Klimawandels auf den Standort gemessen hatten.

Das größte Freiluftklassenzimmer zieht in den digitalen Raum

Die über 400 Nationalparks haben bisher als eine Art großes Freiluftklassenzimmer einen Bildungsauftrag erfüllt. Erleben kann man sie noch immer. Doch die Erinnerung an eine wenig glorreiche Vergangenheit und Herausforderungen der Gegenwart spielen mit jedem Verschwinden eines Schildes oder einer Ausstellung eine immer geringere Rolle. Und auch ihre ursprüngliche Funktion – den Naturschutz – drohen die Parks zu verlieren. In der zweiten Amtszeit von Donald Trump wurden auf Anregung des von ihm neu gegründeten Department of Government Efficiency rund 1.000 Park-Mitarbeiter:innen entlassen. Im Yosemite-Nationalpark hat der Personalmangel bereits zu Chaos geführt. Die Eingänge seien oft unbesetzt, weil Ranger fehlen. Außerdem bliebe ohne Aufsicht Müll liegen, Drohnen flögen, Autos parkten auf sensiblen Wiesen und es gäbe verbotene Fallschirm-Sprünge von Felsen, wie der Merkur berichtet.

Bleibt zu hoffen, dass auch diese Zeiten vorbeigehen. Und sollte sich der Wind wieder drehen, lässt sich mit dem Bilder-Archiv von SOS immerhin schnell wieder an den alten Bildungsauftrag anknüpfen. Bis dahin bleiben die Schilder digital abrufbar. Sämtliche Fotos stehen im Archiv von SOS der Öffentlichkeit zur Verfügung und können frei verwendet werden.

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