Als der Browser Google Chrome das erste Mal für Windows, Linux und macOS erschien, war die Installationsdatei gerade einmal 11,4 MB groß. Heute misst nur der Installations-Starter, der sich weitere Daten aus dem Internet zieht, über 200 MB. Neben sinnvollen neuen Funktionen wie Entwickler-Features oder der Synchronisation von Tabs zwischen mehreren Geräten kommen moderne Browser mit einer Menge Ballast.
Google Chrome teilt zum Beispiel permanent Nutzungsdaten mit Google, mit denen das Unternehmen seine Produkte optimiert. Microsoft stand mit seinem Browser Edge vor einigen Jahren in der Kritik, einen US-amerikanischen Zahlungsdienstleister zu integrieren. Und auch der quelloffene Browser Mozilla Firefox enthält KI-Integrationen, die zum Glück aber noch optional sind.
Aber warum sind unsere Browser inzwischen so überfüllt mit Funktionen?
Browser als kostenlose Datensammler
Obwohl jede/r Internetnutzer:in einen Browser nutzen muss, sind alle gängigen Lösungen erst einmal kostenfrei. Anbieter wie Google generieren allerdings über das Tracking von Nutzungsdaten, Shopping-Hinweisen oder weitere Mechanismen gewaltige Umsätze. Die vermeintlich kostenfreien Browser machen ihre Nutzer:innen also selbst zum Produkt.
Für viele Nutzenden sind Browser dazu noch der Weg zu Diensten wie der Google-Suche, dem Google Drive oder zu KI-Assistenten wie Gemini oder ChatGPT. Von diesen verlangt Google Geld, damit sie ihre Funktionen direkt in die Software einbinden können.
In der Summe sind Browser wie Chrome, Mozilla oder Microsoft Edge also voller kleiner Zweigstellen zu anderen Diensten und Anbietern. Die Nutzer:innen bekommen davon nicht unbedingt etwas mit.
Dich stören weitere KI-Features in Programmen und im Browser?
Der anhaltende „KI-Boom“ bringt viele GenAI-Funktionen in Web-Anwendungen, Programme und mehr.
In einem anderen Artikel verraten wir dir daher, wie du dem „Walled-Garden“ der Big-Tech-Unternehmen entkommen kannst. Dabei zeigen wir dir quelloffene Alternativen, mit denen dir niemals KI-Features aufgezwungen werden.
Die zusätzlichen Funktionen stören dadurch nicht. Was aber unsichtbar im Hintergrund passiert, führt zu jeder Menge Datenverkehr und somit auch zu einem höheren Energieverbrauch der eigenen Internetnutzung. Dazu fällt unnötig viel Datenmüll auf Rechenzentren in aller Welt an und somit entsteht ein höherer Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen.
Wie KI-Integrationen und Tracker unseren CO2-Fußabdruck erhöhen
Unser digitaler CO2-Fußabdruck setzt sich zu großen Teilen aus dem Kauf neuer Hardware und notwendigen Aufwänden wie die Nutzung der IT-Infrastruktur oder der Recherche von Inahlten im Netz zusammen. Auch CO2-Schwergewichte wie das Streamen von Videoinhalten oder die Nutzung von Sprachmodellen gehört für viele Menschen inzwischen zum Alltag dazu. In den verlinkten Artikeln findest du hilfreiche Tipps, wie du auch hier Emissionen einsparen kannst.
Neben bewussten und beabsichtigten Handlungen steigt die Anzahl unbeabsichtigter Prozesse im Netz aber immer stärker an. Wer eine App auf seinem Smartphone nutzt, aktiviert Werbe-Tracker und Banner, die häufig den Großteil des Datenverkehrs der genutzten App ausmachen. Jede Google-Suche stößt inzwischen ganz automatisch eine Anfrage an ein Sprachmodell an. Das sorgt dafür, dass die Emissionen der Nutzung von KI-Modellen inzwischen ihr Training weit überholen.
Durch die genannten Hintergrundprozesse sehen wir in Browsern eine ähnliche Entwicklung. Google integrierte seine KI-Suche etwa direkt in die Adressleiste. Moderne Browser bieten Shopping-Funktionen und die getrackten Daten der Nutzenden werden nur zu einem kleinen Teil für die Optimierung oder die Wartung des Browsers genutzt. Heißt: Es gibt viel Browser-Ballast, der im Hintergrund arbeitet und Nutzenden keinerlei Vorteile bietet.
Wie JustTheBrowser diesen Ballast entfernt
Corbin Davenport ist ein US-amerikanischer Journalist und freier Entwickler. Er bietet das kostenfreie Tool „JustTheBrowser“ an, das die Desktop-Varianten der Browser Mozilla Firefox, Google Chrome und Microsoft Edge auf Diät setzt. Corbin Davenport nutzt dafür Gruppenrichtlinien, die in den regulären Einstellungen der Browser in der Regel nicht sichtbar sind. Sie sind eigentlich dafür gedacht, dass IT-Administrator:innen alle Browser einer Einrichtung gleichzeitig anpassen können.
„Ich habe 2025 damit angefangen, mit den Administrations-Profilen von Web-Browsern herumzuspielen“, hat uns Corbin erzählt. „Dabei wollte ich störende Daten aus Microsoft Edge auf meinem Mac entfernen. Anschließend dachte ich: ‚Das könnte auch nützlich für andere sein, wenn ich mir auch andere Browser anschaue und mehrere Betriebssysteme unterstütze!'“
Was JustTheBrowser macht, ist also keineswegs illegal. Auch die Sicherheit gefährden die getroffenen Einstellungen nicht.
Corbin Davenports Tool deaktiviert über die Gruppenrichtlinien allerdings Funktionen wie die KI-Suche in der Adressleiste von Google Chrome oder die genannten Shopping-Integrationen. Eine vollständige Liste der Funktionen gibt es auf der Webseite des Projekts.
Was sind ‚Dark Patterns‘?
Der Begriff „Dark Patterns“ beschreibt Design-Entscheidungen, die Nutzende absichtlich dazu bringen sollen, Handlungen durchzuführen, die gegen ihre Interessen sind.
Im Falle von Microsoft Edge gab es im Jahr 2024 Berichte darüber, dass der Browser wiederholt ein Plug-In anzeigt, in dem eine Schaltfläche zum Import von Daten anderer Browser ausgewählt ist.
Klickten Nutzende dieses Pop-Up schnell weg, erhielt der Microsoft-Browser automatisch Nutzungsdaten anderer Browser.
Auf die Frage, warum man dafür ein Tool eines unabhängigen Entwicklers benötigt, antwortet Corbin: „Viele dieser Einstellungen sind eigentlich auch in den Browsern zu finden. Sie sind nur sehr tief in den Menüs versteckt oder werden über ‚Dark Patterns‘ verborgen. Warum das so ist, weiß ich nicht genau – bei Microsoft gibt es allerdings immer wieder Anzeichen dafür, dass man die Nutzung der eigenen Produkte wie die Office-Apps oder MSN dadurch antreiben möchte. Deaktiviert man diese, bedeutet das natürlich weniger Umsätze für Microsoft.“
Für MacOS und Windows kannst du JustTheBrowser einfach über die Kommandozeile oder das MacOS-Terminal ausführen. Dafür kopierst du folgende Kommandos, die Corbin Davenport auf seiner Seite veröffentlicht hat:
- Für das macOS- oder Linux-Terminal: /bin/bash -c „$(curl -fsSL https://raw.githubusercontent.com/corbindavenport/just-the-browser/main/main.sh)“
- Für die Windows-Kommandozeile: & ([scriptblock]::Create((irm „https://raw.githubusercontent.com/corbindavenport/just-the-browser/main/main.ps1“)))
Die beiden Zeilen verändern erst einmal nichts an deinem Browser. Sie laden lediglich JustTheBrowser herunter und führen das Programm auch direkt aus.
In der Kommandozeile wählst du dann über die beschriebenen Zahlen aus, welchen Browser das Programm anpassen soll. Anschließend arbeitet JustTheBrowser einen kurzen Moment und die Gruppenrichtlinien sind angepasst. Bei macOS kann es je nach Version sein, dass du das neue Profil noch einmal in den Einstellungen aktivieren musst.
Ob die Änderungen Wirkung zeigen, lässt sich einfach überprüfen. In Mozilla Firefox kannst du dafür „about:policies“ in die Adressleiste einfügen. In Chrome und Edge geht es mit „chrome://policy“. Tauchen hier keine Informationen auf, solltest du das Programm noch einmal ausführen und darauf achten, dass es Administrationsrechte nutzen kann.
Wie sieht eine grüne digitale Zukunft aus?
Elektroschrott, CO2-Emissionen durch KI, Wasserverbrauch von Rechenzentren – aktuell scheint die ungezügelte Digitalisierung nicht mit einem gesunden Planeten vereinbar. Doch es gibt viele Lösungen für eine ökologische und faire Digitalisierung – wir haben sie recherchiert:
Falls sich immer noch nichts tut, kann es sein, dass JustTheBrowser mit der installierten Version des Browsers inkompatibel ist. Hier empfiehlt sich entweder ein Update des Browsers oder das Warten auf eine neue Version von JustTheBrowser. Updates lassen sich über die Plattform GitHub abonnieren.
Mobile Browser und KI-Suchmaschinen
Im März 2026 ist JustTheBrowser leider noch nicht für die mobilen Versionen der genannten Browser verfügbar. Da die Grundlagen von Chrome und Firefox allerdings quelloffen sind, finden sich alternative Varianten der Browser im AppStore von Apple oder im Google Play Store. Varianten wie Vivaldi, SeaMonkey oder LibreWolf bieten ähnliche Funktionen.
Auch die KI-Integrationen von Suchmaschinen kann JustTheBrowser nicht unterdrücken. Das liegt daran, dass diese unabhängig vom Browser in die Angebote von Google, Bing und sogar in Ecosia integriert sind. Suchst du nach grünen Suchmaschinen, haben wir im verlinkten Artikel Alternativen für dich zusammengestellt.

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