Datenverbrauch runter, Klimaschutz hoch – So geht nachhaltiges Streaming

Die Filme, Serien und Musik, die wir streamen, sind für den Bärenanteil der CO2-Emissionen der digitalen Welt verantwortlich – Tendenz leider steigend. Doch die Streaming-Emissionen lassen sich reduzieren. Hier erfährst du wie.

Autor*in Sarah-Indra Jungblut, 21.07.25

Übersetzung Kezia Rice:

Werden alle On-Demand-Streaming-Anbieter und YouTube miteinbezogen, verursacht Streaming schätzungsweise 50 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente im Jahr – mindestens.

Zum Vergleich: Damit könnte man 50 Millionen mal mit einem Mittelklasse-Benziner von Hamburg nach Nigeria fahren (ein Weg entspricht einer Tonne CO2-Äqivalente) oder mit dem Zug 25 Millionen mal um die Welt (mit dem geschätzten Wert von zwei Tonnen CO2 für 80.000 Kilometer, vgl. UBA). Noch nicht einberechnet sind hier Musikstreaming, kostenfreies Film-Streaming und alle anderen Bewegtbilder, die über unsere Bildschirme flimmern.

Diesen Berechnungen liegt die „optimistische“ Zahl von 55 Gramm an CO2-Äquivalenten pro Stunde Videostreaming zugrunde, die in einer Studie von Carbon Trust ermittelt wurde. Eine Studie des Borderstep Instituts kommt dagegen auf 100 bis 175 Gramm pro Stunde Videostreaming, andere Studien liegen sogar noch darüber. Die Unterschiede kommen einerseits durch unterschiedliche Methoden und Annahmen zustande. Andererseits fehlen uns noch viele Daten und in die Studien fließt eine große Portion Schätzungen ein. Dennoch ist die Richtung klar: Beim Streaming haben wir es mit enormen CO2-Emissionen zu tun.

In diesem Artikel zeigen wir, wo die CO2-Emissionen beim Streaming entstehen: CO2-Riese Streaming: Wir müssen wieder mehr über Netflix, Prime und Co. reden! Darin stellen wir auch verschiedene Stellschrauben vor, die Anbieter von Streaming-Angeboten und Netzwerk-Betreiber haben. Die Ansatzpunkte sind vielfältig.

Doch ausgeschöpft werden die Möglichkeiten des nachhaltigen Streamings auf Anbieterseite noch kaum. Und wenn wir auf „Play“ klicken, kommen die Inhalte eben nicht bereits im maximalen „Energiesparmodus“ bei uns an. Bis es soweit ist, müssen wir selbst an den Einstellungen drehen. Und auch sonst gibt es einiges, was wir tun können.

Am Anfang der Einsparungen stehen Endgeräte

  • Laut dem Leitfaden Green Streaming, den Fraunhofer FOKUS zusammen mit Autor:innen von LOGIC, der deutschen Telekom und KlimAktiv erstellt hat, ist der Energiebedarf eines Smart-TV mit HDR 20-Mal höher als der eines Smartphones. Daher gilt die Empfehlung, auf dem kleinstmöglichen und energieeffizientesten Gerät zu streamen.
  • Viele Geräte haben außerdem einen Energiesparmodus, den es sich zu nutzen lohnt.
  • Lange nutzen, reparieren, gebraucht kaufen: Damit zusammen hängt auch, die Geräte möglichst lange zu nutzen, da dadurch weniger Geräte hergestellt werden müssen.

Auflösung: Small is beautiful

Auch die Auflösung des Videos hat einen Einfluss auf den Energiebedarf und den CO2-Fußabdruck. Laut einer Studie der Bitkom benötigt das Streaming mit SD-Auflösung auf einem Smartphone, Tablet oder Notebook beispielsweise deutlich weniger Energie als das klassische Fernsehen oder das Abspielen einer DVD auf einem größeren Flachbildfernseher.

Generell gilt daher: Je geringer die Auflösung des Videos ist, desto weniger Energie muss beim Streamen aufgebracht werden. Gerade beim Smartphone oder bei einem Laptop mit kleinem Bildschirm macht eine niedrige Auflösungen keinen erkennbaren Unterschied. Die Auflösung kannst du in den Einstellungen ändern, sobald du einen Film gestartet hast.

Zusätzlich kann die Helligkeit reduziert werden.

WLAN vor mobilen Daten

Eine Untersuchung im Auftrag des Umweltbundesamts hat ergeben, dass die Übertragungstechniken unterschiedlich viele Treibhausgasemissionen verursachen. Die geringste CO2-Belastung entsteht, wenn das Video über einen Glasfaser-Anschluss gestreamt wird. Auch eine Übertragung über ein Kupferkabel ist sparsamer als über Mobilfunk.

In Mobilfunknetzen gibt es ebenso große Unterschiede. So wird bei einer Datenübertragung mit der 5G-Technik deutlich weniger verbraucht als bei einer Übertragung mit UMTS (3G). Filme und Videos also am besten über WLAN schauen!

Autoplay deaktivieren

Webseiten wie Instagram oder YouTube, aber auch viele Mediatheken spielen Clips und Videos oft automatisch ab, um uns am Bildschirm zu halten. Auch dieses „unabsichtliche“ Streamen treibt den Datenverkehr in die Höhe. Daher: Wenn möglich Autoplay ausschalten.

Besser Musik hören

Auch wenn Musikstreaming einen niedrigeren Energiebedarf hat, lässt sich mit wenig Aufwand an einigen Schrauben drehen.

Songs herunterladen

Lade die Songs und Alben, die du oft hörst, in deine Bibliothek. Das ist sparsamer, als sie jedes Mal neu zu streamen.

Keine Youtube-Musik

Wenn die über den Streaming-Dienst Musik hörst, wird meistens auch ein Video abgespielt. Das treibt den Datentransfer unnötig in die Höhe. Das Gleiche gilt übrigens auch für Spotify: Auch hier solltest du die Video-Funktion deaktivieren.

Plugins nutzen

Sollte es einen Song oder einen Vortrag nur auf YouTube oder einer anderen Video-Plattform geben, dann kannst du Plugins wie zum Beispiel YouTube Audio nutzen. Damit wird nur der Ton des Videos gestreamt.

Werbeblocker nutzen

Das, was wir auf Social Media und Streaming-Plattformen eigentlich sehen wollen, wird immer wieder von Werbevideos unterbrochen. Das treibt die CO2-Emissionen zusätzlich in Höhe. Wir haben eine Erste-Hilfe-Maßnahme für Nutzer:innen: Werbeblocker. Wirkungsvolle Apps wie zum Beispiel der kostenlose Open-Source-Werbeblocker uBlocks Origin können das verhindern.

Versteckte „Appgase“: So viel Strom verbrauchen Tracker und Werbung in unseren Handy-Apps

Mit dem Slogan „There’s an App for that“ läutete Apple vor mehr als 15 Jahren das Zeitalter der Handy-Apps ein. Eine Studie aus dem Jahr 2024 zeigt jedoch: Mobile Games, Wetter-Apps und Co. verbrauchen oft unnötig viel Energie durch Tracking und Werbung. Wie können wir den digitalen CO2-Fußabdruck unserer Smartphone-Apps reduzieren?

Alternativen nutzen

PeerTube und YouTube sind zwar beides Plattformen für Videostreaming, sie arbeiten aber grundsätzlich unterschiedlich. Während YouTube allein von Google verwaltet wird, gehört PeerTube als quelloffene Software uns allen. Das ermöglicht auch, zum Beispiel eine nachhaltige PeerTube-Version auf Servern bereitstellen, die mit grünem Strom arbeiten. Und auch sonst hat die Plattform einige Nachhaltigkeits-Vorteile. Hier erfährst du mehr: Dezentrale YouTube-Alternative PeerTube: Nachhaltiger dank Peer-to-Peer?

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Die digitale Welt wird zu einem immer größeren Problem für Umwelt und Klima. Doch es gibt viele Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung – wir haben sie recherchiert!
So schrumpfst du deinen digitalen CO2-Fußabdruck und trägst zu einer zukunftsfähigen digitalen Welt bei: Digital und grün

Weniger Binge, mehr Wertschätzung

Beim nachhaltigen Streaming geht es auch darum, unsere Beziehung zu digitalen Inhalten zu verändern. Statt in den Bilderrausch abzutauchen, können wir den eigenen Medienkonsum verlangsamen und die Nutzung zeitlich und räumlich begrenzen. Weniger Binge, mehr Wertschätzung eben!

Du brauchst dabei Hilfe? Unterm anderen die App One Sec schaltet sich zwischen unsere schlechten Gewohnheiten und die Mechanismen, mit denen die Plattformen unsere Aufmerksamkeit wollen.

Darüber hinaus könne jeder noch „das Übliche“ tun, wie Maria Zeitz aus dem Projekt „Green Streaming“ es nennt. „Durch den Bezug von echtem Grünstrom die Energiewende vorantreiben und für eine sinnvolle Klimapolitik stimmen.“

dbu-logo

Dieser Artikel ist Teil des Dossiers „Digital und grün – Lösungen für eine nachhaltige Digitalisierung“, in dessen Rahmen wir Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung vorstellen. Wir danken der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für die Projektförderung!

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