Die Sache kommt ins Rollen: E-Busse nehmen langsam Fahrt auf

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© e.GO Mobile AG

Ein Bus, der schon jetzt vollelektrisch fährt und demnächst auch autonom, geht dieses Jahr in Serienproduktion. Und er kommt nicht von einem großen Automobilkonzern, sondern wurde von einer Ausgründung der RWTH Aachen entwickelt.

Autor Jasmina Schmidt, 07.01.19

Übersetzung Jasmina Schmidt:

Das Jahr 2018 war – vor allem für Autofahrer – geprägt von den Auswirkungen des Diesel-Skandals, mitsamt Ankündigungen von Fahrverboten in mehreren deutschen Städten und dem bereits umgesetzten Fahrverbot in Hamburg. Dies ging auch nicht an den Verkehrsbetrieben spurlos vorbei. Die Stadtstaaten Berlin und Hamburg zum Beispiel vereinbarten bereits 2016 eine gemeinsame Beschaffungsinitiative für E-Busse. In Berlin werden von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) schon seit 2014 elektrische Busse auf einer Strecke getestet und ab 2020 sollen keine Fahrzeuge mehr angeschafft werden, die Schadstoffe ausstoßen. Bis 2030 soll dann die gesamte Busflotte elektrisch betrieben sein – so die Vision der BVG. Doch auch fernab der großen Städte wird über Elekrobusse nachgedacht. Seit Ende Oktober 2018 testet das Fernbusunternehmen Flixbus E-Busse auf der Strecke zwischen Frankfurt und Mannheim. Ein großes Problem in diesem Sektor ist aber nach wie vor das geringe Angebot an E-Bussen.

Ein neuer Mitspieler auf dem Markt könnte daher der „Mover“ von E.Go sein. E.Go ist ein relativ neues Unternehmen, das 2015 als Ausgründung der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen (RWTH Aachen) entstand und sich auf Elektrofahrzeuge spezialisiert hat. Der Mover ist zwar kein großer Bus, wie wir ihn aus dem Stadtverkehr kennen, aber trotz seiner Grundfläche, die nicht größer ist als die einer Limousine, finden 15 Personen darin Platz. Momentan ist er eher als Zubringer-Service gedacht, der sich als Shuttle flexibel per App anfordern lässt und nicht an starre Fahrpläne gebunden ist. Das mag jetzt alles nicht so neu klingen. Aber der Clou kommt noch: Der Mover fährt autonom – zumindest perspektivisch.

© e.GO Mobile AG

Autonomes Fahren klingt immer noch nach Zukunftsmusik, obwohl es schon seit einigen Jahren vor allem in den USA erprobt wird. Das Antriebssystem des Movers kommt vom Technologiekonzern ZF, der auch Teil des Joint Ventures E.Go ist. Dessen Vorstandsvorsitzender Wolf-Henning Scheider sieht die Einsatzgebiete des autonomen Fahrens aber erst einmal abseits der Straßen. „Wir erwarten, dass sich das automatisierte Fahren auf Werks- und Logistikgeländen, in Hafenarealen oder in der Landwirtschaft zuerst durchsetzen wird„, so Schneider.

Dennoch soll der e.GO Mover in der Zukunft ein Teil des Mobilitätskonzept für Städte sein – und geht dabei mit großen Schritten voran. Schon 2019 will E.Go mit der Serienproduktion starten. Und das im fünfstelligen Bereich. Interessenten gibt es auch schon. Die Stadt Aachen will den Kleinbus ab Ende 2019 in einem Pilotprojekt auf den Straßen testen. Auch in Iserlohn soll der autonome Bus auf der Strecke vom Bahnhof zur Fachhochschule getestet werden. Der Mover ist übrigens mit der Assistenzfahrfunktion des Levels 4 ausgestattet – das bedeutet, dass immer noch ein Fahrer an Bord ist, um im Notfall die Steuerung zu übernehmen.

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