Chowberry: Die App gegen Lebensmittelverschwendung in Nigeria

Mitarbeiter von Chowberry auf der Suche nach dem Mindesthaltbarkeitsdatum

Lebensmittelverschwendung ist nicht nur im Globalen Norden, sondern auch in Ländern Afrikas ein Problem. Die App Chowberry aus Nigeria will dem entgegentreten.

Autor Jasmina Schmidt, 23.10.18

Übersetzung Jasmina Schmidt:

Kein Hunger – das ist das Ziel Nummer 2 der insgesamt 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN. Dennoch gelten elf Prozent der Weltbevölkerung als unterernährt. Das sind etwa 815 Millionen Menschen. Über 250 Millionen Menschen davon leben in Afrika, was fast 21 Prozent der dortigen Bevölkerung entspricht. Trotzdem wird auch in Afrika eine Menge an Lebensmitteln entsorgt. 

Laut FAO landen jedes Jahr etwa 1,3 Milliarden Tonnen Essen im Müll – das ist ein Drittel aller produzierten Lebensmittel. Überraschenderweise gibt es keinen großen Unterschied zwischen Ländern des Globalen Nordens oder Südens. Das liegt zum Teil daran, dass die Lebensmittel in verschiedenen Bereichen der Wertschöpfungskette verloren gehen. Während zum Beispiel in Deutschland ein Großteil der Lebensmittel von den Verbrauchern entsorgt werden, liegt im Vergleich dazu in Ländern in Afrika die Problematik oftmals an der fehlenden adäquaten Kühlung.

Chowberry – die App gegen Lebensmittelverschwendung

Nigeria wird vom World Food Programme als “Nahrungsmitteldefizit-Land” kategorisiert. Also als Land, das nicht genug Nahrung für seine Bevölkerung produziert. Doch auch hier werden Lebensmittel weggeworfen. Zum einen durch schlechte Lagerung, doch ein gewisser Teil wird auch in den Supermärkten entsorgt. Und das aus denselben Gründen wie in Deutschland: das Ablaufen des Mindesthaltbarkeitsdatums. Der Software-Ingenieur Oscar Ekponimo hat sich diesem Paradoxon angenommen und eine App entwickelt: Chowberry.

Chowberry erlaubt es Einzelhändlern, die Barcodes der Lebensmittelprodukte einzuscannen. Sie werden informiert, wenn diese Produkte ihr Mindesthaltbarkeitsdatum erreichen. Über die App und Website werden die Produkte dann zu einem niedrigeren Preis angeboten. Je näher die Produkte ihrem spätesten Verkaufsdatum sind, desto niedriger wird ihr Preis. So soll eine Win-win-Situation entstehen: Menschen, die über ein geringes Einkommen verfügen, kommen an günstige Lebensmittel und die Einzelhändler müssen weniger Produkte entsorgen, was sonst Kosten verursachen würde. 

Ekponimo ist sich jedoch bewusst, dass sich vor allem ärmere Menschen nicht unbedingt ein Smartphone leisten können, um von der App Gebrauch zu machen. Deshalb arbeitet Chowberry auch mit NGOs zusammen. Voraussetzung dabei ist, dass es die Organisationen schon länger als ein Jahr gibt und sie im Bereich Hungerbekämpfung tätig sind. Hilfsorganisationen bilden so eine Brücke zwischen der App und den Bedürftigen. Sie verteilen die günstig erworbenen Lebensmittel an Menschen in Not und nutzen sie für ihre Projekte im Kampf gegen den Hunger. In einer Pilotphase 2016 konnten so u.a. 150 bedürftigen Waisenkindern Nahrungsmittel zur Verfügung gestellt werden. Bisher hat Chowberry Einzelhändler in den Millionenstädten Abuja, Lagos und Port Hacourt in Nigeria im Portfolio; das Ziel ist es, mehr Städtezu aufzunehmen und somit mehr Lebensmittel verfügbar zu machen und Lebensmittelverschwendung weiter einzudämmen.

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