„Alle bekommen die Nachricht jetzt“: Dieses KI-basierte Wetterinformationssystem unterstützt Landwirt:innen in Nepal

Bhotechaur, Bagmati Province, Nepal.

Ein maßgeschneidertes Wetter- und Klimainformationssystem nutzt KI, um nepalesischen Landwirt:innen einen Vorsprung vor Extremwetter zu verschaffen.

Autor*in Lana O'Sullivan:

Übersetzung Sarah-Indra Jungblut, 29.04.26

Das südasiatische Land Nepal ist vor allem dafür bekannt, dass sich dort acht der 14 höchsten Berge der Welt befinden. Tatsächlich ist die Geografie des Landes unglaublich vielfältig, mit Höhenlagen von unter 100 bis über 8000 Metern. Acht unterschiedliche Klimazonen umfassen alles, von schneebedeckten Gipfeln bis hin zu tropischen Wäldern.

Das Land ist dadurch auch extrem anfällig für schnelle Wetterumschwünge. Eine Wetteränderung in den Höhenlagen kann für die landwirtschaftlichen Flächen unten eine Katastrophe bedeuten. Wenn es zu viel, zu wenig oder zu spät regnet, spülen Naturkatastrophen ganze Dörfer und Ernten weg – und das geschieht regelmäßig. „Erst kürzlich, genau an dem Tag, an dem wir gepflanzt haben, kam die Flut und hat alles mitgerissen. […] Am nächsten Tag mussten wir zurückgehen und erneut pflanzen“, sagt der Bauer Chiranjivi Acharya.

Die Landwirtschaft trägt die Hauptlast dieser Instabilität. Sie sichert den Lebensunterhalt von zwei Dritteln der Bevölkerung und ist das wirtschaftliche Rückgrat des Landes. Für die Landwirt:innen entscheiden die Wetterbedingungen darüber, ob es ein ertragreiches oder ein verheerendes Jahr wird. Doch diese lassen sich kaum vorhersagen – und mit der fortschreitenden Klimakrise werden sich die Risiken bis 2030 voraussichtlich fast verdoppeln.

Die Datenlücke

Das Problem liegt nicht unbedingt an einem Mangel an Daten. Das nepalesische Amt für Hydrologie und Meteorologie erstellt Vorhersagen. Das Problem ist jedoch, dass diese Informationen oft nicht mit den Wetterereignissen Schritt halten können. Die Vorhersagen sind oft zu allgemein für Nepals Mikroklima, in denen die Bedingungen von einem Hang zum nächsten stark variieren. Außerdem sind sie für ländliche Gemeinden mit begrenztem Internetzugang nicht zugänglich. Und selbst wenn die Informationen aktuell sind und ein uneingeschränkter Internetzugang besteht, bleiben sie in Regierungsbehörden oder auf technischen Websites isoliert.

Das bedeutet, dass das Pflanzen zu einem Glücksspiel wird. Landwirt:innen beschreiben den Anbau mittlerweile als „Wagnis“ in jeder Saison: zu früh zu säen, kurz vor einem Regenguss zu düngen oder zu spät ernten. Doch Nepals Bevölkerung von 30 Millionen Menschen ist auf erfolgreiche Ernten angewiesen.

Woman Carrying Basket in Rainy Farmland Eine ältere Frau schützt sich während eines Regengusses mit einer provisorischen blauen Plastikplane; Kathmandu, Nepal. 2025

Um das Risiko zu verringern, Ernten zu verlieren, hat Nepal – unterstützt vom Climate Technology Centre and Network (CTCN) und den technischen Partnern RMSI und The Small Earth Nepal – in den Gemeinden Rainas, Bhojpur und Sarlahi ein maßgeschneidertes Wetterinformationssystem entwickelt.

„Nepal ist voller mikroklimatischer Regionen“, erklärt Shivang Bhatnagar, leitender Softwareentwickler bei RMSI. „Warum schaffen wir nicht eine Plattform, auf der Landwirte auf Dorfebene [Ratschläge] erhalten?“

Präzision durch KI

Mithilfe künstlicher Intelligenz und lokaler Wetterdaten aus über 30 Jahren erstellt das System Drei- und Sieben-Tage-Vorhersagen sowie saisonale Ausblicke. Es versendet automatisch ortsspezifische, maßgeschneiderte Wettervorhersagen an die Landwirt:innen und übersetzt Rohdaten in praktische, fachsprachenfreie Ratschläge. Außerdem empfiehlt das System Landwirt:innen, wann sie bewässern, wann sie Schädlingsbekämpfung durchführen oder wann sie die Ernte vorziehen sollten.

Die Landwirt:innen wählen ihr Medium: WhatsApp, E-Mail oder die beliebteste Option: SMS. Alle drei Tage treffen die automatisierten Updates dann auch auf einfachen Mobiltelefonen ein. Die Wirkung war sofort spürbar.

„Jetzt bekommt jeder die Nachricht“, sagt die Landwirtin Sarala Chhetri. „Niemandes Ernte wird mehr verdorben. Die Überschwemmung kann sie nicht beschädigen, nicht verderben, nicht wegspülen. Es ist sehr nützlich, wirklich hilfreich.“

Für Chiranjivi hat die App die psychische und physische Belastung gemildert, die das „Russische Roulette“ mit dem sich wandelnden Klima mit sich bringt. „Es hilft sehr, [Wetterereignisse] im Voraus zu kennen. Wir können entscheiden, wann wir ernten, wann wir pflanzen und wann wir die Samen aussäen […] Seit wir diese mobile App haben, ist das Leben für uns Bauern viel einfacher geworden.“

Mina Kumari Devkota, Reisbäuerin und Büffelhirtin, erinnert sich an das Trauma früherer Saisonen: „Das Wasser überflutete den ganzen Reis und bedeckte alles. Sogar Schlamm drang ins Haus ein.“ Heute checkt sie ihr Handy, bevor sie wichtige Entscheidungen auf dem Feld trifft.

Gemeinschaftliche Widerstandsfähigkeit

Die Beliebtheit des Wetterinformationssystem breitet sich in der Gemeinschaft aus. Landwirt:innen fügen einfach ihre Nummer zur Plattform hinzu, und das Netzwerk wächst organisch. „Es ist nicht nur für uns nützlich; wir können auch anderen und unseren Nachbarn beibringen, wie man es nutzt“, so Chiranjivi Acharya.

Von den rund 3,8 Millionen Haushalten, die von der Landwirtschaft abhängig sind, gelten etwa 80 Prozent als Klein- und Subsistenzbauern. Das bedeutet, dass eine Familie bei einer Missernte sowohl mit Nahrungsmittelknappheit als auch mit der finanziellen Belastung durch den Ersatz der ausgefallenen Ernte zu kämpfen hat. Eine einzige falsch getroffene Entscheidung kann zu einer Spirale aus Schulden und Hunger führen.

„[Das maßgeschneiderte Wetter- und Klimainformationssystem] macht [die Gemeinden] widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel“, sagt Basu Dev Regmi. „Nepalesische Bauern können ihre Ernteerträge steigern, ihre natürlichen Ressourcen schonen und für die kommenden Generationen eine gute Nahrungs- und Ernährungssicherheit gewährleisten.“

Da die Landwirtschaft über 20 Prozent zum BIP Nepals beiträgt, sind zeitnahe Wetterinformationen die praktischste Form der Klimaanpassung. Durch eine einfache SMS verbreitet sich Wissen endlich genauso schnell wie der Sturm.

Das mehrgleisige Wetterinformationssystem verbessert die Chancen

Die Wirksamkeit dieses Ansatzes wurde im Oktober 2025 auf die Probe gestellt, als heftige Regenfälle schwere Überschwemmungen in ganz Nepal und den benachbarten Teeanbaugebieten von Darjeeling auslösten. Während die Region Verluste erlitt, markierte die Reaktion von Nepals Interimspremierministerin Sushila Karki einen Wendepunkt im Katastrophenmanagement.

Expert:innen lobten die schnelle Reaktion der Regierung auf meteorologische Warnungen, die Frühwarnungen, Straßensperrungen und die Unterbrechung des Verkehrs auf wichtigen Autobahnen ermöglichte, bevor das Wasser stieg.

Tanuja Pandey, eine 24-jährige Klimaaktivistin, sagte gegenüber Al Jazeera: „Selten wurden Vorhersagen so ernst genommen wie diesmal, mit öffentlichen Warnungen, Umsiedlungen von Gemeinden am Flussufer, Autobahnsperrungen und sogar der Ausrufung eines zweitägigen Feiertags aus Sicherheitsgründen. Hotline-Dienste und Rettungsteams wurden in höchste Alarmbereitschaft versetzt, was dazu beitrug, Verluste zu minimieren, die sonst weitaus größer hätten ausfallen können.“

Auch wenn die Herausforderungen der Klimakrise bestehen bleiben – das Warnsystem bringt zumindest ein gewisses Maß an Vorhersagbarkeit und Reaktionsmöglichkeiten.

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