Bio für jeden Geldbeutel

Bioladen am Kollwitzplatz, Berlin-Prenzlauer Berg

Leider sind biologisch erzeugte Nahrungsmittel und Kosmetik teurer als herkömmlich produzierte Waren. Allerdings steckt in dieser Aussage ein Mißverständnis: Eigentlich sind nicht die Bio-Zutaten zu teuer, sondern die konventionellen Produkte sind zu billig.

Autor Jenny Louise Becker, 06.02.08

Dem Verbraucher wird vorgegaukelt, dass Essen nichts kosten muss und künstlich ein extrem niedriger Verbraucherpreis geschaffen – durch Subventionen und Abstriche bei der Qualität. Das geht auf Kosten der Qualität der Produkte und der Menschen, die in der Produktion tätig sind. Beim Fleisch ist das besonders augenfällig: Hier wird das Leid der Tiere in Kauf genommen, nur um den Preis zu drücken. Es spricht viel dafür, Bioprodukte zu bevorzugen.

Warum eigentlich Bio?

  • Schmeckt besser und hilft dem Umland : Bio-Produkte sind rein, natürlich und voller im Geschmack. Der Kauf von (regionalen) Bio-Produkten unterstützt die Bauern des Umlands und fördert eine intakte Umwelt.
  • Wellness pur: Bio-Lebensmittel sind besonders reich an Vitaminen, Mineralstoffen und gesundheitsfördernden Flavonoiden.
  • Gentechnik? Nein danke! Bio-Qualität braucht keine Hilfe aus dem Genlabor.
  • Kein Antibiotika & Co. Der vorbeugende Einsatz von Medikamenten sowie Leistungs-
förderern und Wachstumshormonen ist nicht erlaubt.
  • Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutz-
und Düngemittel: Ökopflanzen gedeihen auch ohne Chemie
  • Glückliche Tiere: Ökotiere wachsen mit viel Auslauf an frischer Luft, guten Hygiene-Bedingungen und artgemäßem, gesundem Biofutter heran.
  • Erhalt der natürlichen Ressourcen: Der Ökolandbau schützt Boden, Wasser und Luft, fördert die Bodenfruchtbarkeit und erhält die Artenvielfalt.

(Quelle: Bio-Company)

Wer bietet Bioprodukte an?

Die günstigsten Bio-Marken, die aber lediglich der EG ÖkoVerordnung und nicht den Zertifikaten des Naturfachhandels entsprechen, bieten Discounter wie plus (BioBio), Aldi (Prima Bio), Penny (Naturgut) und Lidl (Bioness) an. Allerdings ist das Angebot hier trotz stetiger Erweiterung in den letzten Jahren immer noch auf eine bestimmte Auswahl begrenzt.

Wer einmal einen Bioladen/ Biosupermarkt betreten hat, weiß um das reichhaltige Sortiment. Hier sind die verschiedensten Getreidesorten, besondere Gewürze, kunterbunte Säfte erhältlich, die kein Discounter im Programm hat. Bio-Supermarktketten wie Alnatura-Supermärkte, Bio-Company, Basic u.a. bieten ausschließlich Bioprodukte an und sind aufgrund ihrer Größe in der Lage, ihre Produkte günstiger als der Naturfachhandel an der Ecke zu verkaufen. Damit liegen sie preislich zwischen den Biomarken vom Discounter und dem Naturkostfachhandel.

Die Naturkostfachhandel oder Bioläden waren bis vor wenigen Jahren die einzigen Orte, wo Bioprodukte erhältlich waren. Sie sind meist kleinere Läden mit einem exklusiven Warenangebot, zumeist mit einem Schwerpunkt auf regionalen Produkten. Aufgrund der Größe sind die Preise hier meist etwas höher als in den Supermärkten.

Wo kaufe ich ein?

Bei der Wahl des Einkaufziels gibt es einiges zu bedenken. Als Faustregel gilt: wer nicht jeden Cent zweimal umdrehen muss, sollte auf die Förderung des lokalen Kleinhandels achten. Die Tendenz weg vom Klein- oder Familienunternehmen hin zu Großketten a la H&M, Tengelmann und Deichmann-Schuhen, die bereits jede Einkaufszone Deutschlands gespenstisch geklont erscheinen lassen, sollte man zumindest kritisch wahrnehmen.

Buchbesprechung: ‚Die Billig-Lüge‘ von Franz Kotteder – Vom latenten zum ganz konkreten Unbehagen an der Geiz-ist-geil-Mentalität‘

Neue Masche: Qualitätssiegel und Biomarken der Billigheimer (über Lidl): Wenn nun im Mittelpunkt der Imagekampagne vor allem das Qualitätssiegel QS (Qualität und Sicherheit) sowie die hauseigene neue Biomarke „Bioness“ stehen werden, so vermutet man, dass es sich hier nach den diversen Lebensmittelskandalen der letzten Jahre vor allem um eine Reaktion auf das zunehmende Qualitätsbewusstsein des Verbrauchers handelt. Und dennoch sollte man wachsam bleiben, zumal die Bauern jetzt schon beklagen, dass ihnen die Teilnahme am QS bislang nur dokumentarischen Aufwand aber keinesfalls mehr Gewinn einbringe. Vielmehr scheint die Aktion schon wieder dafür missbraucht zu werden, diejenigen, die sich nicht daran beteiligen, noch weiter im Preis zu drücken. Wenn wir künftig also qualitativ ausgezeichnete Ware oder Bioprodukte zu günstigsten Preisen erstehen können, so sollten wir nicht vergessen: „Alles was furchtbar billig ist, ist es deshalb, weil irgendjemand anders dafür draufzahlt, sei es Mensch oder Tier. Mit seiner Gesundheit, seinen Lebensverhältnissen und unter Umständen vielleicht sogar mit seinem Leben. Und es ist wahrscheinlich, dass das Pendel eines Tages zurückschlägt.“

Neben der Beachtung des lokalen Kleinhandels ist es auch empfehlenswert, auf die Herkunft der Bioprodukte zu achten. Lokale Produkte sind weitgereisten vorzuziehen, da so energie- und ressourcenaufwändige Transportwege vermieden werden und die lokale Infrastruktur unterstützt wird.
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Weitere Zeichen und Siegel

Die EG-Öko-Verordnung und die strengen Kontrollen verhindern Täuschung und unlauteren Wettbewerb. So kann sich der Verbraucher darauf verlassen, dass wo „Bio“ oder „Öko“ draufsteht auch tatsächlich Bio drin ist.

Konkret heißt das: Wenn in der Verkehrsbezeichnung Bio erscheint, muss das Produkt den Bestimmungen der EG-Öko-Verordnung genügen.

Ein weiteres wichtiges Erkennungsmerkmal ist die Kennzeichnung des Produktes mit der Codenummer und / oder dem Namen der zuständigen Kontrollstelle, wie beispielsweise „DE-099-Öko-Kontrollstelle“. Diese war ursprünglich für die Lebensmittelüberwachung und weniger zur Orientierung des Verbrauchers gedacht. Deshalb kann sie sehr klein und versteckt auf der Packung platziert sein.

Zusätzlich dürfen Waren auch mit dem Hinweis „Ökologische Agrarwirtschaft – EG – Kontrollsystem“ ausgezeichnet werden. Darüber hinaus gibt es in Deutschland weit über 100 Öko-Marken und Warenzeichen, die ein Ökoprodukt eindeutig kennzeichnen. Dazu gehören die Zeichen der anerkannten Anbauverbände:
 BIOKREIS, BIOLAND, BIOPARK, ECOLAND, ECOVIN, DEMETER, GÄA, NATURLAND.
 Seit September 2001 existiert ein bundesweites gemeinsames Bio-Siegel.

Das Siegel der EG- Ökoverordnung

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Dieses Siegel hat sich deutschlandweit durchgesetzt und hält sich an die Kriterien der EG- Ökoverordnung. Diese verbietet beispielsweise den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln und gentechnisch veränderten Organismen. Außerdem verlangt sie eine artgerechte Tierhaltung und Futtermittel dürfen keine Antibiotika oder Leistungsförderer enthalten. Das Siegel stellt aber nicht die differenzierten Anforderungen an Ökologischen Anbau wie es die Verbandszertifikate tun, die noch höhere Anforderungen an Tierhaltung und Verarbeitung haben. Um dieses Siegel zu erhalten reicht eine ökologische Teil-Bewirtschaftung aus.

Topsicher: Die Verbandszertifikate

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Das neue EU-Siegel

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Seit dem 1.7.2010 werden Bio-Produkte aus kontrolliert biologischem Anbau europaweit mit dem neuen „Euro-Blatt“-Biosiegel gekennzeichnet. Die nationalen Biosiegel dürfen zusätzlich weiter verwendet werden. Das Siegel soll es einfacher machen, auch ausländische Bio-Produkte zu erkennen und von unseriösen, nichtssagenden Verwirr-Siegeln zu unterscheiden. Für Produkte mit dem neuen EU-Bio-Logo gelten die Richtlinien des in Deutschland etablierten Bio-Siegels. Neu im Vergleich zu dem bisherigen Bio-Siegel ist, dass auch die Herkunft der verwendeten Rohstoffe angegeben werden muss.

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