Baumhaft schöne Ideen zur Bekämpfung rasanter Wüstenbildung

Die holländische Firma Groasis entwickelt denkbar einfache Lösungen zur Wiederaufforstung degradierter Böden - einem der größten globalen Problemfelder unserer Zeit!

Autor Simon Dupree, 24.11.16

Wenn Böden degradieren, sind sie krank; werden sie zur Wüste, bedeutet das ihren Tod. Der Boden ist eines der Schlüsselelemente um Nahrungsmittel zu erzeugen. Doch die Böden der Erde sind bedroht und jedes Jahr gehen 25 Milliarden Tonnen wertvoller Bodenkrume für immer verloren. Der Grund dafür sind Degradierung, Zerstörung der Wälder, Überweidung und Erosion (unric.org). Jene Prozesse beeinflussen zudem klimatische Veränderungen! 

In einigen Regionen ist der Klimawandel besonders spürbar. So beispielsweise in Westafrika. Dort werden Klimaveränderungen durch Raubbau am Tropenwald zusätzlich verstärkt. Es wird davon ausgegangen, dass bereits 75% des westafrikanischen Tropenwaldes verschwunden sind. Der Taï-Nationalpark im Südwesten der Elfenbeinküste – seit 1982 UNESCO-Weltnaturerbe – ist mit 5.500 Quadratkilometern das letzte verbliebene großflächige Regenwaldareal Westafrikas (wwf.de).

Der Trend der Ressourcendegradierung in Westarfika ist verheerend: Einerseits breitet sich die Wüste mit einer Geschwindigkeit von 2,5 km pro Jahr immer mehr nach Süden aus, andererseits reißen sintflutartige Regenfälle wertvollen Boden mit sich. Die unwiederbringliche Zerstörung der Wälder schreitet unaufhaltsam weiter voran. Der Einfluss dieser Situation auf die Umwelt und damit einhergehend auf die Lebensqualität, zwingt NGOs, staatlichen Organisationen und ganze Bevölkerungen, Aktionen für die Wiederherstellung des Naturgleichgewichts zu unternehmen (plea-ev.de).

Die Bekämpfung von Erosion in zivilisationsbedingt zunehmenden Wüsten durch Wiederaufforstung ist immens wichtig und ein globales Anliegen. Aufforstung im Kampf gegen Wüstenbildung und Armut bringt elementare Vorteile mit sich. Bei einer ausreichend grossen Baumdichte schützen die Wurzeln den Boden vor Erosion, speichern Feuchtigkeit und halten das Grundwasser. Bäume binden zudem Kohlenstoff und spenden Schatten, der zugleich die Austrocknung verringert. Durch die richtige Pflanzenwahl kann der degradierte Boden nach einiger Zeit wieder fruchtbar gemacht werden. Wiederaufforstung ist demnach ein Weg, um die Ernährung der Bevölkerung zu sichern und dringend notwendig, will man den Kindern in diesen Ländern eine gesicherte Zukunft geben (baublatt.ch).

Was klimatische Bedingungen betrifft, so ist Wiederaufforstung in manchen Gebieten eine wahre Challenge. Nicht nur degradierte Böden, sondern wenig Niederschlag, hohe Temperaturen und starke Winde machen Aufforstungsvorhaben schwierig bis unmöglich. Unmöglich? 

 

Das Groasis-Konzept: Water- und Greenboxx

 

Eine niederländische Firma namens Groasis will eine Antwort auf das Problem der fortschreitenden Wüstenbildung gefunden haben. Vor bereits vier Jahren gewann ihre mehrfach nutzbare „Waterboxx“ aus Polypropylen den Popular Science Award für „Best of What’s New – Innovation of the Year 2010“. 

Die Waterboxx wurde von dem Lilienzüchter Pieter Hoff erfunden und kann auf jeder Art von trockenem Gelände ohne Bewässerung aufgestellt werden. Sie hat die Grösse eines Motorradreifens und besitzt eine Öffnung in der Mitte, die einen Setzling oder Samen umrandet, der in die Erde gepflanzt wird. Das Verfahren basiert auf einer einfachen Kunststoffschüssel, die die Feuchtigkeit aus der Luft sammelt und dosiert an die Pflanze abgibt. Die Schüssel besteht aus zwei Kammern: In der unteren Kammer befinden sich Wasserbehälter, die obere Kammer dient als isolierende Luftschicht. Dadurch bleiben die Boxen kühler als die Umgebungsluft, so dass die Luftfeuchtigkeit am Deckel der Box kondensieren kann. Der intelligente Wasserinkubator produziert und fängt also Wasser aus der Luft mittels Kondensation und vom Regen ein, ohne dabei Energie zu verbrauchen. Gleichzeitig werden über einen kerzenähnlichen Docht am Boden der Box langsam Wassertropfen in den Boden geleitet und verdunsten nicht mehr. Diese sparsame Bewässerung bewirkt, dass die Wurzeln sich so tief wie möglich in den Boden graben. Ist die Pflanze erst einmal ausreichend verwurzelt, kann die Waterboxx für neue Setzlinge verwendet werden (heise-gruppe.de und ots.at). 

Mit der Zeit entwickelte Groasis mit der so genannten Greenbox aus recyceltem Papier eine noch umweltfreundlichere Alternative.  Mit ihr kann fast ohne jegliche Bewässerung ein Baum in der Wüste gepflanzt werden kann. Nach Angaben des Unternehmens können dabei bis zu 97 Prozent Wasser beim Pflanzen gespart werden. Die Greenbox zersetzt sich nach einem Jahr auf natürliche Weise und dient sogar als Dünger für den Baum.

Groasis-Produkte wie die Waterboxx kommen international in vielen spannenden Aufforstungsprojekten zum Einsatz. In Barcelona werden beispielsweise mit Efeu und Bougainvillea bepflanzte Zäune errichtet, um Staubpartikel zu absorbieren. In Kenia wird mit Lebensmittel erzeugenden Büschen experimentiert. In Frankreich werden die schneebedeckten Berge in Léon neu aufgeforstet und in der marokkanischen Sahara sind Experimente mit früchtetragenden Bäumen geplant. In Kalifornien ist die Waterboxx im Bereich Weinbau genutzt.

Man sieht: Die Anwendungsmöglichkeiten, um Klimawandel, Abholzung und Bodendegradierung entgegenzuwirken sind vielzählig und durchaus sinnvoll.

Wie die Waterboxx hierzu in einem Projekt in Spanien beiträgt zeigt dieser Clip:

 
Seawater Greenhouse: Eine Wüste voller Pflanzen

Große Gewächshäuser, in denen Pflanzen mit entsalztem Meerwasser bewässert werden. Dazu Solaranlagen, die sauberen Strom erzeugen und zusätzliche Trinkwasserherstellung - das klingt wie ein Traum.