Biologische Vielfalt – Biodiversität

Bis zum Jahr 2050 werden 18% bis 35% aller Tier- und Pflanzenarten ausgestorben sein, so die Prognose einiger Wissenschaftler. Doch welche Auswirkungen hat der Verlust von Lebensräumen und Arten auf unser Ökosystem?

Autor Lisa Oberschelp, 10.02.12

„Artensterben wie seit den Dinosauriern nicht mehr“ titelte ein ZeitOnline-Artikel von 2010, über den Global Biodiversity Outlook 3 – ein Bericht über die Entwicklung unserer Artenbestände. Demzufolge sieht es schlecht aus für das globale Ökosystem.

Was genau ist biologische Vielfalt?

Biologische Vielfalt, oder auch Biodiversität beschreibt die Vielfältigkeit des Lebens. Die Gesamtheit aller Organismen bilden unser biodiverses System. Der Begriff der Biodiversität schließt daher alle Aspekte der Vielfalt in der lebendigen Welt ein und umfasst verschiedene Ebenen der Vielfalt. So ist die Artenvielfalt nur ein Teil der Biodiversität. Andere Ebenen sind die genetische Diversität (die genetische Vielfalt aller Gene innerhalb einer Art) und die Vielfalt an Lebensräumen und Ökosystemen.

Doch diese Diversität ist bedroht. Am eindrücklichsten zeigt sich das am Artensterben. Der Verlust verschiedener Arten ist kein neues Thema. 1966 veröffentlichte die International Union for Conservation of Nature and Natural Resource (IUCN) erstmalig eine „Rote Liste“ mit vom Aussterben bedrohter Tier- und Pflanzenarten. Der jährlich erscheinende Bericht klassifiziert Arten nach Gefährdungsgrad: EX (extinct), die höchste Gefährdungsstufe steht für ausgestorben, CR (critically endangered) folgt darauf und besagt, dass jene Art vor dem Aussterben bedroht ist usw. bis hin zu LC (least concern) = nicht gefährdet.

Wie brisant die Lage heute ist, zeigt der Bericht von 2012: 63% der bewerteten Pflanzenarten, 41% der Amphibien, 25% der Säugetiere und 13% der bewerteten Vogelarten sind nach Angaben der IUCN vom Aussterben bedroht.

Auch auf der Website von Globometer kann man sich anhand von Statistiken in Echtzeit ein Bild von dem gravierenden Rückgang der Biodiversität machen.  

Die Beeinflussung durch den Menschen

Mit dem Sesshaftwerden vor 12.000 Jahren begann der Mensch seine eigenen Pflanzen und Tiere zu züchten und nutzen. Dabei griff er bewusst in den „natürlichen“ Selektionsprozess ein und kultivierte einerseits die für ihn ertragreichsten Arten, sortierte andererseits andere, schwerer kultivierbare Arten aus.

An dieser Tatsache hat sich im Grunde nichts geändert. Unsere Massenkonsumgesellschaft und das immense Bevölkerungswachstum erfordert die immer effizientere Produktion von immer mehr Rohstoffen. Monokulturen anstatt Mischbestände bevölkern unsere Landschaften. Genetisch veränderte Organismen (GVO) werden vermehrt getestet und eingeführt und verdrängen einheimische Arten. Regenwälder werden abgeholzt, um Platz zu schaffen für mehr Monokulturen und Siedlungsflächen.

Dazu kommt dass wir das Klima verändern – die größte Bedrohung der Artenvielfalt. Arten haben spezifische Ansprüche an ihren Standort: Temperatur, Lichtverhältnisse, Nährstoffversorgung, Niederschlag und Konkurrenz sind die wichtigsten Faktoren, die den Standort eines Lebewesen ausmachen. Ändert sich ein Faktor auch nur gering, so muss sich der Organismus an die neuen Bedingungen anpassen. Schafft er das nicht, bzw. nicht schnell genug, so stirbt er oder wird von einer anderen Art verdrängt.

Jedes Lebewesen ist Teil des fein aufeinander abgestimmten Systems

Unser Ökosystem gleicht im Grunde einem Zahnradmodell: Fällt eine Art komplett weg bzw. fehlt ein Zacken eines noch so kleinen Rädchens, so kann der ganze fein abgestimmte Kreislauf ins Wanken geraten. Viele Arten stehen in uns oftmals noch nicht bekannten, funktionalen Wechselwirkungen zueinander und bilden so die Basis des ganzen Systems. Die konkreten Folgen des Diversitätsrückgangs auf das Ökosystem und den Menschen sind jedoch schwer einzuschätzen, viele Zusammenhänge sind bisher noch ungeklärt.

Studien zeigen jedoch, dass sich ein intaktes Ökosystem besser an sich verändernde Umweltbedingungen anpassen kann als ein gestörtes. Das wird vor allem in Zukunft angesichts des globalen Klimawandels ein essentieller Faktor sein. Die Erhaltung der Biodiversität ist nicht nur aus ökologischer Sicht erstrebenswert, da ein Ungleichgewicht im System auch ökonomische, soziale, kulturelle und ethische Folgen haben kann. Beispiele sind monokulturelle Pflanzungen wie die Eukalyptusbäume in Spanien, die zu einem erhöhten Waldbrandrisiko führen und das ursprüngliche Landschaftsbild verändern. Oder auch der Verlust von Tierarten, die sich in der Nahrungskette gegenseitig regulieren – das Fehlen einer Art führt zur übermäßigen Verbreitung einer anderen.

Biodiversitätsschutz als globales Ziel

1992, auf der UN-Konferenz zu Umwelt und Entwicklung (UNCED) in Rio de Janeiro, wurde Artenschutz erstmals in einem Vertrag festgehalten. Die Convention on Biological Diversity (CBD) ist eine völkerrechtliche Übereinkunft zwischen souveränen Staaten, die inzwischen von 193 Vertragsparteien unterzeichnet wurde und folgende Ziele verfolgt:

  • Erhaltung der biologischen Vielfalt
  • Nachhaltige Nutzung ihrer Bestandteile
  • Gerechter Vorteilsausgleich aus der Nutzung der genetischen Ressourcen (Englisch: Access and Benefit Sharing, ABS)

Alle zwei Jahre kommen die Vertragsstaaten auf der Conference of the Parties (COP) zur Biodiversitäts-Konvention zusammen, um die Ziele der CBD zu konkretisieren und deren Umsetzung voranzutreiben.

Ende 2010, dem Internationalen Jahr der Biodiversität, trafen sich die Vertragsstaaten zur zehnten Conference of the Parties in Nagoya / Japan (COP10). Während der Konferenz wurde der Grundstein für die UN-Dekade der Biodiversität 2011-2020 gelegt. Dieses Programm der Vereinten Nationen soll die Vertragsstaaten nachdrücklich dazu motivieren, bis 2020 strategische Ziele zum Schutz der Biodiversität durch effektive Maßnahmen umzusetzen. Im November 2011 startete die UN-Dekade „Biologische Vielfalt in Deutschland“ und steht seither unter der Aufsicht und Leitung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Im Rahmen des Umsetzungsprozesses plant die DBU Initiativen zur Sensibilisierung der Menschen für die Erhaltung der biologischen Vielfalt. Neben der Ausschreibung von nationalen Wettbewerben sollen vor allem prominente und engagierte, junge Botschafter/-innen das Thema authentisch in der Öffentlichkeit vermitteln.

Am 1. Februar 2012 wurde das nationale Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ gegründet. Es soll Gemeinden, Städten und Landkreisen als gemeinsame Plattform zur Förderung des Schutzes der Biodiversität dienen. Die inhaltliche Arbeit des Bündnisses wird an die Vorhaben der „Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt“ von 2007 anknüpfen.

Das Video aus der WissensWerte-Reihe erklärt anschaulich, worum es sich bei Biodiversität handelt, warum sie so wichtig ist und wodurch sie bedroht wird:

 

Quellen und Links

Lisa Oberschelp, RESET-Redaktion/ 2012 (Update: Dezember 2013)

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Bedrohte Arten

Jährlich bringt die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature) eine aktuelle Rote Liste von bedrohten Arten heraus, in der die bekannten Vertreter aus dem Tier- und Pflanzenreich auf ihren Bedrohtheitsgrad überprüft werden. 2011 konnten fast alle Säugetiere und Vögel untersucht werden und die Ergebnisse waren gravierend: 25% aller Säugetiere sowie 13% aller Vögel sind als vom Aussterben bedroht eingestuft.

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Andenken und Mitbringsel gehören zum Urlaub wie das Salz zur Suppe. Viele dieser Souvenirs stammen aber häufig von geschützten Tier- und Pflanzenarten und unterliegen deswegen strengen Aus- und Einfuhrbestimmungen. Aufgrund der ökologischen Folgen sowie der drohenden Strafen am Zoll ist vom Erwerb solcher Produkte dringend abzuraten.