Plastikflaschen, Schlamm und Fischernetz = ein Haus

Mit einer simplen, aber hocheffektiven Technik schafft die NGO Samarpan Foundation mithife von Locals erdbebensichere, langlebige und günstige Häuser!

Autor Simon Dupree, 19.01.17

Für Plastik, oft ein Wegwerfprodukt mit nur einmaliger Nutzung, werden wertvolle Ressourcen verbraucht und die Umwelt verschmutzt. In puncto Recycling kann Deutschland als Land des Grünen Punkts und des Gelben Sacks als Vorreiter bezeichnet werden: Hier landet heute kaum noch Abfall auf Deponien. Der Großteil des Plastikmülls wird eingeschmolzen und neu verarbeitet oder zusammen mit dem Restmüll verbrannt. 

In anderen Ländern Europas sieht die Situation anders aus: In England wird z.B. nicht mal ein Drittel des Plastiks recycelt. Und in weniger entwickelten Ländern ist man von dem Gedanken des Plastik-Recyclings noch sehr viel weiter entfernt.

Die Folge: Plastiktüten, PET-Flaschen, Plastikverpackungen und andere Einweg-Plastikprodukte lassen den Plastikmüll an Land und in den Meeren anwachsen. 

Ein Grund, weshalb Kunststoffe heute vielerorts Holz, Leder und Metalle ersetzt haben, ist ihre Haltbarkeit. Plastik vermodert nicht, es verrottet nicht, es zerfällt nicht, oder jedenfalls nur sehr langsam – Fluch und Segen zugleich.

Glücklicherweise gibt es gute Ansätze für effektives Re- und Upcycling von Plastikmüll. RESET berichtete bereits über verschiedene, innovative Konzepte, die eine nachhaltige Verwendung von Plastikmüll ermöglichen.  

Ein weiteres Beispiel aus diesem Bereich stellt die einzigartige Hausbautechnik der indischen NGO Samarpan Foundation dar.

Das Samarpan Konzept: Aus Plastikflasche werde Ziegelstein, aus Fischernetz ein Stahlgerüst

Anstelle von Ziegelsteinen werden PET-Flaschen für den Hausbau verwendet. Weggeworfene Flaschen werden gesammelt, per Hand nach Größe sortiert, mit Sand, Lehm oder Schlamm bis oben hin gefüllt und versiegelt. Die PET-Ziegel werden sodann einbetoniert und verputzt. Eine weitere Besonderheit: Anstatt von Stahl werden Nylon-Fischernetze verarbeitet. 

Wer nun denkt, dass diese Gebilde nicht so stabil wie Häuser aus herkömmlichen Ziegeln wären: Die PET-Häuser werden sogar in den am stärksten von Erdbeben gefährdeten Regionen eingesetzt. So beispielsweise direkt nach dem katastrophalen Erdbeben in Nepal 2015. Dortige PET-Häuser halten Erdbeben bis zu einem Wert von 9.8 auf der Richter-Skala stand. Die PET-Ziegel sind also nahezu unzerstörbar, feuerbeständig und haben zudem sehr gute Dämmeigenschaften.

Daneben weisen PET-Häuser weitere Vorteile auf: 

  • Langlebigkeit: Der Zersetzungsprozess einer PET-Flasche benötigt über 1500 Jahre.

  • Ökologisch wertvoll: Die Baumethode wirkt dem Plastik-Müllproblem entgegen und transformiert ein Wergwerfprodukt in eine wertvolle Ressource. Durch den Verzicht auf Stahl und Ziegelsteine werden zudem etliche Emissionsgase, die bei deren Produktionsprozessen anfallen würden, eingespart.

  • Ökonomisch unschlagbar: Aus PET-Müll und Nylon-Fischernetz (ca. 1 Prozent des Stahlpreises) kann auch in den ärmsten Regionen effektiv gebaut werden.

  • Arbeitsplatzgenerierung und soziale Stärkung: Der low-cost Häuserbau bringt Arbeitsplätze und Empowerment auch in ökonomisch, politisch und geographisch benachteiligte Regionen.

Das Team von Samarpan implementierte die innovative Technologie neben Nepal auch bereits in Indonesien, Bangladesch, Indien in verschiedensten Bauprojekten, angefangen bei kleinen Eigenheimen bis hin zu mittelgroßen Krankenhäusern. Für ein 100 Quadratmeter großes PET-Haus benötigt man in etwa 14.000 Plastikflaschen. 

Die Menge der Plastikflaschen sollte nicht das Problem sein, bedenkt man, dass alleine in den USA an die 130 Millionen PET-Flaschen jeden Tag weggeworfen werden. 

Brauchbare Tipps zur Vermeidung von Plastikmüll gibt´s hier.

Conceptos Plásticos bekämpft Wohnungsnot mit Ziegeln aus Plastikmüll

In vielen armen Ländern gibt es großen Wohnungsmangel und wenig Baustoffe. Dafür aber Tonnen von Plastikmüll. Ein Startup aus Kolumbien löst zwei Probleme auf einmal – und fertigt Baumaterialien aus Kunststoffabfällen.

Ein Waschsack gegen Mikroplastik

Umweltkiller Waschgang: Besonders bei synthetischer  Kleidung lösen sich bei jedem Waschen kleinste Plastikpartikel aus der Kleidung und schwimmen ungehindert in den Wasserkreislauf. Der recyclebare Waschsack „Guppy Friend“ kann das verhindern.

DIY Plastik Recycling? Dieses Open Source Kit macht Müll wieder wertvoll

Probleme in die eigene Hand nehmen - manchmal leichter gesagt als getan. Das Precious Plastic Projekt bietet open source Anleitungen, um eigene Plastik-Recycling-Maschinen zu bauen. 

Die Straßen sind mit Plastik asphaltiert

Das Startup MacRebur richtet seinen Blick auf die Straßen der Welt. Durch eine „magische Formel“ sollen nicht nur die Auswirkungen des Straßenbaus und dessen Instandhaltung auf die Umwelt minimiert werden, sondern auch das Plastikmüllproblem. Und nebenbei sollen auch noch Steuergelder gespart werden. Wie geht das?

Mikroplastik in Kosmetik: Selbstverpflichtung reicht nicht

Viele große Firmen haben freiwillig dem Verzicht von Mikroplastik in Kosmetik zugestimmt. Eine Untersuchung von Greenpeace zeigt aber: Viele Hersteller umgehen die Selbstverpflichtung und verwenden in ihren Produkten weiterhin die umweltschädlichen Kunstoffpartikel.

cleanup1
The Ocean Cleanup
The Ocean Cleanup und die Seekuh sammeln Plastikmüll im Meer

Saubere Sache: Dieses Jahr gehen gleich zwei vielversprechende Projekte an den Start, die die Ozeane vom Plastikmüll befreien könnten. Die Rede ist von der Seekuh der Initiative ONE earth - ONE ocean und der erste große Teststart des OCEAN Cleanup Systems.

plastikschildkrote
©
Du hast genug vom Plastikwahn? Es geht auch anders!

Weltweit werden jährlich über 600 Milliarden Plastiktüten verbraucht, davon allein in Deutschland etwa sechs Milliarden. Nicht nur Tüten, auch PET-Flaschen, Plastikverpackungen und andere Einweg-Plastikprodukte lassen den Plastikmüll an Land und in den Meeren anwachsen. Doch dagegen läst sich etwas tun!

Plastic Ocean – Plastikinseln im Meer

Täglich produzieren wir gewaltige Mengen an Müll, ein großer Teil davon besteht aus Plastik. Dieses sehr langlebige Material landet in unseren Meeren und sammelt sich dort zu Plastikinseln von enormen Ausmaßen. Das ist nicht folgenlos für unsere Ozeane und seine Bewohner.