Code-Editoren machen Programmierer:innen das Leben leichter. Denn sie weisen schon beim Coden auf eventuelle Fehler hin oder setzen geschriebenen Code direkt visuell um. Was allerdings bei den meisten Anwendungen fehlt: Hinweise darauf, wie effizient und nachhaltig die geschriebenen Zeilen, das fertige Programm oder die Webseite am Ende sind.
Das Tool Carbonara von Climate+Tech lässt sich daher als Plug-In in VSCode-basierten Editoren wie VSCode und Cursor einbauen. Zusätzlich gibt es die Möglichkeit, das Programm über die Kommandozeile im Hintergrund auszuführen. In jedem Falle erstellt Carbonara aber schon beim Coding eine Prognose darüber, wie groß der CO2-Fußabdruck der Anwendung ungefähr sein wird. Laut Carbonara-Gründer Christian Woerle ist die Idee dabei:
„Möglichst früh Hinweise liefern, bevor [ … für eine nachhaltige Optimierung … ] weitere Kosten entstehen oder sich nichts mehr ändern lässt.“
Wie funktioniert das Tool?
Ins Leben gerufen wurde Carbonara im Juni 2025. Interessierte können das Tool bereits kostenfrei und inklusive Handlungsempfehlungen zur Code-Optimierung herunterladen. Wer das Analyse-Tool aktuell nutzen möchte, kann auf den Code via GitHub zugreifen oder das Plug-In im VSCode-Marketplace installieren. Projektleiter Christian Woerle weist diesbezüglich aber darauf hin, dass „Mithilfe beim Lösen etwaiger Probleme ausdrücklich erwünscht“ sei. Möglich ist das über die Homepage von Carbonara, dort gibt’s ein einfaches Kontaktformular.
Einmal installiert, liefert Carbonara einerseits eine Einschätzung darüber, welchen digitalen CO2-Fußabdruck eine Anwendung oder eine Webseite am Ende haben wird. Wovon das abhängt, erklärt Daniela Grau von Carbonara gegenüber RESET wie folgt:
„Nachhaltiger Code kann bestimmte Muster vermeiden, die weniger effizient sind als andere. Das können sogenannte ‚Performance-Themen‘ sein, also Änderungen, die den Code schneller machen, aber auch ganz andere Aspekte, wie die Zentralisierung von Rechenleistung an einer Location, die über einen grünen Strom-Mix verfügt.“
Grid-Aware-Websites reagieren auf den aktuellen Strommix
Die Green Web Foundation hat für Seiten im Internet ein interessantes Konzept entwickelt: „Grid-Aware-Websites“ rufen aus einer Datenbank ab, wie sich der aktuelle Strommix zusammensetzt.
Je nachdem, wie viele fossile Brennstoffe im Mix enthalten sind, wird die Webseite dann in einer kleineren – und somit energiesparenderen – Version der Webseite angezeigt.
Interessant? Wir haben mit Fershad Irani von der Green Web Foundation gesprochen!
Dass Carbonara diese Aspekte schon beim Coden präsentiert, habe einen recht einfachen Grund: „Wenn man genau wissen will, wie viel Energie Code unter welchen Bedingungen verbraucht, muss die fertige Anwendung idealerweise mit speziellen Bibliotheken im Betrieb analysiert werden.“ Zu diesem Zeitpunkt seien aber oft schon „fünf- oder sechsstellige Beträge verbraucht“ worden, sodass der Code lediglich optimiert und nicht komplett neu geschrieben werden kann.
Carbonara erlaubt es Unternehmen also, Green-Coding-Praktiken von Anfang an in die Entwicklung neuer Webseiten und Programme zu integrieren. Aber wie lässt sich das schon beim Coden umsetzen?
Carbonara prüft nach anerkannten Standards
Für die Analyse nutzt Carbonara unter anderem eine Datenbank mit „Green Software Patterns“ der Green Software Foundation. Mit diesen stellt die Stiftung Programierer:innen seit dem Jahr 2021 Entwurfsmuster für Codezeilen zur Verfügung, die sie bereits auf ihre Nachhaltigkeitseffekte hin geprüft haben. Oder wie es die Green Web Foundation formuliert: „Du kannst dir sicher sein, dass sich die Emissionen deiner Software reduzieren, wenn du unsere Entwurfsmuster anwendest“.
Die Überprüfung durch Carbonara kann allerdings auch auf bereits geschriebene Anwendungen und Webseiten angewandt werden. Laut Daniela Grau „integriert Carbonara Werkzeuge auf verschiedenen Ebenen.“
So ließe sich bei externen Webseiten überprüfen, „welche Datenmengen übertragen werden und in welchem Netzwerk sie läuft“, was bei der Optimierung die oberste Schicht darstelle. „In der Tiefe können Code-Muster oder Server-Konfigurationen verbessert werden“.
Auf die Frage, wie viel Emissionen sich dadurch einsparen ließen, antwortet Christian Woerle: „20-30 Prozent je nach Region und Schätzung, also sehr erheblich. Das Schöne ist: In IT kann ein Großteil dieser Einsparungen stattfinden, ohne dass irgendwer auf irgendetwas verzichten muss, einfach durch Effizienzsteigerungen und Relocation.“
Wie moderner Code gestaltet ist, hat längst nicht mehr nur Auswirkungen auf das Gerät, das die Webseite anzeigt oder eine Anwendung ausführt. Anwendungsfälle wie die Apps von Streamingdienste zeigen, dass vergleichsweise schlanke Programme massiv auf Datenbanken von Rechenzentren zurückgreifen – und dabei jede Menge Energie und Wasser verbrauchen.
Dass Anwendungen Rechenoperationen oder Informationen an Cloud-Server auslagern, macht es aber umso wichtiger, Software auf Nachhaltigkeit hin zu optimieren. Die Sustainable Games Alliance erklärte uns etwa, dass kleine Änderungen – etwa die Reduzierung der Auflösung einer Animation im Menü – in beliebten Spielen einen gewaltigen Hebel zur Reduzierung der Rechenlast von Servern führen können.
Hat nachhaltiger Code Nachteile?
Für Anwender:innen enstehen dabei in der Regel keine Nachteile. „Unkomprimierte Bilder sind tatsächlich ein Gebiet, in dem die durchschnittliche Website massiv Datentransfer reduzieren und damit CO2-Emissionen einsparen kann. In aller Regel dürfte die Kompression für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar sein. [ … ] Wo Abstriche sinnvoll sind, ist bei aufwendigen ‚Spielereien‘ oder Animationen im Frontend“, erklärt Daniela Grau.
Wie sieht eine grüne digitale Zukunft aus?
Elektroschrott, CO2-Emissionen durch KI, Wasserverbrauch von Rechenzentren – aktuell scheint die ungezügelte Digitalisierung nicht mit einem gesunden Planeten vereinbar. Doch es gibt viele Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung – wir haben sie recherchiert:
Nachhaltiges Programmieren könnte in den nächsten Jahren allerdings noch weiter in den Hintergrund rücken. Sogenanntes „Vibe-Coding“ wird mit KI-Tools wie Claude Code oder Googles Gemini CLI immer beliebter. Dabei haben nicht nur Entwickler:innen, die erstellen Code zumindest noch nachvollziehen können, sondern alle Menschen mit einem Internetzugang die Möglichkeit, Webseiten und Programme zu erstellen. Nachhaltig sind die Code-Entwürfe von Sprachmodellen allerdings nicht. „Mitte 2025 gab es eine Studie, die [KI-]generierten Code als deutlich CO2-intensiver eingestuft hat“, so Carbonara. Das Team von Climate+Tech sieht die eigene Datenbank aber als guten Ansatz, um zukünftig auch hier Green-Coding-Praktiken zu integrieren.

Dieser Artikel ist Teil des Dossiers „Digital und grün – Lösungen für eine nachhaltige Digitalisierung“, in dessen Rahmen wir Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung vorstellen. Wir danken der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) für die Projektförderung!
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