Policy Brief: Handlungsempfehlungen und konkrete Maßnahmen für den nachhaltigen Einsatz von KI

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© Torge Peters/ Studio Nørden

Künstliche Intelligenz kann auch Lösungen für drängende Herausforderungen im Umwelt- und Klimaschutz bieten. Doch dabei dürfen sozial-ethische und ökologische Aspekte in den Anwendungen nicht außer Acht gelassen werden. In einem Policy Brief fassen wir diese zusammen.

Autor Sarah-Indra Jungblut, 29.09.20

KI-basierte Technologien haben schon längst ihren Platz in unserem Alltag, in Unternehmen und in der Industrie. Auch im Umwelt- und Klimaschutz ist das Spektrum möglicher Einsatzgebiete groß, wie unsere gerade veröffentlichte Publikation Greenbook(1): Künstliche Intelligenz – Können wir mit Rechenleistung unseren Planeten retten? zeigt. Doch deutlich wird bei einer genaueren Betrachtung auch, dass Startups, Unternehmen und Forschungsinstitute, die KI-Anwendungen für den Umwelt- und Klimaschutz entwickeln, (noch) eine Ausnahme sind. Dazu kommt, dass in der gesellschaftlichen Debatte um KI sozial-ethische Aspekte im Vordergrund stehen, ökologisch-nachhaltige Effekte hingegen noch immer viel zu wenig thematisiert werden. Dass KI-basierte Anwendungen einen positiven Beitrag beim Umwelt- und Klimaschutz leisten, ist also kein Selbstläufer und es gilt, Aspekte des Umwelt- und Klimaschutzes stärker in die politisch-öffentliche Debatte um KI einzubringen und entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen. Denn ganz klar ist: Künstliche Intelligenz, die auf den Umwelt- und Klimaschutz einzahlt, braucht einen klaren politischen Rahmen.

In einem Policy Brief fassen wir daher die wichtigsten Maßnahmen, um den ökologischen Fußabdruck beim maschinellen Lernen und anderen Teilgebieten von KI klein zu halten, noch einmal zusammen. Dazu gehören:

  • Der Einsatz möglichst effizienter Algorithmen und Hardware,
  • die Wahl von Cloud-Anbietern und Rechenzentren, die grüne Energie nutzen und
  • die Prüfung der Verhältnismäßigkeit, also eine genaue Betrachtung, ob der Energieaufwand in der Entwicklung im Verhältnis zu den Einsparungen von Energie und/ oder Ressourcen in der Nutzung steht.
  • Aus Nachhaltigkeitsperspektive ist zudem ein souveräner Umgang mit KI-basierten Systemen wichtig, der gesellschaftlichen Dialog und Mitbestimmung fördert sowie
  • ein am Gemeinwohl orientierter Einsatz von KI-Systemen,
  • der auf Transparenz und Datenschutz ausgerichtet ist.

Zudem gilt es, die gesamte digitale Infrastruktur nachhaltiger aufzustellen, denn umso nachhaltiger können auch KI-Anwendungen werden. Es braucht also ein mutiges und konsequentes Handeln von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um die Chancen der Digitalisierung und damit auch von KI-basierten Anwendungen für eine nachhaltige Entwicklung bestmöglich zu nutzen und gleichzeitig die negativen Auswirkungen zu begrenzen. Denn auch wenn Aspekte der Nachhaltigkeit bei der Digitalisierung im Allgemeinen, aber auch in Bezug auf KI-basierte Technologien im Speziellen, in den letzten Monaten auf politischer Ebene, allen voran in der Digitalagenda des BMU und auf EU-Ebene in einem White Paper zunehmend Erwähnung finden, bleibt noch viel zu tun, um den Einsatz von KI ökologisch und sozial aufzustellen.

Im Policy Brief zum Greenbook(1) sind die wichtigsten Rahmenbedingungen und Handlungsempfehlungen zusammengefasst: Download Policy Brief

Das RESET Greenbook(1): Künstliche Intelligenz – Können wir mit Rechenleistung unseren Planeten retten? ist die erste Publikation der von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geförderten Reihe „Chancen und Potenziale der Digitalisierung für eine nachhaltige Entwicklung“. Das Greenbook(1) ist ein Reader für alle, die mehr darüber erfahren wollen, wie KI-Anwendungen schon jetzt im  Umwelt- und Klimaschutz eingesetzt werden, worin besondere Chancen, aber auch Risiken in Bezug auf ökologische und soziale Aspekte bestehen, und wie zukünftige KI-Entwicklungen mit einem echten Mehrwert für Umwelt und Klima gestaltet werden können. Die ausführliche Publikation mit zahlreichen Case-Studies, Expert*innen-Interviews und Hintergrundwissen steht zum kostenfreien Download zur Verfügung.

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RESET-Publikation: Künstliche Intelligenz – Können wir mit Rechenleistung unseren Planeten retten?

Die Entwicklungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz sind in voller Fahrt. Aber haben die intelligenten Computerprogramme auch Antworten auf drängende Herausforderungen im Umwelt- und Klimaschutz? Gibt es KI-Anwendungen, denen wir vertrauen können? Und wie sieht es eigentlich mit der Ökobilanz von KI aus? In unserem Greenbook(1) haben wir uns auf die Suche nach Antworten auf diese Fragen begeben.

RESET-Dossier: Künstliche Intelligenz – Können wir mit Rechenleistung unseren Planeten retten?

Längst erleichtern Algorithmen und Künstliche Intelligenzen unseren Alltag und lösen komplexe Aufgaben. Doch liefern die intelligenten Computerprogramme auch neue Lösungen für den Umwelt- und Klimaschutz? Dieser Frage gehen wir in den nächsten Wochen mit einem Dossier nach.

Google-KI hilft beim Schutz von Wildtieren – und wirft ethische Fragen auf

Ein neues Tool von Google setzt KI dafür ein, mehr Wissen über Wildtiere zu sammeln, um das weltweite Artensterben aufzuhalten. Aber das Projekt, das Fotos aus Kamerafallen analysiert, wirft auch ethische Fragen auf.

Amnesty Decoders: Online-Aktivist*innen decken mit KI Menschenrechtsverletzungen im Sudan auf

Mit seinem Decoder-Programm will Amnesty International Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden aufdecken – unterstützt von intelligenten Computerprogrammen und Tausenden digitalen Freiwilligen. RESET sprach mit der Leiterin von Amnesty Decoders, Milena Marin, über das Projekt „Decode Darfur“ im Sudan.

Interview: Climate Change AI – Forschung an der Schnittstelle von KI und Klimawandel

Unter dem Namen „Climate Change AI“ haben sich Forschende zusammengeschlossen, die sich für den Einsatz von maschinellem Lernen zur Bewältigung der Klimakrise engagieren. Wir sprachen mit der Vorsitzenden Lynn Kaack.

OpenSurface: KI-Plattform spürt Landnutzung und Entwaldung aus dem Weltraum auf

Das Projekt OpenSurface bietet eine KI-basierte Lösung an, mit der sich Landnutzung aus dem Weltraum überwachen lässt. Dies soll auch den Klimaschutz auf globaler Ebene vorantreiben.

Interview: Wie kann Künstliche Intelligenz nachhaltig gestaltet werden?

Welche Potenziale hat KI für den Umwelt- und Klimaschutz? Wie kann man KI-Anwendungen selbst nachhaltiger gestalten? Und was können Unternehmen, Entwickler*innen oder Regierungen dafür tun? Darüber sprachen wir mit Stephan Richter vom Institut für Innovation und Technik.

Masakhane: KI und maschinelles Übersetzen für die Transformation Afrikas

Afrikanische Sprachen sind in der digitalen Welt wenig oder gar nicht repräsentiert. Millionen Sprecher*innen von Kiswahili, isiZulu, Tshiluba und Co. sind damit von digitalen Möglichkeiten und Informationen ausgeschlossen. Ein Open-Source-Projekt tüftelt deshalb an KI-Lösungen für maschinelle Übersetzungen.

Künstliche Intelligenz – Können wir mit Rechenleistung unseren Planeten retten?

Längst löst Künstliche Intelligenz komplexe Aufgaben und erleichtert unseren Alltag. Doch liefern die intelligenten Computerprogramme auch neue Lösungen für den Umwelt- und Klimaschutz?