BeverGreen braut eine grünere Zukunft für die Getränkeindustrie

Die Getränkeindustrie wird als CO2-Emittent oft übersehen. BeverGreen hofft, die Branche mit einem digitalen Zwilling zu verbessern.

Autor*in Lana O'Sullivan:

Übersetzung Sarah-Indra Jungblut, 27.08.25

Der Weg in eine nachhaltigere Getränkeindustrie geht weiter, als nur die Flasche und den Verschluss zu recyceln. Aber die wahren Umweltkosten der Getränkeindustrie werden oft übersehen. Zwar geben die Unternehmen einige Emissionen an. Aber die Branche versäumt es regelmäßig, ihre gesamte Wertschöpfungskette zu berücksichtigen. Im Jahr 2022 hatte die Getränkeindustrie schätzungsweise einen Anteil von rund 3,8 Prozent an den globalen CO2-Emissionen, hauptsächlich durch die Verarbeitung von Rohstoffen, die Herstellung der Verpackung und den Transport. Das entspricht etwa 1,5 Milliarden Tonnen CO2-Äquivalente. Diese Zahl dürfte jedoch nur 23 bis 47 Prozent der Gesamtmenge ausmachen. Die Scope-3-Emissionen (indirekte Emissionen aus der gesamten Wertschöpfungskette) werden bekanntermaßen nur unzureichend erfasst.

Der zunehmende Druck durch Klimaschutzinitiativen sowie steigende Energie- und Rohstoffkosten bringen einige Unternehmen jedoch dazu, ihre Produktionsprozesse zu überdenken. Viele setzen dabei auf digitale Lösungen.

Mit Daten zur Dekarbonisierung der Getränkeindustrie

Das Forschungsprojekt BeverGreen ist im Mai 2023 gestartet ist und soll bis April 2026 laufen. Das Ziel: Ein Modell zur Analyse des Energie- und Ressourcenverbrauchs sowie der Materialkreisläufe insbesondere in Brauereien zu entwickeln. Es handelt sich um eine Zusammenarbeit mehrerer Partner, wobei das RIF Institut für Forschung und Transfer e.V. die Projektabwicklung übernimmt und die Bitburger Braugruppe, Augustiner-Bräu Wagner und die Technische Universität München Fachwissen, Daten und Einrichtungen zur Verfügung stellen.

Die Prämisse ist einfach: Was man nicht messen kann, kann man auch nicht managen. Wenn man beispielsweise genau weiß, wo Energie verbraucht und vor allem verschwendet wird, lassen sich leichter Wege finden, um Prozesse zu optimieren und damit den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Der Schlüssel zu dieser Transparenz ist ein sogenannter „grüner digitaler Zwilling”.

Was ist ein grüner digitaler Zwilling?

Einen digitalen Zwilling kannst du dir als virtuelle Kopie von etwas Realem vor – in diesem Fall einer Brauerei oder einer Getränkefabrik. Ein grüner digitaler Zwilling geht noch einen Schritt weiter und verfolgt und analysiert speziell Umweltdaten. Er untersucht beispielsweise:

  • Wie viel Energie wird von verschiedenen Maschinen und Prozessen verbraucht
  • Wie viel eigene Energie erzeugt eine Anlage (wenn überhaupt)
  • Wie viel Kohlendioxid wird von der Anlage ausgestoßen?

Ein grüner digitaler Zwilling kann nützlich sein, weil im besten Fall damit Geld, Zeit und Ressourcen gespart werden, die für das Testen von Materialien und Prozessen in Echtzeit aufgewendet werden müssten. Stattdessen können Funktionen in einer sicheren, virtuellen Umgebung getestet werden.

So funktioniert BeverGreen

Die Daten eines Unternehmens kann man sich als eine riesige Bibliothek vorstellen, in der alle Bücher wahllos gestapelt sind. Das Auffinden bestimmter Informationen, wie beispielsweise den genauen Energieverbrauch für ein bestimmtes Produkt, wäre ein Albtraum. Das ist heute eine häufige Herausforderung für viele Unternehmen.

BeverGreen versucht, dieses Problem zu lösen, indem es eine superorganisierte Bibliothek speziell für alle energiebezogenen Informationen eines Getränkeherstellers erstellt. Dazu gehören der Energie- und Ressourcenverbrauch, Produktions- und Logistikprozesse sowie Betriebsdaten von Partnern. Das System fungiert nicht nur als Organisationsinstrument. Es übersetzt diese oft unübersichtlichen Daten in eine klare, standardisierte Sprache, die von Computern leicht gelesen werden kann. Diese Daten werden dann verwendet, um grüne digitale Zwillinge zu erstellen, die dabei helfen, genau zu ermitteln, wo und wie Verbesserungen vorgenommen werden können.

Nach Abschluss des Projekts 2026 sollen die Ergebnisse aktiv mit Wissenschaftler:innen und der Industrie geteilt werden, um die weitere Entwicklung voranzutreiben.

Bisherige Fortschritte – und Hoffnung für die Zukunft

Das BeverGreen-Projekt hat seit seinem offiziellen Start im Mai 2023 bedeutende Fortschritte gemacht. Dazu zählen regelmäßige Konsortialtreffen, ein Hackathon im Januar 2024 zur Weiterentwicklung des grünen digitalen Zwillings und zur Integration von Energiedaten sowie ein Treffen in Regensburg im März 2024. Hier wurden wichtige Meilensteine und die weitere Entwicklung der Technologie diskutiert.

Letztendlich ist es das Ziel von BeverGreen, ein reproduzierbares Modell dafür zu entwickeln, wie die Getränkeindustrie – und möglicherweise auch andere Branchen wie die Lebensmittelindustrie, die Fertigungsindustrie und der Einzelhandel – zu einem ressourceneffizienteren und CO2-neutralen Betrieb übergehen können.

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