Mobotiq: Autonome E-Dreiräder zum Selberbauen

So sehen die ersten Prototypen des Dreirads aus

Das französische Startup Mobotiq will den urbanen Nahverkehr dezentralisieren - mit DIY-Fahrzeugen und der Ethereum-Blockchain.

Autor RESET , 27.03.18

Übersetzung RESET :

Wie würde eigentlich eine Welt aussehen, in der niemand mehr ein eigenes Auto besitzt? Vielleicht so: Statt nach dem Schlüssel zu kramen, zückt man das Smartphone und bestellt ein autonomes Fahrzeug per App, wenn man es braucht. Innerhalb von drei Minuten kommt es angerollt und fährt einen innerhalb der Stadt überall dort hin, wohin man möchte. Ist man mit Freunden unterwegs, können sich die Fahrzeuge miteinander verbinden und in der Gruppe umherfahren.

Genau dieser Vision geht das Startup Mobotiq nach. Das französische Startup feilt momentan an einem dezentralen Netzwerk von autonomen E-Fahrzeugen für die Mobilität von morgen. Anstelle sich dabei auf die Provision staatlicher Infrastrukturen zu verlassen, setzt das Startup auf Peer to Peer – ein Netzwerk aus der Nutzer-Community. Das bedeutet, dass die Nutzer des Dienstes selbst aktiv bei der Gestaltung der Fahrpläne werden, anders als beim ÖPNV, der von der Stadt oder der Gemeinde am Laufen gehalten wird.

Möglich machen soll das ein Sharing-Netzwerk, welches auf der Ethereum-Blockchain aufgebaut wird. Die Technologie erlaubt es, Anreize für Nutzer zu schaffen, sich selbst zu organisieren. Konkret heißt das, dass Nutzer Fahrzeuge selbst bauen und so immer mehr neue Städte mit der Idee für sich einnehmen sollen. Mobotiq wirbt mit “design it, build it, make it real”.

Eine Alternative zum eigenen Auto

Die Mobotiq-Fahrzeuge sind deutlich kleiner und effizienter als herkömmliche „Big Cars“. Darüber hinaus sollen die DIY-Stromer durch ihren modularen dreirädrigen Aufbau einfach zu warten und zu reparieren und dadurch langlebiger sein. Im Prototyp mit drei Rädern finden ein oder zwei Fahrgäste Platz, grundsätzlich wären aber auch andere Fahrzeugtypen für mehr Passagiere möglich.

Bis jetzt hat das Startup jedoch noch nicht verraten, wie seine eigene Rolle in so einem dezentralen Netzwerk aussehen könnte. Und es ist nicht die einzige Firma, die autonome Vehikel durch die Gegend schicken möchte, auch Googles Schwester Waymo oder Uber haben das vor – allerdings nicht mit von den Nutzern selbst konstruierten Fahrzeugen.

Es wird in jedem Falle noch eine ganze Weile dauern, bis die Vision der P2P-Flotte von Mobotiq wahr wird: In Paris soll es zum ersten Testlauf kommen, der Erfolg hängt aber einzig und allein von den Nutzern des Netzwerks ab, ob diese auch wirklich aktiv das Wachstum von Mobotiq mitgestalten möchten. Dieses Jahr soll zunächst das Konzept erprobt werden. 2019 möchte das Startup bereits voll funktionsfähige E-Dreiräder auf die Straßen bringen, die ganz legal genutzt werden dürfen. Gleichzeitig sollen die Nutzer dann mit der Produktion der E-Dreiräder beginnen. Bis 2020 wünscht sich das Startup ein Netzwerk aus 50.000 Peers, 4.000 Fahrzeugen in Paris und 30 aktiven Produzenten der Fahrzeuge.

Es bleibt fraglich, ob die finanziellen Anreize, die über die Blockchain geschaffen werden, hoch genug sind, um Nutzer dafür zu begeistern, ihre eigenen Fahrzeuge zu bauen und diese dann tatsächlich auch dem Community-Netzwerk zur Verfügung zu stellen.

Eins ist allerdings klar, egal ob selbstgebautes E-Dreirad oder Tesla: Damit Mobilität wirklich nachhaltig sein kann, müssen wir uns nicht nur von Diesel und Benzin verabschieden und auf Strom aus erneuerbare Energiequellen umsteigen – wir müssen uns auch unsere bisherige Vorstellung von Besitz überdenken. Und auch in ein Sharing-E-Auto sollten wir nur dann steigen, wenn wir unbedingt darauf angewiesen sind. Ansonsten tut’s auch das Fahrrad!

Du möchtest mehr über die Mobilität von morgen erfahren? Dann schau doch mal in unser Special zu E-Mobility!

MARKIERT MIT
Ein eigenes Auto? Mit dieser App bald nicht mehr nötig!

Die litauische App Trafi bringt Schwung in die Verkehrswende, indem sie die Nutzung von geteilten und öffentlichen Verkehrsmitteln extrem vereinfacht. Auf einen Blick finden Nutzer alle Informationen und können sogar direkt bezahlen.

WeNow: Diese App hilft dir, besser Auto zu fahren (und das Klima zu schützen)

Du willst Sprit sparen und die Umwelt schonen? Ein besserer Fahrstil könnte da wahre Wunder bewirken. Eine App aus Frankreicht zeigt, wie's geht!

Veemo: ein Velomobil zum Leihen

Carsharing gibt es schon, Bikesharing gibt es schon – und nun auch etwas dazwischen. Veemo ist ein dreirädriges Leih-Pedelec mit Dach.

Eine futuristische Hochbahn für E-Bikes

Eine überdachte Hochstraße mit KI-Features nur für Elektro-Zweiräder? Dieses visionäre Konzept wurde jüngst von BMW präsentiert.

Macht ein E-Auto Sinn? Mit zwei neuen Tools kannst du das checken

Wie hoch sind die Kosten eines Elektrofahrzeugs im Vergleich zu einem Diesel- oder Benzin-Fahrzeug? Wie viele CO2-Emissionen kann ich einsparen, wenn ich auf Elektromobilität umsteige? Mit nur wenigen Klicks geben die neuen Tools des Öko-Instituts Antworten.

Blockchain – Eine neue Technologie mit großem Potenzial für eine nachhaltige Entwicklung?

Die Blockchain ist „eine der bedeutendsten Errungenschaften der Wissenschaft in den letzten 100 Jahren“, so der Schweizer Computerwissenschaftler Prof. Dr. Roger Wattenhofer. Für den Netscape-Gründer Marc Andreessen ist sie „[...] das dezentrale Vertrauensnetzwerk, das das Internet schon immer gebraucht und bislang entbehrt hat.” Wer schon einmal mit dem Begriff Blockchain in Berührung gekommen ist, kennt ihn aller Voraussicht nach im Zusammenhang mit der digitalen Währung Bitcoin. Doch was steckt hinter dieser Technologie und wie funktioniert sie?

fotolia_c_wellphoto
© Fotolia/ wellphoto
Grün von A nach B: Werde jetzt Teil der elektromobilen Bewegung

Du willst nachhaltiger unterwegs sein? Dann gestalte deinen Alltag elektromobil. Wir haben ein paar Möglichkeiten, Anbieter und hilfreiche Anwendungen dafür zusammengestellt.

Ökobilanz E-Mobility: Auf die Stromquelle und die langfristige Nutzung der Batterie kommt es an

Von A nach B mit einem E-Mobil wird aktuell als die umweltfreundlichste Fortbewegungsart gehandelt. Doch wie steht es darum wirklich? Wir haben uns die Ökobilanz strombetriebener Vehikel einmal genauer angeschaut.

E-Mobilität: Mit sauberer Energie ans Ziel

Elektromobilität entwickelte sich in den vergangenen Jahren eher schleppend. Doch nun endlich kommt Bewegung in die Sache! Wie ist der Status quo, wo liegen die Hürden und Potenziale beim Plan E?