Mit anderen Augen sehen: Google Glass gegen Wilderei

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Screenshot: Youtube "Google Glass Explorer Story"

Die Daten-Brille des Internetgiganten Goolge kann hilfreiche Daten liefern, die zum Schutz der stark bedrohten Tiger- und Nashornpopulationen Nepals beitragen. Die Naturschutzorganisation WWF testet im Himalaya derzeit Google Glass, um Wissenschaft und Behörden vor Ort gleichermaßen bei der Wildtierbeobachtung und im Kampf gegen Wilderei zu helfen.

Autor Hanadi Siering, 11.08.14

Die Arbeit von Feldforschern und Tierschützern kann durch den Einsatz Googles neuer Technologie um einiges erleichtert werden. Beobachtungen können live aufgenommen, Fotos geschossen, Notizen gemacht, GPS Locations für die Beobachtung von Nashörnern und Co. gespeichert werden – und das alles mit freien Händen. Die gesammelten Daten können Wissenschaftlern und Behörden gleichermaßen helfen, die Lebensräume und das Verhalten bedrohter Arten zu beobachten und darauf basierend Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Nashörner werden meist wegen ihrer Hörner gejagt und getötet. Diese werden beispielswese zu Souveniers verarbeitet, gegen Waffen getauscht oder als Medizin verarbeitet. Warum der Wildtierhandel eine ökologische Katastrophe ist und Europa dabei eine wesentliche Rolle spielt, kann im RESET-Artikel Handel mit Exoten nachgelesen werden.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft für Nashörner

WWF Nepals Forschungsleiterin Sabita Malla testet derzeit Google Glass bei ihrer Arbeit und ist gespannt, wie die Zukunft des Kampfes gegen Wilderer und den Erhalt bedrohter Arten wie dem nepalesischem Nashorn durch den Einsatz der Brille positiv beeinflusst werden kann: „Conservation on the ground takes a lot of work, a tremendous amount of dedication and a true passion for nature. My experience with Google Glass allowed me to explore a new field of opportunity and I can’t wait to see where the future takes us.“

Die Beta Version der neuen Technologie Google Glass Explorer wurde dem WWF Nepal im Rahmen des Giving Through Glass Programmes von Google zur Verfügung gestellt.

Das Video zeigt Sabita Malla mit der Google Glass Explorer bei ihrer Feldarbeit:

Die enge Zusammenarbeit der Nepalesischen Regierung und dem WWF scheint Früchte zu tragen: im März 2014 zählte Nepal 365 Tage ohne einen Wilderei-Fall.

Vorsicht: Missbrauch!

Die gesammelten Daten helfen bei der Wildtierbeobachtung und dem Schutz, aber sie könnten – gelangen sie erst einmal in falsche Hände – Unheil anrichten. Wenn beispielsweise die zurückgelegten Wege der Tiere nachvollziehbar werden, ist es ein Leichtes für Wilderer die Tiere aufzuspüren.

Auch im Alltag ist Google Glass mit Vorsicht zu begegnen. Noch ist nicht ganz klar, welche Daten wie von wem gespeichert werden. Außerdem bestehe die Gefahr, dass jeder Brillenräger für einen potenziellen „Spion“ mit Mini-Kameralinse vor dem Auge gehalten werde.

Was die Erforschung und den Schutz von Nashorn und Co. angeht, scheint die Google-Brille ein hilfreiches Instrument zu sein. Bleibt zu hoffen, dass sie sich in diesem Feld durchsetzt und nicht für niedere Zwecke missbraucht wird.

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Fotos statt Tiere schießen – Elefant, Giraffe und Co. hautnah im Internet

Wer schon immer mal Elefanten, Löwen oder Giraffen in freier Wildbahn beobachten wollte, muss sich nicht ins nächste Flugzeug setzen und eine teuere Safaritour machen. Live-Webcams machen es möglich, den ganzen Tag die Tiere der afrikanischen Savanne an ihren Wasserstellen hautnah zu beobachten.

Bedrohte Arten

Jährlich bringt die Weltnaturschutzunion IUCN (International Union for Conservation of Nature) eine aktuelle Rote Liste von bedrohten Arten heraus, in der die bekannten Vertreter aus dem Tier- und Pflanzenreich auf ihren Bedrohtheitsgrad überprüft werden. 2011 konnten fast alle Säugetiere und Vögel untersucht werden und die Ergebnisse waren gravierend: 25% aller Säugetiere sowie 13% aller Vögel sind als vom Aussterben bedroht eingestuft.

Handel mit Exoten

Vom Aussterben bedrohten Tierarten schwindet nicht nur der Lebensraum, sondern sie sind auch noch vom internationalen Handel gefährdet. Ob sie lebend als zukünftige Haustiere transportiert, zu Souvenirs verarbeitet werden oder als Tauschware für Waffen fungieren – über 120 Millionen Tiere werden jährlich gehandelt. Wildtierhandel ist eine ökologische Katastrophe und Europa spielt dabei eine wesentliche Rolle.