Den „Blauen Engel“ gibt es nun auch für Software, Server und Rechenzentren

Es tut sich was in Sachen Nachhaltigkeit im Hard- und Softwarebereich: Das Umweltabzeichen des Umweltministeriums hat seine Palette erweitert und drei digitale Produktgruppen aufgenommen. Ab sofort können Softwareprodukte, Server und Datenspeicherprodukte sowie klimaschonende Rechenzentren zertifiziert werden.

Autor Jasmina Schmidt, 18.02.20

Gesehen haben wir in wahrscheinlich schon alle: den blauen Engel auf weißem Grund. Er ziert vor allem Papierprodukte, aber auch das ein oder andere Elektrogerät oder Putzmittel. Der Blaue Engel ist das wohl bekannteste Umwelt-Label in Deutschland und wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) vergeben. Jetzt gibt es das Umweltabzeichen auch für Kaminöfen, ressourcen- und energieeffiziente Softwareprodukte, Server und Datenspeicherprodukte sowie klimaschonende Co-Location-Rechenzentren. Es tut sich also etwas im Hard- und Softwarebereich beim Thema Nachhaltigkeit – oder zumindest wird es leichter, nachhaltigere Entscheidungen zu treffen.

Das Umweltbundesamt erarbeitet für die Produktgruppen des Blauen Engels zunächst die fachlichen Kriterien, eine Jury aus verschiedenen Verbänden und Organisationen entscheidet dann über die erarbeiteten Kriterien. Eine unabhängige Organisation überprüft dann die Einhaltung der Kriterien seitens der Unternehmen, die ihre Produkte vorschlagen können. Im Gegensatz zu vielen anderen Labels ist der Blaue Engel also relativ unabhängig mit konkreten, vielseitig abgestimmten Kriterien. Über 120 verschiedene Produktgruppen können mit dem Label ausgezeichnet werden. Es steht für Produkte, die vergleichsweise umweltverträglich sind – also nicht für umweltschonende Produktion oder Eigenschaften per se, sondern im Vergleich zu ähnlichen Produkten.

Der Blaue Engel im Bereich Softwareprodukte kennzeichnet Produkte, die sparsam mit Energie und den Ressourcen von Hardware umgehen und so eine längere Nutzungsdauer der Hardware ermöglichen. Denn auch die Software beeinflusst, wie viel Energie die Hardware, also zum Beispiel ein Smartphone, verbraucht. Das Abzeichen für Server und Datenspeicherprodukte greift den steigenden Bedarf an zentraler Verarbeitung und Speicherung von Daten auf. Diese Techniken sind für ihren hohen Energieverbrauch bekannt. Alleine das weltweite Abspielen von YouTube-Videos im Jahr 2016 verursachte etwa zehn Millionen Tonnen CO2-Äquivalente – etwa der Energieverbrauch einer Stadt in der Größe von Stuttgart. Diese CO2-Emissionen resultieren aus dem Strombedarf von Servern und Netzwerkgeräten, die täglich etwa eine Milliarde Stunden YouTube-Videos auf Benutzergeräte streamen. Im Falle des neuen Umweltabzeichens stellt der Blaue Engel hohe Mindestanforderungen an die Energie- und Materialeffizienz sowie die Langlebigkeit von Servern, Datenspeicherprodukten und Netzteilen sowie die Schadstofffreiheit von Kunststoffmaterialien. Das Abzeichen für klimaschonende Co-Location-Rechenzentren ergänzt das bereits bestehenden Umweltzeichen „Energieeffizienter Rechenzentrumsbetrieb“. Das neue Abzeichen umfasst gezielt nur die Gebäudetechnik und die Bereiche, auf die ein Co-Location-Anbieter Einfluss hat.

Streamen von Videos und Musik, E-Mailverkehr, Suchanfragen – dass unser Konsum an digitalen Anwendungen die weltweiten CO2-Emissionen ankurbelt, ist mittlerweile bei einem Großteil der Bevölkerung angekommen. Der Blaue Engel für digitale Produktgruppen ist eine Unterstützung für all jene, die auch im diesem Bereich auf Nachhaltigkeit setzen – und ein wichtiger Schritt, der das Bewusstsein von Verbraucher*innen und Hersteller*innen schärft. Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Im Moment werden nur Desktop-Anwendungen ausgezeichnet – wo doch mobile Geräte viel mehr genutzt werden.

Du willst mehr über die Vergabekriterien des Blauen Engels erfahren? In diesem Talk berichten Marina Köhn (Umweltbundesamt) und Dr. Eva Kern (Umwelt-Campus Birkenfeld) aus dem Forschungsprojekt des Umweltbundesamt (UBA), auf dessen Basis das Umweltzeichen für Software entwickelt wurde. Hier geht‘s zum Stream.

P.S.: Es gibt die Möglichkeit, statt Ton und Bild abzuspielen und die Auflösung zu reduzieren das spart Ressourcen!

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