Dein täglicher Wasserverbrauch: Der Wasser-Fußabdruck

Dass wir Wasser nicht nur verbrauchen, wenn wir den Wasserhahn aufdrehen, Wäsche waschen oder die Klospülung bedienen, ist nichts Neues. Hinter den Produkten unseres täglichen Bedarfs verbergen sich schier ungeahnte Wasserfluten. Wie du nicht nur den direkten sondern auch den indirekten Wasserverbrauch reduzieren kannst, erfährst du hier.

Autor Rima Hanano, 09.04.13

Der Begriff „virtuelles Wasser“ beschreibt, welche Menge Wasser in einem Produkt steckt und zu dessen Herstellung verbraucht wurde oder in einer Dienstleistung enthalten ist. Das Konzept wurde von dem britischen Geografen John Anthony Allan in den frühen 1990er Jahren entwickelt, der für seine Leistung 2008 den „Stockholmer Wasserpreis“ des Stockholm International Water Institute erhielt. Weiterentwickelt wurde das Konzept vom Wissenschaftler Arjen Y. Hoekstra, der den Wasser-Fußabdruck entwickelte.

Der Wasser-Fußabdruck ist ein Indikator für das Wasser, welches wir zum Beispiel durch unseren alltäglichen Konsum von Kaffee, Kartoffeln, Fleisch, Milch, Papier oder Kleidung verbrauchen. Hinter den Produkten unseres täglichen Bedarfs verbergen sich so ungeahnte Wasserfluten.

10 Liter Wasser für ein Blatt Papier

Der individuelle direkte Wasserverbrauch in Deutschland liegt bei durchschnittlich etwa 120 Liter reinsten Trinkwassers pro Tag für Waschen, Putzen, Kochen usw. Allein 27 Prozent davon ver(sch)wendet eine einzelne Person in Deutschland täglich im Durchschnitt für die Toilettenspülung. Schon die durchschnittliche Menge einer Toilettenspülung übertrifft den täglichen Tagesverbrauch an Trinkwasser eines Menschen in einem Entwicklungsland, wo sauberes Wasser ein Luxusgut und nicht für jeden verfügbar ist.

Mehr zum Thema Wasserknappheit kannst du in unserem Artikel Mangelware Wasser nachlesen.

Unser indirekter Wasserverbrauch, also die tatsächliche Menge an Wasser, die wir durch den Konsum von Produkten alltäglich verbrauchen, ist allerdings sehr viel höher. Insgesamt liegt der tägliche Wasser-Fußabdruck – also sowohl direkter als auch indirekter Wasserkonsum – in Deutschland bei mehr als 3.900 Liter pro Person.

Denn schon allein für die Produktion eines DIN A4-Blattes werden 10 Liter Wasser verbraucht. Eine Tasse Kaffee verschlingt 140, ein Frühstücksei gleich 200 und hinter einem Kilogramm Fleisch verbergen sich bis zu 15.000 Liter Wasser. Damit sind Vegetarier echte Wasserparer! Für die Produktion eines Neuwagens werden gar 400.000 Liter verbraucht. Weitere Zahlen zum virtuellen Wassergehalt verschiedener Lebensmittel und Produkte findest du hier und hier.

Bei diesen Zahlen gilt es jedoch zu berücksichtigen, dass es unmöglich ist, einen exakten Wert für den generellen Wasserverbrauch von Papier zu ermitteln, da jede Fabrik und jede Papiersorte unterschiedliche Produktionsstandards hat und damit die Verbrauchszahlen auch variieren (vgl. auch die Studie des Umweltbundesamts „Papier – Wald und Klima schützen„)

Tipps zum Wassersparen

Um den direkten Wasserverbrauch im Haushalt anzugehen, gibt es viele einfache Möglichkeiten. In unserem Artikel Bye bye, Badewanne findest du verschiedenste Tipps, von energiesparenden Spülmaschinen, die zugleich weniger Wasser verbrauchen als das Spülen mit der Hand, bis hin zum guten alten Zahnputzbecher, der laufendes Wasser unnötig macht. Weitere Tipps findest du auch in dieser Broschüre des BUND.

Der indirekte bzw. virtuelle Wasserverbrauch ist schwieriger nachzuvollziehen, das macht es auch weniger leicht, diesen zu beeinflussen. Hinweise auf versteckten Verbrauch geben zum Beispiel unterschiedliche Tools des Water Footprint Network. Mit diesen kann der Wasser-Fußabdruck für Einzelpersonen, Unternehmen und sogar ganze Nationen ermittelt werden.

Auch hinter vielen Kleidungsstücken verbirgt sich ein enormer Wasserverbrauch. So werden beispielsweise für die Herstellung einer Jeans 11.000 Liter Wasser pro Kilogramm benötigt. CottonConnect setzt sich für ein effizienteres Wassermanagement beim Baumwollanbau ein. Anhand von Fortbildungsprogrammen lernen Landwirte, ihren Wasserverbrauch deutlich zu senken. Mehr über ökologisch korrekte Mode erfährst du in unserem Artikel Grüne Mode – Schick mit gutem Gewissen.

Noch ein Tipp für künftige Kaufentscheidungen: Mit Tools wie dem Barcode-Scanner von barcoo fürs Smartphone kannst du den Wasser-Fußabdruck von Produkten praktisch und unterwegs vor dem Kauf erfahren und so zu einem bewussteren Umgang mit dem indirekten Wasserverbrauch beitragen.

Weiterführende Infos

  • Das Water Footprint Network informiert über die nachhaltige, faire und effiziente Nutzung von Wasser.

  • Weitere Informationen zum indirekten Wasserverbrauch und zur Wanderausstellung “Durstige Güter” sind unter www.virtuelles-wasser.de zu finden.

  • Sehr anschauliche Infografiken zu einem bewussteren Umgang mit virtuellem Wasser bietet www.thewaterweeat.com.

Zuletzt aktualisiert im August 2018 (RESET-Redaktion)

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