Grün im Schnee – Umweltfreundlicher Winterurlaub

Der Winter naht und für alle Sportbegeisterten heißt es dann wieder: Skier aus dem Keller und ab auf die Piste. Was viele nicht wissen ist, dass Wintersport wie Skifahren und Snowboarden die Natur belastet. Aber du kannst das Ganze umweltverträglicher gestalten!

Autor Hanadi Siering, 08.11.11

Sobald der erste Schnee fällt, zieht es viele Wintersportler in die Berge. Dort werden dann die Pisten und Loipen unsicher gemacht – und leider auch die Natur. Dazu gehören die Beeinträchtigung der Flora und Fauna durch sogenannte „Geländekorrekturen“ (die Rodung von Wäldern und Bodenerosionen) sowie ein großer Verbrauch von Energie und Wasser für Schneekanonen – mal ganz von der Lärmbelästigung abgesehen. In Deutschland ist der Zusatz von Bakterien, die Schnee auch bei Temperaturen über dem Null-Punkt herstellen, verboten. Schneeerzeugende Zusatzstoffe, wie sie in Kanada, Norwegen, Japan, Schweden, Schweiz, Finnland, Italien, Chile und Australien verwendet werden, können sich negativ auf die Umwelt auswirken, sobald der Schnee im Frühjahr schmilzt und die abgestorbenen Bakterien auf den Feldern liegen bleiben.

Der Tourismus ist für Winterurlaubsgebiete eine der wichtigsten Einnahmequelle. Deswegen ist es besonders wichtig, die Natur und Umwelt zu schonen, um noch lange in den Genuss von Sport, Erholung und Spaß zu kommen. 

Die Stiftung Pro Natura – Pro Ski gibt regelmässig einen Leitfaden für eine systematische Überprüfung und Bewertung von Skigebieten heraus und Skigebiete haben die Möglichkeit, an einem Bewertungsverfahren durch die Stiftung teilzunehmen und sich zertifizieren zu lassen. 

Skiwandern und -langlauf gelten gemeinhin als die umweltfreundlichste Wintersportvarianten.

Es gibt aber noch mehr, was du tun kannst, um deinen Winterurlaub umweltverträglicher zu gestalten: 

Mit wem wohin verreisen?

  • Bei der Wahl des Reiseveranstalters hilft dir das Nachhaltigkeitssiegel CSR (Corporate Social Responsibility). Die Veranstalter mit diesem Siegel haben ihre Geschäftspraxis auf Nachhaltigkeit geprüft. Weiterhin kann man auf der Homepage von Anderswo Reiseveranstalter und -angebote finden.
  • Auch der Verein Alpine Pearls, ein Zusammenschluss von 24 Urlaubsorten im gesamten Alpenraum, bietet umweltverträglichen Wintersport – mit viel Gewicht auf öffentlichen Verkehrsmitteln und autofreien Gebieten. Informiere dich über die „Perlen“ in den Alpen.
  • Mittlerweile gibt es auch Skiorte, die Lifte und Unterkünfte mit Ökostrom betreiben z.B. Blomberg in Deutschland, siehe Blombergbahn.

Vor dem Schneevergnügen

  • Nicht nur günstiger, sondern auch ressourcenschonend ist es, die Skiausrüstung gebraucht zu kaufen bzw. weiterzuverkaufen; in Süddeutschland auf den „Brettlesmärkten“, sonst über Ebay, Tauschring und Co.
  • Lieber ökologisch innovative Hersteller bevorzugen: Der österreichische Hardware-Hersteller Fischer produziert bereits seit 2001 mit Energie aus erneuerbaren Quellen. Nachdem Fischer-Ausrüstungen ausgedient haben, werden diese thermisch verwertet und zu Wärmeenergie umgewandelt. Arbor und Venture verwenden Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft für ihre Skier und Snowboards.
  • Es gibt auch komplett erdölfrei hergestellte Wachse, z.B. von Hillbillywaxworks für Ski und Snowboards und das Bio-Snowboardwachs von Purl.
  • Auch bei der Kleidung kannst du auf den ökologischen Beitrag der Hersteller achten. Picture Organic clothing benutzt Materialien aus recycelten Stoffen. Vaude arbeitet seit Jahren mit Umweltorganisationen zusammen und richtet die Herstellung ihrer Produkte nach ökologischen Kriterien aus. Die Firma Patagonia stellt Funktionskleidung aus Biobaumwolle und ihr Polyester-Fleece aus recycelten Plastikflaschen her. Mehr auch hier: Rank a Brand.

An- und Abreise

  • Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist immer noch die umweltfreundlichste – am besten mit dem Zug, auch wenn sich die Deutsche Bahn noch immer nicht von Atomstrom distanziert hat.
  • „Wildes Parken“ auf Wiesen und an Waldrändern muss unterlassen werden, da so auch die Vegetation geschädigt wird. Am Besten ist es, das Auto auf dem Hotelparkplatz stehen zu lassen und den Shuttle-Service zum Lift nutzen, wenn einer angeboten wird.

Auf der Piste

  • Wichtig ist es, auf markierten Pisten und Loipen zu bleiben und nicht in unberührtes Gebiet vorzudringen. Tiere haben dort ihre Rückzugsräume und brauchen bei der Nahrungssuche jede Energie, die durch das Fliehen vor Wintersportlern nur unnötig verbraucht wird. Außerdem wachsen unter dem Schnee verschiedene Pflanzen, die geschützt werden müssen. Besonders in Jungwäldern ist die Gefahr von Baumverletzungen groß. 
  • Schneekanonen sind richtige Energie- und Wasserschleudern. Deshalb ist es besser, Skigebiete und Pisten zu meiden, in denen sie eingesetzt werden; wenn nicht genug Schnee vorhanden ist, lieber wandern gehen oder eine Therme besuchen! 
  • Den Müll? Erst gar nicht mit auf die Piste nehmen und natürlich muss jeder selber darauf achten, dass kein Müll auf den Pisten zurückbleibt. 

Wie wär’s: Als Ausgleich kann man selber Bäume pflanzen oder pflanzen lassen, Tipps dazu findest du in dem Artikel Schütze den Wald.

Ski heil!

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