Corporate Social Responsibility (CSR) – Die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen

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Die freiwillige Wahrnehmung sozialer und ökologischer Verantwortung durch Untenehmen wird Corporate Social Responsibility (CSR) genannt. Das neue soziale Gewissen von Unternehmen hat in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt. Vor allem, weil die Öffentlichkeit, die Kunden und auch Investoren von Unternehmen verantwortungsbewusstes Handeln und nachhaltige Lösungen erwarten.

Autor Rima Hanano, 27.07.09

Übersetzung Leander Jones:

Die freiwillige Wahrnehmung sozialer und ökologischer Verantwortung durch Untenehmen wird Corporate Social Responsibility (CSR) genannt. Das neue soziale Gewissen von Unternehmen hat in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt. Vor allem, weil die Öffentlichkeit, die Kunden und auch Investoren von Unternehmen verantwortungsbewusstes Handeln und nachhaltige Lösungen erwarten.

Corporate Social Responsibilty (CSR) meint das bewusste und freiwillige Streben von Unternehmen, soziale und ökologische Ziele mit dem wirtschaftlichen Handeln in Einklang zu bringen. Die Übernahme sozialer und ökologischer Verantwortung durch Unternehmen gilt als ein Weg, das Konzepts einer „Nachhaltigen Entwicklung“ auch auf Unternehmensebene umzusetzten. Freiwilligkeit gilt dabei als wesentliches Prinzip der CSR.

Der Begriff CSR ist schwammig und das genaue Tätigkeitsfeld, das sich hinter diesem Konzept verbirgt, entsprechend unterschiedlich. Im Zentrum von CSR-Initiativen stehen ökologische wie soziale Aktivitäten. Typische CSR-Themen sind die Einhaltung von Menschenrechten sowie von arbeits- und sozialrechtlichen Regelungen, Umwelt- und Klimaschutz, Verbraucherschutz sowie die nachhaltige Bewirtschaftung von natürlichen Ressourcen.

Erwähnt wurde das Konzept Corporate Social Responsibility erstmalig 1953 in der Publikation „Social Responsibilities of the Businessman“ von William J. Bowen. Populär wurde der Begriff CSR aber erst wieder in den 90er Jahren. Damals wußte der Arzneimittelhersteller Betapharm als eines der ersten deutschen Unternehmen CSR-Initiative als Wettbewerbsvorteil zu nutzen. Um den Arzneimittelhersteller war es Mitte der 90er Jahre schlecht bestellt, der Markt schien gesättigt und das Potenzial ausgeschöpft. Mittels strategischem sozialem Engagement bei einer Initiative für Familien mit chronisch kranken Kindern verschaffte sich das Unternehmen einen strategischen Wettbewerbsvorteil und steigerte die Umsätze in einem scheinbar gesättigten Markt.

In dem 2001 verfassten Grünbuch mit dem Titel „Promoting a European Framework for Corporate Social Responsibility“ formulierte die Europäische Kommission erstmalig Rahmenbedingungen für die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Sie definiert CSR als System, „das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren“. In Deutschland wird das Thema CSR vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit (BMWA) koordiniert.

Unternehmen als verantwortliche Akteure der Globalisierung

Wie ein Unternehmen seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt, ist abhängig von der Branche, der Größe und den Märkten, in denen das Unternehmen operiert. Praktisch bedeuten CSR-Initiativen: OSRAM erleuchtet die Region um den Viktoriasee in Kenia mit nachhaltigen Lichtlösungen oder Adidas und Nike schicken die Welt auf Turnschuhen los, ohne aus Leder aus dem Amazonas-Regenwald zu produzieren.

Viele Unternehmen haben erst in den letzten Jahrzehnten – vornehmlich unter Druck von Außen –  begonnen, Verantwortung für die Gesellschaft und die Umwelt, in der und mit der sie wirtschaften, zu übernehmen. (Erfahre mehr im Wissens-Artikel über sog. »Teflon Companies«.) Shell gehört zu den ersten Konzernen, die die Erfahrung gemacht haben, dass frühzeitiges Verantwortungsmanagement besser ist als nachträgliches Krisenmanagement. Der Plan des Ölkonzerns, die Ölplattform „Brent Spar“  im Meer zu versenken, brachte damals die Öffentlichkeit derart gegen den Konzern auf, dass Kunden-Boykotte dem Unternehmen Umsatzeinbußen bis zu 30 % Prozent bescherten.

Heute will fast jedes westliche Großunternehmen beweisen, dass es seine gesellschaftliche Verantwortung wahrnimmt. Mittlerweile bekennen sich Weltkonzerne wie Microsoft oder Pepsi zu ihrer sozialen Verantwortung.  Corporate Social Responsibilty ist für Unternehmen längst Alleinstellungsmerkmal, wesentlicher Wettbewerbsfaktor und eine Frage des wirtschaftlichen Überlebens. Vor allem, weil das  Bewußtsein der Konsumenten für nachhaltig produzierte Güter gestiegen ist.

CSR macht sich aber nicht nur durch einen Imagegewinn bei den Kunden bezahlt, sondern hat auch einen hohen Stellenwert bei eigenen und potenziellen Mitarbeitern. So ziehen „Gutunternehmen“ nicht nur qualifizierte Mitarbeiter an, CSR motiviert die Mitarbeiter zu höherer Leistungsfähigkeit und schafft eine langfristige Unternehmensbindung. Corporate Social Responsibility ist ein Schlüsselwort moderner Unternehmenskultur geworden.

Wie viel soziale Verantwortung übernehmen Unternehmen wirklich?

Bei der praktischen Umsetzung unternehmenseigener Standards gibt es in vielen Unternehmen aber häufig noch große Mängel.
So wird CSR  von Unternehmern in verschieden Erdteilen höchst unterschiedlich wahrgenommen. Auf Missstände, insbesondere hinsichtlich der Arbeitsbedingungen in Zulieferbetriebe und hinsichtlich des Umweltschutzes, machen NROn vor allem in Entwicklungsländern immer wieder aufmerksam – wenn auch weniger als noch vor einigen Jahren. Der Ölkonzern Royal Dutch Shell macht durch Umweltverschmutzung in den Öl-Fördergebieten von sich Reden  und auch in der IT-Branche berichten NROn regelmäßig über Fälle von Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in Zulieferketten der IT-Unternehmen.

Im Idealfall – aber bis heute viel zu selten – handelt es sich bei CSR-Initiativen nicht um isolierte Maßnahmen, sondern um eine im gesamten Unternehmen verankerte Haltung und strategische Ausrichtung.

Internationale Initiativen zur Corporate Social Responsibilty

Leitlinien, wie die OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen, der Global Compact der Vereinten Nationen und die Dreigliedrige Grundsatzerklärung der Internationalen Arbeitsorganisation über multinationale Unternehmen und Sozialpolitik, bilden die Grundsätze für die gesellschaftliche Verantwortungsübernahme von Unternehmen und sollen die Umsetzung auch auf internationaler Ebene fördern. Sie beschreiben die Erwartungen an die Unternehmen in ökonomischer, ökologischer und sozialer Hinsicht.

CSR-Berichterstattung

Eine international einheitliche und verbindliche Norm für CSR-Berichterstattung durch Unternehmen existiert bisher noch nicht. Von einer einheitlichen  Berichterstattung über die CSR-Unternehmensaktivitäten erhofft sich die Organisation „Ceres. Investors and Environmentalists for Sustainable Prosperity“ nicht nur ein größeres Engagement in Sachen CSR sondern auch mehr Transparenz. Eine einheitliche Berichterstattung würde außerdem die Möglichkeiten des Missbrauchs einzelner  Vorzeige-CSR-Initiativen zum „Greenwashing“ verringern (Lies mehr zum Thema Greenwashing im Wissensartikel »Greenwashing – Die dunkle Seite der Corporate Social Responsibility (CSR)«).

Mehr zu den Richtlinien und zur Global Reporting Initiative (GRI).

Quellen und Links

Rima Hanano I RESET-Redaktion

Greenwashing – Die dunkle Seite der CSR

Im Gegensatz zur sozialen und ökologischen Unternehmensverantwortung ist Greenwashing die bewusste Verbrauchertäuschung.

„Teflon Companies“

Tatsächlich spricht man im Englischen von "Teflon Companies", die – wie das gleichnamige Kochgeschirr – davor gefeit scheinen, dass Kritik an ihnen haften bleibt: Unternehmen, deren langfristiges organisatorisches Engagement unter Kennworten wie "Public Affairs Management" oder "Stakeholder Management" zu einem guten Ruf bei Verbrauchern gelangten…